Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rauschfreies Radio auf allen Frequenzen

17.08.2001


Kaum zu glauben, in unserer Bits- und Bytes-geprägten Welt gibt es noch über zwei Milliarden analoge Radioempfänger. Bei UKW durchaus in akzeptabler Qualität. Dem AM-Rundfunk auf Kurz-, Mittel- und Langwelle hingegen hängt der nostalgische Hauch des Rauschens bis heute an. Ein neues digitales Rundfunksystem soll auch für diese Frequenzbereiche Radiogenuss fast in störungsfreier Qualität liefern: Digital Radio Mondiale kurz DRM. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin können sich Besucher von der akustischen Verbesserung selbst überzeugen. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS präsentiert ein Live-Programm auf einem PC-basierten Empfangsgerät.

»Problem bei Lang-, Mittel- und Kurzwelle sind die extrem einfache Amplitudenmodulation und damit die vielfältigen Störungen auf dem Übertragungsweg«, erklärt Dipl.-Ing. Albert Heuberger vom IIS. »Das verursacht Knacksen, Prasseln, Rauschen oder Signallöcher und ist kein Spaß für den Zuhörer.« Allerdings kann man auf diesen Frequenzbändern mit wenigen Sendern sehr große Gebiete versorgen. Das macht sie auch weiterhin interessant, vor allem in der neuen Qualität. »Der akustische Unterschied von analoger Kurzwelle zu digitaler Kurzwelle ist wie Tag und Nacht«, schwärmt Heuberger.

DRM, an dessen Entwicklung immerhin 60 Partner aus aller Welt beteiligt waren, macht den leidigen Störungen ein Ende. Die Sprach- und Musikdaten werden mit dem heute wohl leistungsfähigsten Verfahren (Advanced Audio Coding mit Bandbreitenerweiterung), einem Nachfolger von MP3, komprimiert. So kann auch bei sehr niedrigen Datenraten – DRM sendet mit 24 kbit pro Sekunde – guter Klang erzielt werden. Ein großes Plus ist auch, das sich DRM in das Frequenzraster des bestehenden analogen Rundfunks einpasst. Damit ist eine langwierige Frequenzkoordination weitgehend überflüssig. Die Rundfunkbetreiber können ihre Sender ohne großen finanziellen und technischen Aufwand sukzessive auf die neue digitale Technik umrüsten.

Auf dem Messestand wird eine komplette Encoder-Decoder-Kette vorgestellt, also der komplette Weg der Musik- oder Sprachdaten vom Sender zum Hörer. Der DRM-Empfänger auf PC-Basis ist einer der wenigen Demonstratoren, die derzeit im Einsatz sind.

»Erste Radios sollen 2003 in die Läden kommen«, führt IIS-Entwickler Heuberger aus. »Dazu muss jedoch erst ein spezieller integrierter Empfängerchip entwickelt werden. Damit können dann verschiedenste Radio-Typen gebaut werden, angefangen vom Heimempfänger bis hin zum mobilen Taschenradio.« Zudem lassen sich bei DRM neben dem Musikprogramm multimediale Zusatzdaten übertragen, etwa aktuelle Verkehrsnachrichten oder Informationen zur gespielten Musik. Beispiele dafür zeigen die Erlanger Forscher gemeinsam mit der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt.

Ein weiteres Projekt, das die Erlanger Forscher auf der IFA zeigen ist »UMIS – Universelles Mobiles Informationsleitsystem«. UMIS empfängt Positionsdaten über GPS (Global Positioning System) und greift auf dazu passende Informationen zurück. Diese werden als Zusatzdaten zu digitalem Rundfunk, beispielsweise DRM oder DAB, übertragen. Das hört sich dann folgendermaßen an: Wie beim Verkehrsfunk wird der laufende Beitrag unterbrochen. Je nachdem welche Sparte der Fahrer oder Beifahrer ausgewählt hat, sagt ihm eine freundliche Stimme, welche Sehenswürdigkeiten in seiner nächsten Umgebung sind, welche Hotels oder Restaurants zu empfehlen sind oder welches Kinoprogramm in der nächsten Stadt gespielt wird. Interessant auch für Speditionen: Sie können ihren Fahrern auf diese Weise so manchen Umweg ersparen, wenn eine Brücke mit begrenzter Belastungskapazität oder ein niedriger Tunnel oder Unterführung den Weg plötzlich versperrt. Dank UMIS weiß der Fahrer rechtzeitig Bescheid.

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (25.8. - 2.9.) finden Sie die Fraunhofer-Institute in Halle 5.3, Stand 08 unter anderem mit folgenden Themen: Digitale Wasserzeichen, X-Rooms - Virtuelle Realität für den Mittelstand, e-shop, Audio- und Videokompression sowie interaktives Fernsehen.

Birgit Janner | Presseinformationen

Weitere Berichte zu: DRM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Laser World of Photonics 2017: Abhörsicher kommunizieren mit verschränkten Photonen
22.06.2017 | Fraunhofer-Gesellschaft

nachricht EMO 2017: Smarte Lösungen für Produktionsoptimierung und Sägetechnologie
20.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften