Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwei Seiten der Patent'medaille'

09.09.2008
Erfolgsbremsen: Ideenklau bzw. ungewollte eigene Schutzrechtsverletzungen
Produktpiraterie und Ideenklau sind für Kleinunternehmen und freie Erfinder belastend und ggf. sogar existenzbedrohend.

Zugleich sollten sie ihre eigenen Ideen sorgfältig prüfen, um damit nicht ungewollt fremde Schutzrechte zu verletzen. Diese zwei Seiten der Patent“medaille“ sind Gegenstand des SIGNO-Symposiums „Produkte sichern, Rechte durchsetzen“ auf der Erfindermesse iENA in Nürnberg.

Nicht nur Weltkonzerne wie Adidas, sondern auch Mittelständler können auf Erfolge im Kampf gegen Produktpiraterie verweisen. Während der Sportartikler im Vorjahr sieben Millionen Paar imitierte Schuhe beschlagnahmen ließ, konnte ein deutscher Beschlag-Hersteller erst vor Monaten auf einer Fachmesse auf Grund von Patentrechtsverletzungen die sofortige Schließung eines ausländischen Standes mit Produktnachahmungen erwirken. Weniger Glück im Kampf gegen die feindliche Übernahme seiner Idee aus Fernost hatte dagegen der Berliner Cityroller-Erfinder Sieghart Straka.

Ende der 90er-Jahre führte das massenhafte Auftauchen von Produkt-Fakes aus China und Thailand auf dem deutschen Markt zu Überangeboten und drastischem Preisverfall. Schutzrechtsinhaber Straka kostete das seinerzeit fast die Existenz. Er klagte, investierte für die gerichtliche Auseinandersetzung über 40.000 Euro – und gab dann schließlich doch auf.

Beate Treu, Projektkoordinatorin der SIGNO-Erfinderclubs (unter dieser Dachmarke fördert das BMWi den Technologietransfer durch effiziente Verwertung geistigen Eigentums), weiß: „Unternehmen und Erfinder werden Produktpiraterie nicht verhindern können; sie sollten aber die entscheidenden Waffen kennen, um es den Nachahmern so schwer wie möglich zu machen.“ Dazu gehörten Wissen um die rechtlichen Möglichkeiten, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Vor einem Rechtsstreit, so die langjährige Erfahrung der Expertin, müssten gerade Privaterfinder ins Kalkül ziehen: „Recht haben und Recht bekommen ist zweierlei!“

Kleinfirmen, deren Geschäft oft auf einer einzigen Technologie oder auf einem Produkt basiert und die zudem in Schutzrechtsangelegenheiten wenig „bewandert“ sind, sind wie auch freie Erfinder besonders vom Abfluss ihrer Ideen betroffen. Friedhelm Limbeck, der in Bad Münstereifel einen der 130 SIGNO-Erfinderclubs leitet, weiß davon ein Lied zu singen. Allein die Mitglieder seiner Innovationsgesellschaft Eifel e.V blickten in jüngster Zeit auf zwei Fälle von Patentdiebstahl in Form von Nachbau zurück – „nicht durch ausländische Firmen, sondern deutsche Unternehmen“.

Patentanwalt Dr. Bernhard Bittner (Regensburg) hält indes die Position von „kleinen Erfindern“ im Rechtsstreit selbst mit größeren Firmen für nicht ganz aussichtlos. Schließlich gebe es Prozesskostenhilfe und das Mittel der Streitwertvergünstigung. Die von der Bonner FORIS AG vor zehn Jahren in den deutschen Rechtsmarkt eingeführte und inzwischen etablierte Prozesskostenfinanzierung indes umfasst das gesamte Risiko einer Verletzungsklage und scheint bei berechtigten Patentansprüchen eine Art Königsweg zu sein. Durch solche Engagements bekommt der Patentinhaber einen starken Partner an die Seite, der durch seine Finanzkraft einen lang andauernden Prozess nicht scheut und zugleich mit seiner juristischen Erfahrung dem Mandanten und seinen Rechtsanwälten mit Rat und Tat zur Seite steht.

Die andere Seite der Schutzrechtsproblematik, so der Hamburger Unternehmensberater für Innovationsstrategien Dirk Loop, sei für KMU ähnlich wichtig: „Verletze ich mit Blick auf neue Produkte und Verfahren ggf. bestehende Schutzrechtsvorschriften?“ Diese Frage müsse sich jedes Unternehmen stellen, das mit eigenen Innovationen auf den Markt wolle. Um sich nicht selbst des justiziablen Vorwurfs des Plagiats und Patentklaus auszusetzen, so Loop, sollten einer Eigenentwicklung immer solide Schutzrechtsrecherchen vorausgehen.

Terminhinweis:
iENA-SIGNO-Symposium
„Produkte sichern, Rechte durchsetzen“;
Nürnberger Erfindermesse iENA
am 31. Oktober 2008 in der Zeit von 11.00 bis 13.00 Uhr.

Dani Isler | InnoMedia
Weitere Informationen:
http://www.innomedia-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht COMPAMED 2016 vernetzte medizinische Systeme und Menschen
23.11.2016 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht Kompakter und individuell einstellbarer Schutz für alle Anwendungen
18.11.2016 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Oberleitungs-LKW: Option für einen umweltverträglichen Güterverkehr?

08.12.2016 | Verkehr Logistik

Der Evolution des Immunsystems auf der Spur

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Neue Sensortechnik für E-Auto-Batterien

08.12.2016 | Energie und Elektrotechnik