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Climate Engineering: Symposium in Berlin zeigt aktuellen Stand und Perspektiven der Forschung

03.07.2015

Der Klimawandel schreitet voran. Auf der internationalen klimapolitischen Bühne werden mittlerweile auch Vorschläge diskutiert, dem Klimawandel mit großtechnischen Maßnahmen, sogenanntem Climate Engineering, entgegenzutreten. Doch könnten uns diese Maßnahmen weiter bringen? Welchen Auswirkungen werden erhofft und befürchtet?

Beim „Climate Engineering Research Symposium 2015“ (#CERSYM15) in Berlin tauschen vom 7. bis 10. Juli Wissenschaftler aus 15 Ländern und verschiedensten Disziplinen neueste Forschungsergebnisse dazu aus. Gleichzeitig laden die Organisatoren interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einer öffentlichen Wissensshow zu Climate Engineering am Donnerstag, den 9. Juli, ein.


Grafische Darstellung von verschiedenen Ideen zum Climate Engineering. Im Rahmen des SPP sollen Chancen und Risiken transparent und interdisziplinär untersucht werden.

Grafik: Kiel Earth Institute

Die Vorbereitungen für die 21. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die im November und Dezember dieses Jahres in Paris stattfinden wird, laufen auf Hochtouren. Doch während politisch um mögliche Schutzmaßnahmen für das Klima, Grenzwerte und Lastenverteilung gerungen wird, schreitet der Klimawandel weiter voran.

Trotz vieler entgegengesetzter Bemühungen ist der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre in den vergangenen Jahren weiter rasant gestiegen. Vor diesem Hintergrund werden auf Klimakonferenzen immer wieder auch Ideen zu großtechnischen Maßnahmen, sogenanntem „Climate Engineering“, vorgeschlagen, die auf eine Manipulation des Klimasystems abzielen, um den Klimawandel zu begrenzen.

Bei vielen dieser Maßnahmen gibt es aber erhebliche Unsicherheiten bezüglich der Wirksamkeit und der Nebenwirkungen. Um sich über den aktuellen Stand der diesbezüglichen Forschung auszutauschen, treffen sich Wissenschaftler aus 15 Ländern vom 7. bis 10. Juli zum „Climate Engineering Research Symposium 2015“ (#CERSYM15) in Berlin.

Zu den Ideen, die unter Climate Engineering zusammengefasst werden, gehören zahlreiche Methoden wie zum Beispiel die Düngung des Ozeans, um Planktonwachstum anzuregen, denn pflanzliches Plankton bindet mittels Photosynthese Kohlendioxid. Andere Vorschläge beinhalten das Versprühen von Aerosolen in der Atmosphäre oder künstliche Wolkenbildung, um Sonnenstrahlung abzuschirmen. Auch großflächige Aufforstung von Wüstengebieten fällt unter den Sammelbegriff.

„All diese Vorschläge würden aber zumindest regionale, wenn nicht sogar globale Eingriffe in Öko-, Wetter- und Klimasysteme bedeuten. So etwas birgt Risiken“, sagt Professor Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Er koordiniert das vor drei Jahren von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ins Leben gerufene Schwerpunktprogramm „Climate Engineering – Risiken, Herausforderungen, Möglichkeiten?“

„Ziel des interdisziplinären Projekts ist nicht, Climate Engineering-Techniken zu entwickeln, sondern die international auf vielen Ebenen diskutierten Ideen wissenschaftlich neutral und transparent auf Wirksamkeit und Nebenwirkungen hin zu überprüfen“, so Professor Oschlies. Am Ende soll eine wissenschaftlich fundierte Informationsgrundlage stehen, die eine breite gesellschaftliche Diskussion über Climate Engineering ermöglicht. Insgesamt sind 16 Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und Frankreich an dem Projekt beteiligt.

Ziel des vom DFG-Schwerpunktprogramm organisierten Berliner Symposiums ist deshalb nicht nur, einen internationalen Austausch über den aktuellen Wissensstand zu ermöglichen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen auch offene Fragen identifizieren, die in Zukunft noch beantwortet werden müssen. „Dazu gehören auch ethische, rechts- und gesellschaftswissenschaftliche Fragen. Schließlich müssen wir auch klären, wer unter welchen Bedingungen überhaupt Climate Engineering betreiben dürfte und wie Entscheidungen darüber in einer verantwortlichen Weise getroffen werden könnten“, betont Professor Oschlies. Zusätzlich sei wichtig, die wissenschaftlichen Ergebnisse an die Öffentlichkeit zu vermitteln: „Sonst ist eine breite Diskussion nicht möglich“.

Schon während des Symposiums können sich Interessierte an der Debatte beteiligen. Auf der Internetseite des Symposiums wird ein Blog über die Themen und Inhalte des Symposiums informieren. Am Donnerstag, den 9. Juli, um 19:00 laden die Organisatoren zu der öffentlichen Abendveranstaltung „Pointing Science – Views Onto an Man-Made Climate“ in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Markgrafenstraße 37, 10117 Berlin, ein. In dieser interaktiven Show kommen Experten, Laien und Publikum gleichermaßen zu Wort. Professor Oschlies und Prof. Alexander Proelß, Experte für internationales Recht an der Universität Trier, begleiten die Show als anwesende Experten. Das Publikum kann per Mikrofon, SMS oder Twitter Meinungen äußern oder Fragen stellen und bestimmt per Abstimmung durch Laserpointer welchen thematischen Verlauf die Show nimmt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

„Gerade der Dialog mit der Öffentlichkeit ist uns sehr wichtig. Einerseits benötigen wir belastbare wissenschaftliche Daten über Climate Engineering Maßnahmen. Aber Klimawandel und entsprechende Lösungsvorschläge können jeden Menschen v.a. auch der zukünftigen Generationen treffen. Das heißt, dass wir versuchen müssen, alle Menschen in die Diskussion über diese Lösungsvorschläge einzubinden“, sagt Professor Oschlies. Hierzu wird am Vormittag vor dem eigentlichen Symposium auch ein Workshop mit mehreren Berliner Schulkassen stattfinden.

Weitere Informationen:

http://www.spp-climate-engineering.de Das DFG-Schwerpunktprogramm „Climate Engineering – Risks, Challenges, Opportunities?“
http://www.spp-climate-engineering.de/the-symposium.html Das Climate Engineering Research Symposium 2015 (#CERSYM15) mit Hinweis zur öffentlichen Abendveranstaltung “Pointing Science”
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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