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BIOTECHNICA in neuen Dimensionen

12.10.2001


  • Drastische Steigerung bei Besuchern, Ausstellern und Fläche
  • Branche sehr optimistisch

  • Aussteller schmieden Forschungsalliancen

Die BIOTECHNICA 2001 (09. bis 11. Oktober) hat die Position Hannovers als international führendes Messezentrum der Biotechnologieszene glänzend bestätigt. Die drastisch gestiegenen Zahlen bei Besuchern, Ausstellern und vermieteter Ausstellungsfläche belegen eindeutig die Spitzenposition der Biotechnologie als weltweite Wachstumsbranche. Die Messe in Zahlen: rund 12 500 Fachbesucher (1999: 10 005), ein Zuwachs von 25 Prozent, 1 069 (811) Aussteller, plus 30 Prozent, 15 272 Quadratmeter (10 805) Ausstellungsfläche, eine Steigerung um 40 Prozent. In den drei Tagen in Hannover präsentierte sich eine Branche, die kräftig an Selbstbewusstsein, Erfolgsorientierung und Professionalität zugelegt hat.

Die Zukunftsbedeutung der Biotechnologie und der herausragende Stellenwert der BIOTECHNICA wurden zudem durch ein hohes Engagement der Politik unterstrichen. Alle Bundesländer waren mit Gemeinschaftsständen vertreten, zudem die international führenden Länder der Biotechnologie. Aus ganz Deutschland reisten hochrangige politische Delegationen an. An der Spitze die Ministerpräsidenten aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.



Neben der gestiegenen Zahl der Besucher hat sich auch die Besucherstruktur nochmals deutlich verbessert. Der Zuwachs resultiert sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. Innerhalb Deutschlands konnte vor allem der Süden mit 2 300 (1 000) Besuchern nachhaltig erschlossen werden. Der Zuwachs beim Auslandsbesuch, der von 2 100 auf 2 700 Fachleute gestiegen ist, resultiert vor allem aus der EU, Osteuropa und Asien. Dabei spricht die Qualität der Besucher für sich: Mehr als 10 000 der Besucher sind beratend bis ausschlaggebend in betriebliche Einkaufsentscheidungen eingebunden.

Großer Optimismus unter den Ausstellern

Die wirtschaftlichen Aussichten wurden von der Mehrzahl der Aussteller, die sich erstmals in zwei Hallen präsentierten und aus 28 Nationen kamen, als gut oder sehr gut eingestuft. Die Aussteller von Equipment berichteten von einer ungebrochenen Investitionsbereitschaft der Biotechnologieunternehmen. Der Bereich der Bioinformatik/Services profitiert von den gigantischen Datenmengen, die bei der Gen-Forschung anfallen und die sich nach Ansicht von Experten alle sechs bis acht Monate verdoppeln.

Biotech-Firmen, die länger am Markt sind, haben größtenteils die Forschungs- und Entwicklungsphase hinter sich und präsentierten in Hannover vermarktungsfähige Plattformen und Produkte. Start-Ups, die zur BIOTECHNICA gekommen waren, um potenzielle Geldgeber für ihre Ideen zu gewinnen, sind nach Beobachtungen von Venture Capital-Gebern heute deutlich realistischer als noch vor zwei Jahren. Neben Forschungs- und Produktideen machten sie sich immer häufiger auch Gedanken um die Finanzierung und spätere Vermarktung ihrer Produkte.

Viele der Aussteller nutzten die BIOTECHNICA auch, um Kooperationspartner zu finden, mit denen sie ihre Projekte schneller zur Marktreife bringen können und um Forschungsallianzen zu schmieden.

Bio-Regionen und Kompetenz-Zentren, die sich vor allem in Deutschland bilden und in denen ganz unterschiedliche Biotechnologie-Firmen zusammenarbeiten, um forschungsintensive Aufgaben gemeinsam zu bearbeiten, boten auch kleinen Unternehmen die Möglichkeit, für sich zu werben. Die Suche nach Kooperationspartnern war auf den internationalen Gemeinschaftsständen von Australien, Großbritannien und Spanien ein wichtiges Ausstellungsziel.

Von besonderer aktueller Bedeutung war zudem die starke Präsenz mit 17 Unternehmen auf dem Gemeinschaftsstand der USA. Berichtet wurde hier von positiven Geschäftserwartungen und einer künftig noch stärkeren Beteiligung.

Aussteller berichteten von einer größeren Akzeptanz der Gentechnik im medizinischen Bereich ("Rote Gentechnik"). Hier können in Zukunft individuellere Medikamente das Leben chronisch kranker Menschen erleichtern und Organ- und Gewebe-Transplantationen erfolgreicher machen. Der sogenannten "Grüne Gentechnik", die sich mit der Verbesserung von Pflanzen und Lebensmittel beschäftigt, stehen die Verbraucher dagegen weiter sehr skeptisch gegenüber - das gilt für die USA und Australien genauso wie für Deutschland.

Trends der Biotechnologie

Ein wichtiger Trend ist der Biochip. Er ist für das rasant wachsende Gebiet der Genomics und Proteomics (jährliche Zuwachsraten von 55 Prozent) ein essenzieller Motor. Die Produktpalette umfasst sowohl fertige Chips als auch Geräte zu ihrer Herstellung und Auswertung, letzteres ein Anwendungsgebiet der Bioinformatik. Aber auch neuartige Chips, z. B. zur Wirkstofferkennung in Heilpflanzenextrakten, wurden gezeigt.

Biochips wurden in diesem Jahr nicht mehr als Forschungserrungenschaft wie noch zur BIOTECHNICA 99 vorgestellt, sondern sind nun fester Bestandteil der kommerziellen biotechnologischen Produktpalette. Hier verdeutlicht sich der schnelle Entwicklungszyklus der Biotechnologie: in zwei Jahren von der Forschung zum marktreifen Produkt.

Ein weiterer bedeutender Trend ist das Tissue Engineering, ein Thema, das auch auf einem begleitenden Kongress behandelt wurde. Firmen stellen neue Entwicklungen vor, konnten aber auch die bereits erfolgreichen praktischen klinischen Anwendungen bei Haut-, Knorpel- und Bandscheibenersatz dokumentieren.

Deutlich erkennbar auch, dass verschiedene Produkte aus der Molekularbiologie mittlerweile kommerzialisiert und auf der BIOTECHNICA ins Angebotsportfolio aufgenommen wurden. Als Beispiel sei hier die Auftragsproduktion von Plasmiden für die Gentherapie und genetische Impfung angeführt.

Laborautomation präsentierte sich auf der BIOTECHNICA als weiteres Wachstumsfeld. Neben den nach wie vor an Bedeutung gewinnenden Laborrobotern, die Routineabläufe automatisieren, wurden Automaten für etablierte molekularbiologische Analysenmethoden, wie z. B. die Hybridisierungsverfahren, vorgestellt. Dadurch können diese Methoden nun schneller und vor allem auch reproduzierbarer eingesetzt werden.

Neue Wirkstoffe zu finden ist eine Sache, diese auch zu produzieren ist eine andere. Die Rückbesinnung auf die technischen Wurzeln der Biotechnologie und die Einsicht, dass ohne Bioverfahrenstechnik das "tollste" Produkt nicht auf den Markt gebracht werden kann, weist auf den Trend hin, die Ingenieursseite der Biotechnologie wieder stärker zu berücksichtigen. Dieser Maxime folgte die BIOTECHNICA auch in diesem Jahr und präsentierte unter anderem alle wichtigen Hersteller von Bioreaktoren.

Die nächste BIOTECHNICA findet vom 07. bis zum 09. Oktober 2003 statt.

Ansprechpartner für die Redaktion:

Gabriele Dörries
Tel.: +49-511/89-31014
Fax: +49-511/89-32631
e-Mail: gabriele.doerries@messe.de

Gabriele Dörries | BIOTECHNICA

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