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Zwei Drittel der deutschen Spinnenfauna per Barcode erfasst, neue Weberknechtart in Deutschland

12.10.2016

Mit 60 % der (echten) Spinnenarten und 70 % der Weberknechte ist inzwischen ein umfassender Anteil der deutschen Arachnidenfauna mit den artspezifischen Barcodes im Rahmen des German Barcode of Life - Projektes (GBOL) in der Referenzdatenbank erfasst. Bei den Untersuchungen wurde eine neue Art für Gesamtdeutschland entdeckt. Weiterhin konnten sieben Erstnachweise für verschiedene Bundesländer erbracht werden.

Das Wissenschaftlerteam, bestehend aus Fachleuten aus Museen und Citizen Scientists, hat unter der Koordination des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander-Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere in Bonn (ZFMK) die Ergebnisse jetzt in der renommierten online Zeitschrift „PLoS One“ veröffentlicht.


Die Baldachinspinne Oreonetides glacialis (KOCH, 1872) entpuppte sich als die häufigste Art auf einer kargen Karsthochebene der Zugspitze.

Copyright: Dr. Jörg Spelda, Museum Mensch und Natur, München.

„Zukünftig können nun auch Jungtiere, Eier oder Gewebeteile mittels Sequenzierung eines Bruchteils ihrer DNA unter Zuhilfenahme der German Barcode of Life Online-Datenbank exakt Arten zugeordnet werden." erläutert Jonas Astrin, Biobank-Kurator am ZFMK. Das Erfassen von Fragmenten der Arten kann unter anderem für den Naturschutz, die Kriminalistik, die Landwirtschaft oder die Lebensmittelindustrie interessant sein. „Die besondere Leistung ist die Schnelligkeit, mit der die Daten der großen Mehrheit der deutschen Spinnenarten so erfasst werden konnten, dass sie nun eindeutig anhand ihres DNA-Barcodes bestimmt werden können“ erklärt Astrin weiter. Insgesamt wurden ca. 600 Arten in die Analysen aufgenommen und von mehr als 3500 Tieren DNA-Barcodes gewonnen.

Neben der zuverlässigen Artbestimmung aller Lebensstadien erlaubt die Datenbasis ein Monitoring vom Genfluss und sie bildet die Basis für zukünftige Umweltstudien über für zukünftige molekular gestützte Umweltstudien.

Unter den echten Spinnen wurden zwei Arten für Baden-Württemberg (Sibianor larae (Logunov, 2001) und S. merens (Pickard-Cambridge, 1900)), jeweils eine für Bayern (Oreonetides glacialis (Koch, 1872)) und Mecklenburg-Vorpommern (Xysticus acerbus (Thorell, 1872)) sowie drei für Schleswig-Holstein (Hahnia ononidum (Simon, 1975), Mermessuns trilobatus (Emerton, 1882) und Glyphesis servulus (Simon, 1881)) erstmalig erfasst. Zusätzlich wurde der Weberknecht Pholcus alticeps (Walckenaer, 1805) aus Sachsen nachgewiesen, eine Art, die bisher nur aus Polen bekannt war und damit für Gesamtdeutschland einen Neufund darstellt.

Es zeigten sich nur wenige Beispiele, bei denen Arten, die sich morphologisch eindeutig unterschieden, nicht durch das Barcoding differenziert werden konnten. Als Ursache werden Mechanismen der sexuellen Selektion vermutet. Diese Arten und Artengruppen müssen noch weiter in ihrer genetischen Struktur und in ihren Evolutionswegen untersucht werden, um zukünftig auch hier zu guten Ergebnissen zu kommen.

Quelle:

Astrin, J.J., Höfer, H., Spelda, J., Holstein, J., Bayer, S., Hendrich, L., Huber, B.A., Kielhorn, K.H., Krammer, H.J., Lemke, M., Monje, J.C, Morinière, J., Rulik, B., Petersen, M., Janssen, H., Muster, C. (2016) Towards a DNA Barcode Reference Database for Spiders and Harvestmen of Germany – PLoS One, 11(9):e0162624.

doi: 10.1371/journal.pone.0162624.

http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0162624

Ansprechpartner:

Dr. Jonas Astrin
Sektionsleiter
Biobank-Kurator
Molekulare Taxonomie, Biobank
Tel: +49 228 9122-357
Fax: +49 228 9122-6357
Mail: j.astrin@zfmk.de

Björn Rulik
Taxonomischer Koordinator GBOL
Molekulare Taxonomie
Tel: +49 228 9122-373
Fax: +49 228 9122-295
Mail: b.rulik@zfmk.de


Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig - Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 88 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam.

Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de 

Sabine Heine | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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