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Besser als einst Caruso

03.08.2001


Modernste Audiotechnik erzeugt ein Klangfeld, das den besten Plätzen eines Konzertsaals entspricht. Maßgeblich ist letztlich der subjektive Höreindruck.


Den großen Opernsänger Enrico Caruso hielt Luciano Pavarotti für »die Stimme, an der sich alle Tenöre messen müssten«. Ohne an seiner Ausdruckskraft zu zweifeln, klingen die mit Caruso in Mono aufgenommenen Schallplatten heute jedoch wenig eindrucksvoll. Im Jahrhundert nach den ersten Tonträgern ist die Messlatte für die Wiedergabequalität von Musik immer höher gelegt worden: Ein aktuelles Beispiel dafür ist das europäische Projekt CARROUSO - »Creating, assessing and rendering in real time of high quality audio-visual environments«. Zehn Forschungseinrichtungen aus fünf europäischen Ländern arbeiten an Techniken der 3D-Klangwiedergabe, die auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vom 25. August bis 2. September vorgeführt werden.

»Surround Sound, wie man ihn aus Kinos kennt, soll ins heimische Wohnzimmer einziehen«, wünscht sich Dr. Thomas Sporer von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Elektronische Medientechnologie AEMT in Ilmenau. »Bisher verfolgte man Theorien und Verfahren, die jedoch keinen praktischen Einsatz fanden.« Anders bei CARROUSO, wie es auf der Funkausstellung gehört und gesehen werden kann. Ein Labor mit Möbeln und Vorhängen enthält alles, was zu einem traditionellen Wohnzimmer gehört. Einziger Unterschied: Die Stereoanlage hat 40 Kanäle. Für einen Besucher des Zimmers können die Klangfelder so eingestellt werden, dass sie unterschiedlichsten Positionen in einem Konzertsaal entsprechen.

So atemberaubend wie der Klang der Anlage ist auch die Technik, mit der die Musik aufgezeichnet und wiedergegeben wird: Ein eigens entwickeltes Feld von Mikrofonen erfasst die verschiedenen Schallquellen in einem Orchester. Neue Algorithmen zur Signalverarbeitung trennen sie untereinander und vom Hall im Raum. Gespeichert werden die Daten im kürzlich vorgestellten Kompressionsformat MPEG-4. Bei der Wiedergabe dekodiert die Anlage die Daten und die WFS-Methode (Wave-Field Synthesis), die an der Technischen Universität in Delft erfunden wurde, trennt sie in die verschiedenen Kanäle. Jeder der 40 flachen Lautsprecher erhält eigene Signale. Alle zusammen reproduzieren im Raum das Klangfeld des Orchesters. »Der Sweet Spot, also der Ort, an dem die Musik am besten wahrgenommen werden kann, ist mit dieser Technologie abgeschafft«, fasst Sporer, der Leiter des Projekts, zusammen. »Egal, wo sich ein Hörer aufhält - überall hat er den Eindruck, auf einem der besten Plätze des Konzertsaals zu sitzen.«

Dr. Thomas Sporer | Mediendienst

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