Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sicherheit im elektronischen Datenverkehr - heißes Thema der MEDICA

23.10.2001


Bringt die Zukunft der Medizin den gläsernen Patienten? Werden neue technische Möglichkeiten bei der Übermittlung und beim Speichern von Daten den Datenschutz aushebeln? Angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre könnte das mancher meinen, der sich mit der Materie beschäftigt: Mehr als 50 Prozent der Ärzte in Deutschland gehen ins Internet. Neue Entwicklungen bei Software und in der Standardisierung der elektronischen Kommunikation zwischen Ärzten werden in nicht allzu ferner Zukunft dazu führen, dass immer mehr Patientendaten über das Internet oder über andere Datennetze verschickt werden. Ärzte werden in Zukunft online miteinander kommunizieren, und sie werden ihre Daten so speichern, dass sie für Kollegen im Prinzip abrufbereit sind, wenn die darauf zugreifen müssen.

Der elektronische Arztausweis kommt

Doch so viel Geld in diese Neuentwicklungen fließt, um in Zukunft Doppeluntersuchungen überflüssig zu machen und die Behandlungsqualität zu verbessern, so viel fließt auch in die Sicherheitstechnik. In ein bis eineinhalb Jahren werden Mediziner nach einmütigen Schätzungen aus Industrie und Ärzteschaft mit einem elektronischen Arztausweis ausgestattet sein. Dieser Ausweis wird eine Chipkarte sein, die es zum Beispiel ermöglicht, dass elektronische Arztbriefe so verschlüsselt werden, dass nur der vorgesehene Empfänger diese Nachricht entschlüsseln und lesen kann. Außerdem werden Ärzte ihre elektronischen Nachrichten mit einer rechtswirksamen digitalen Signatur versehen, die es für den Empfänger zweifelsfrei macht, von wem die Nachricht stammt und dass sie nach dem Versand nicht durch einen unbekannten Dritten verändert worden ist. Die dritte Funktion dieses Ausweises wird dem Besitzer ermöglichen, auf Patientendaten zuzugreifen, die auf einem Server gespeichert sind. Er kann auf einem solchen Server nur die Daten lesen, für die er eine Zugriffsberechtigung hat.

Trustcenter helfen - Thema der MEDICA 2001 in Düsseldorf

Dieses kleine Wunderwerk der Technik kann nur funktionieren, wenn die Inhaber solcher Chipkarten - das werden außer Ärzten wahrscheinlich auch Apotheker, Arzthelferinnen, Krankenschwestern und Angehörige anderer Gesundheitsberufe sein - sicher sein können, dass die beschriebenen Funktionen auch tatsächlich vollkommen verlässlich sind. Dafür sind vertrauenswürdige Institutionen erforderlich, die eine Garantie dafür übernehmen. Diese so genannte Trusted Third Party - auch Trustcenter genannt - erstellt die Chipkarten, verwaltet die Schlüssel, und sie muss über alle Daten des Melderegisters verfügen. Im Melderegister wird fest gehalten und ständig aktualisiert, welche Weiterbildung die Ärzte gemacht haben, wer welcher Fachgruppe angehört, und es wird registriert, wenn einem Arzt die Approbation entzogen wird.

Im Rahmen der MEDICA 2001 in Düsseldorf, der mit über 3.500 Ausstellern weltgrößten Medizinmesse (21. bis 24. November), wird einer der Schwerpunkte die Sicherheit bei der elektronischen Kommunikation zwischen Ärzten sein. In den Messehallen werden sich einige Unternehmen den Messebesuchern vorstellen, die Konzepte für solche Trustcenter für das Gesundheitswesen entwickelt haben. Auf der Sonderschau MEDICA MEDIA (Halle 14) und in angeschlossenen Workshops wird das Thema Chipkarten im Gesundheitswesen und Datensicherheit ausführlich zur Sprache kommen.

Hoher finanzieller Aufwand und strenge Auflagen

Wer ein Trustcenter betreiben möchte, muss erhebliche Aufwendungen für die Sicherheit leisten. Vorgaben dafür sind unter anderem im Gesetz über die digitale Signatur festgelegt. Um ein Zertifikat für ein nach Signaturgesetz akkreditiertes Trustcenter zu bekommen, müssen die Organisationsstrukturen einer solchen Institution genauestens daraufhin durchleuchtet werden, dass es keine Sicherheitslücken gibt. Zu den Bedingungen gehören auch bauliche Maßnahmen wie abhörsichere Wände, eine Videoüberwachung und eine besonders gute Sicherung gegen Feuer. Der Grund für diese besonderen Sicherheitsmaßnahmen liegt darin, dass die Daten zum einen ständig verfügbar sein müssen, dass sie aber zum anderen niemandem zugänglich sein dürfen, der keine Berechtigung hat. Bei jedem Versand eines Arztbriefes wird automatisch online beim Trustcenter erfragt, ob der Inhaber des Schlüssels auch der ist, der er zu sein vorgibt. Die Investitionen für solche Maßnahmen liegen im zweistelligen Millionenbereich.

Die Ärztekammern, die den neuen Arztausweis ausgeben werden und die gleichzeitig die Melderegister führen, könnten theoretisch solche Trustcenter selbst betreiben, viele der Kammern wären aber durch die erforderlichen Investitionen überfordert. Denn es herrscht Konsens in den ärztlichen Körperschaften, dass für die Kommunikation unter Ärzten der höchste Sicherheitsstandard gelten muss. Das ist die Chance für private Betreiber von Trustcentern, die diesen Sicherheitsanforderungen genügen. Noch wird um den Standard für einen solchen Arztausweis gerungen. Einen Entwurf haben die ärztlichen Körperschaften vor gut einem Jahr vorgelegt, bisher gibt es allerdings keinen Anbieter, der genau diese Anforderungen vollständig erfüllt.

Gut im Rennen ist bisher die Deutsche Post Signtrust, die gemeinsam mit dem Unternehmen Medizon AG ein Trustcenter für das Gesundheitswesen gegründet hat, das bereits durch die Regulierungsbehörde zertifiziert worden ist. Sie ist dabei, in Sachsen 1000 Ärzte mit elektronischen Arztausweisen auszustatten. Hauptkonkurrent ist die Deutsche Telekom, die ebenfalls in einigen Pilotprojekten die Versorgung mit Chipkarten übernommen hat. Die Lösungen der Telekom werden bei der MEDICA in Messehalle 14 zu sehen sein.

Vorbild Mobilfunktnetz: Kompatibilität muss Gewähr leistet sein

Wer am Ende die Ausstattung der Ärzte mit elektronischen Arztausweisen übernehmen wird, steht noch in den Sternen. Auch andere Unternehmen könnten noch Trustcenter für das Gesundheitswesen aufbauen, und es ist nicht unbedingt zu erwarten, dass in allen 17 Ärztekammern dasselbe Unternehmen zum Zuge kommt. In diesem Falle müsste allerdings Gewähr leistet sein, dass die Arztausweise verschiedener Trustcenter miteinander kompatibel sind. Bisher ist es noch so, dass ein Arztbrief, der von einem Arzt mit einer Chipkarte von dem einen Trustcenter verschlüsselt worden ist, von einem Arzt mit einer Chipkarte von dem anderen Trustcenter nicht gelesen werden kann. Was im Mobilfunkbereich selbstverständlich ist - dass von einem Netz ins andere telefoniert werden kann -, das muss bei der elektronischen Kommunikation noch mühsam erarbeitet werden.

Ein elektronischer Arztausweis wird mit all seinen Sicherheitsfunktionen dann seinen Sinn verlieren, wenn keine Anwendungen für diesen Ausweis existieren. Software, die in Kliniken und Praxen läuft, muss mit den verschlüsselten Nachrichten zurechtkommen. Standards für elektronische Überweisungen, für elektronische Rezepte und für die vielen Formulare, die in Zukunft auch elektronisch verschickt werden könnten, müssen noch entwickelt werden. Erste Schritte in diese Richtung hat die Medizon AG gemacht, die in diversen Kooperationen mit Krankenhaus- und Praxissoftware-Häusern vereinbart hat, dass die Karte integriert wird. Bei der MEDICA können die Besucher die ersten Anwendungen bei den Partnerunternehmen in Augenschein nehmen.

Sicher ist: Zertifizierte Trustcenter und die Nutzung des elektronischen Arztausweises durch die Mediziner werden verhindern, dass durch die elektronische Kommunikation der Patient gläsern und der Datenschutz durchlöchert wird.

ots Originaltext: Messe Düsseldorf GmbH
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Messe Düsseldorf GmbH
Pressereferat MEDICA/ ComPaMED 2001
Martin-Ulf Koch/ Kerstin Schmidt (Assistenz)
Tel. 0211-45 60-444
FAX 0211-45 60-8548
Email. KochM@messe-duesseldorf.de

Messe Düsseldorf GmbH | ots
Weitere Informationen:
http://www.medica.de

Weitere Berichte zu: Chipkarte Gesundheitswesen MEDICA Melderegister

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Fraunhofer IDMT auf der Prolight + Sound 2017: Objektbasierte Tonmischung wird noch einfacher!
03.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT

nachricht AERO 2017: Neuartiger elektrischer Antrieb für ökoeffizientes Fliegen mit Motorsegler
31.03.2017 | Technische Hochschule Wildau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten