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Arbeitsgruppe "Klima und Naturgefahren" unter der Leitung des
Geographen Prof.Dr. Lorenz King an PACE-Projekt beteiligt
Im Rahmen des EU-Projektes PACE (Permafrost and Climate in Europe - Climate Change, Mountain Permafrost Degradation und Geotechnical Hazard), das bereits seit Januar 1998 läuft und an dem die Gießener Arbeitsgruppe "Klima und Naturgefahren" unter der Leitung des Geographen Prof. Dr. Lorenz King beteiligt ist, beginnt in den nächsten Tagen eine Permafrostbohrung auf dem Stockhorn (3410 m ü. M.) bei Zermatt. Ziel dieser und weiterer Bohrungen an verschiedenen Orten zwischen Spitzbergen und der Sierra Nevada (Südspanien) ist die Registrierung des Temperaturverlaufs in mindestens 100 m tiefem dauernd gefrorenem Fels, um so durch ein "Longterm Monitoring" in einem europäischen Nord-Süd-Profil Klimaänderungen erfassen und allgemein mögliche Bergsturzgefahren bei potientiell gefährdeten Permafrosthängen in europäischen Gebirgen feststellen zu können.
Hauptziele des PACE-Projektes, an dem die Universitäten Madrid, Rom,
Zürich (Universität und ETH), Gießen, Jena, Cardiff, Stockholm und Oslo
beteiligt sind und das mit über 3 Millionen DM von der EU-Kommission und
dem Schweizer Nationalfonds SNF finanziert wird, sind:
· die
Entwicklung von Methoden zur Erfassung und Modellierung der Verbreitung
von Gebirgspermafrost,
· die Messung des Einflusses der Klimaerwärmung
auf Permafrost in europäischen Hochgebirgen und
· die Abschätzung
möglicher Einflüsse eines Permafrost-Rückganges auf Hanginstabilitäten und
der damit verbundenen Naturgefahren wie Murgänge, Hangrutschungen,
Felssackungen und Bergstürze.
Die Forschungsarbeiten werden in verschiedenen "Work Packages"
durchgeführt:
- In insgesamt acht europäischen Testgebieten werden
Bohrlöcher mit Temperaturmessfühlern in verschiedenen Tiefen
instrumentiert.
- Zur Erfassung der horizontalen Verbreitung von
Gebirgspermafrost wird eine optimale Kombination geophysikalischer
Prospektionsmethoden entwickelt.
- Ein rechnergestütztes Modell dient
der Prognose zu erwartender Veränderungen der Permafrostverbreitung.
-
Mit Hilfe einer geotechnischen Zentrifuge werden Auslöser für
Hanginstabilitäten und die Mechanismen von Massenbewegungen in
zeitgerafften Labormodellen untersucht.
Sämtliche gewonnenen Daten
dienen der Entwicklung neuer Methoden zur Beurteilung der Einflussgröße
"Permafrost" bei der Abschätzung des Potentials von Naturgefahren in
europäischen Hochgebirgen.
Im Rahmen dieses Projektes ist die Arbeitsgruppe "Klima und Naturgefahren" des Geographischen Instituts der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Prof. Dr. Lorenz King jetzt dabei, die Bohrung am Stockhorn bei Zermatt vorzubereiten. Voraussichtlich am 26. Juli 2000 wird mit der ersten Bohrung bis zu einer Tiefe von 100 m begonnen. Die Ausrüstung, darunter zwei Kompressoren mit je 2,3 Tonnen Gewicht, muss mit Hubschraubern auf eine Höhe von über 3 400 m ü. M. transportiert werden. Nach Sicherung, Abdichtung und Instrumentierung des Bohrlochs ist für den 8./9. August dann die Rückkehr geplant.
Bislang wurden im Rahmen des PACE-Projekts von der Gießener
Arbeitsgruppe im Mattertal zwischen Grächen und Zermatt/Stockhorn bereits
folgende Arbeiten durchgeführt:
- Geomorphologische Kartierungen
-
Vegetationskartierungen
- Bodentemperatur-Messungen
-
Geophysikalische Permafrostsondierungen
- Modellierung der
Permafrostverbreitung
In einem Folgeprojekt im Zeitraum 2001 bis 2003 sollen die
Untersuchungen praxisbezogen auf folgende Ziele konzentriert werden:
-
Stabilität und Bewegungsverhalten gefrorener Hangpartien,
-
Quantifizierung möglicher Auswirkungen und Risiken im Zusammenhang mit
diesen Prozessen,
- Sozio-ökonomische Aspekte im Umgang mit
Naturgefahren,
- Methoden zur Verminderung des Naturgefahrenpotentials.
Kontaktadresse:
Prof. Dr. Lorenz King
Institut für
Geographie
Senckenbergstraße 1
35390 Gießen
Tel.:
0641/99-36205
Fax: 0641/99-36209
e-mail: Lorenz.King@geogr.uni-giessen.de
Weitere Informationen finden Sie im WWW:
Christel Lauterbach
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