Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mikrodaten der amtlichen Statistik ...

03.03.2006


... eine bislang zu wenig genutzte Datenquelle für die empirschen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften



Mikrodaten der amtlichen Statistik sind für Analysen des wirtschaftlichen und sozialen Wandels eine wichtige Datenquelle. Leider werden sie von der Forschung bislang noch wenig genutzt, obwohl sie im Vergleich von der Forschung selbst durchgeführten Erhebungen manche Vorteile aufweisen, und deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu diesen darstellen. Diese Vorteile sind z.B. der große Stichprobenumfang, die hohen Beteiligungsquoten und regelmäßige Erhebungszyklen, die insbesondere bei Untersuchungen des wirtschaftlichen und sozialen Wandels zum Tragen kommen. In diesem Kontext fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung gegenwärtig eine Vielzahl von Projekten mit dem Ziel, amtliche Mikrodaten als Standarddatenquelle in der Forschung zu etablieren. Eine Bestandsaufnahme der Nutzung von amtlichen Mikrodaten in der empirischen Forschung geben Walter Müller (Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung) und Heike Wirth (Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim) in einem kürzlich erschienen Artikel in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.



Schon in den 1970er Jahren wurden amtliche Mikrodaten für die Bearbeitung von Forschungsfragen genutzt. Der anfänglich relativ einfache Datenzugang wurde im Zusammenhang mit öffentlichen Diskussionen über Datenschutz ab Ende der siebziger Jahre deutlich erschwert und kam fast zum Erliegen. Grund hierfür war das Bundesstatistikgesetz von 1980, nach welchem Mikrodaten von den statistischen Ämtern nur noch in Form stark aggregierter Tabellen mit hierdurch erheblich eingeschränkten Analysemöglichkeiten an die Forschung weitergegeben durften. Erst mit der Novellierung des Bundesstatistikgesetzes (BStatG) 1987 wurden die rechtlichen Grundlagen geschaffen, um erneut Mikrodaten an die Forschung weitergeben zu können. Aufgrund der hohen Zugangskosten konnten die amtlichen Mikrodaten aber weiterhin kaum durch die Forschung genutzt werden. Erst durch eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Forschung konnten die Finanzierungsprobleme gelöst werden. Dies hatte zur Folge, dass das Potenzial amtlicher Mikrodaten durch die Sozial- und Wirtschaftsforschung zunehmend genutzt wurde.

Dies war der Beginn für eine Vielzahl weitergehender Initiativen, um den Zugang der Forschung zu amtlichen Mikrodaten zu institutionalisieren. Eine Schlüsselrolle nimmt hierbei der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im 2004 berufene Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) ein, in welchem Vertreter von Wissenschaft und amtlicher Statistik sich gemeinsam der Aufgabe stellen, die zahlreichen Datenquellen der amtlichen Statistik für die Forschung dauerhaft zu erschliessen.

Die Relevanz amtlicher Mikrodaten beschreiben Walter Müller und Heike Wirth zum Beispiel anhand der herkunftsspezifischen Bildungsungleichheit (siehe die aktuelle PISA-Debatte), dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Einkommensungleichheit, sowie der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt.

Der besonderen Bedeutung dieser Daten für die Forschung wird auch insofern Rechnung getragen, als das German Microdata Lab (GML) beim Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA) mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung und Bildung amtliche Mikrodaten für die sozialwissenschaftliche Nutzung aufbereitet und Wissen über die Datennutzung in die Profession vermittelt.

Weitere Informationen zu amtlichen Mikrodaten finden Sie u.a.
http://www.gesis.org/Dauerbeobachtung/GML/index.htm

Heike Wirth und Walter Müller: Mikrodaten der amtlichen Statistik - Ihr Potenzial in der empirischen Sozialforschung. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44, 2004, S. 93-127. (Erschienen 2006).

Kontakt: wirth@zuma-mannheim.de

Kerstin Hollerbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.gesis.org/
http://www.gesis.org/Dauerbeobachtung/GML/index.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

nachricht Mehr Habilitationen von Frauen im Jahr 2015
28.06.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie