Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

International Broadcast Convention IBC: Filme digital archivieren

19.08.2008
Das cineastische Kulturerbe wird bislang meist auf Film gespeichert und in riesigen Rollen gelagert.

Doch mit der zunehmenden Digitalisierung von Kino und Fernsehen sind auch neue Archivierungskonzepte gefragt. Fraunhofer-Forscher arbeiten gemeinsam mit Partnern in dem EU-Projekt EDCINE an einem standardisierten Format für die digitale Filmarchivierung. Erste Ergebnisse stellen die Wissenschaftler auf der International Broadcast Convention IBC in Amsterdam vor (12. bis 16. September).

Filmarchive bergen manche Schätze. Erst vor wenigen Wochen entdeckten Experten in Buenos Aires Filmrollen mit verschollenen Szenen aus Fritz Langs Stummfilmklassiker »Metropolis«. 80 Jahre nach der Uraufführung kann nun die Originalfassung des verstümmelten Science-Fiction-Films weitestgehend wiederhergestellt werden. Sie ist etwa 25 Minuten länger als die gekürzte deutsche und amerikanische Version.

Auch heute werden Kinostreifen in der Regel immer noch auf 35mm Filmmaterial gebannt und in riesigen Filmrollen archiviert. Filminteressierte, Historiker oder Fernsehredakteure können jedoch nur begrenzt die gelagerten Schätze einsehen. Denn es gibt nur von wenigen Filmen Zugriffskopien, die von den Nutzern des Archivs angefordert werden können. Der Grund: Die Herstellung der Kopien ist aufwändig. Auch das Finden der gesuchten Rollen ist nicht ganz einfach. Meist existieren nur Begleitzettel, auf denen der Inhalt vermerkt ist. Doch die lösen sich über Jahre und Jahrzehnte oft von den Rollen ab. »Um das in den Archiven vorhandene Material besser nutzen zu können, ist eine Digitalisierung der Filme erstrebenswert«, meint Dr. Siegfried Fößel vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS. »Zudem werden in Zukunft immer mehr Kinofilme digital aufgenommen. Das macht den Umstieg auf ein digitales Archiv nötig.«

Doch wie lassen sich Filme digital archivieren? In dem EU-Projekt EDCINE (Enhanced Digital Cinema) arbeiten Forscher des IIS gemeinsam mit europäischen Filmarchiven an dieser Fragestellung. »Bei der Digitalisierung von Filmmaterial und der digitalen Produktion von Kinofilmen fallen enorme Datenmengen an, die leicht einen Umfang von mehreren Terabyte erreichen. Um dieser Datenmenge Herr zu werden und gleichzeitig eine möglichst hochwertige Langzeitarchivierung und den einfachen Zugriff zu realisieren, kommt in der vorgesehenen Architektur ein zweistufiges Modell zum Einsatz«, erläutert Fößel den Ansatz der Wissenschaftler.

Zunächst werden die unkomprimierten Daten, wie sie am Ende des Postproduktionsprozesses entstehen, verlustfrei komprimiert und gespeichert. So bleiben die sehr hohe Auflösung, die Farbtiefe und die Dynamik der Bilder erhalten. Dieses »Master Archive Package« ist mit dem Filmoriginal in herkömmlichen Filmarchiven vergleichbar und wird auf Magnetbändern oder anderen digitalen Datenträgern gespeichert. Es lässt sich später zum Beispiel für die digitale Restaurierung von Filmen verwenden. Aber lassen sich die gespeicherten Daten auch noch in 50 Jahren nutzen? »Für die Langzeitarchivierung kommt nur der Einsatz von etablierten und offenen Standards in Frage, die gut dokumentiert sind. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch zukünftige Generationen noch in der Lage sind, das archivierte digitale Material zu lesen und zu interpretieren«, betont Fößel.

Die enorme Datenmenge des »Master Archive Package« ist für den normalen Archivnutzer jedoch nicht handhabbar. Deshalb wird in einem automatischen Konvertierungsvorgang das »Intermediate Access Package« erzeugt. Dieses Format enthält ebenfalls alle Filmbilder als Einzelbilder. Das Archiv erhält die Kopie in der gewünschten Auflösung und Farbtiefe. Die Bilder werden im Gegensatz zum Master-Package mit einem verlustbehafteten Verfahren komprimiert, um die Datenmenge zu reduzieren.

»Aus dem »Intermediate Access Package« lassen sich automatisiert oder manuell Metadaten – eine Art Steckbrief des Filmes – extrahieren und in einer Datenbank speichern«, sagt Fößel. Der Nutzer kann online zum Beispiel nach Filmen eines bestimmten Regisseurs suchen und sich sogar eine kurze Vorschau ansehen. Hat der Nutzer den gewünschten Film gefunden, bestellt er einfach den ganzen Streifen oder auch nur Ausschnitte in dem für seine Anwendung am besten geeigneten Format. Für die Wiedergabe im digitalen Kino kann das zum Beispiel ein »Digital Cinema Package« (DCP) sein, H.264-Dateien für den Einsatz im Heimkino oder MPEG-2-Dateien für die Ausstrahlung oder die Weiterverarbeitung im Fernsehen. Ein automatischer Konvertierungsprozess erzeugt für die Verteilung des Materials ein »Dissemination Package« und stellt die Dateien zum Download oder Streaming bereit. Auf diese Art und Weise können aus derselben Datenbasis Lichtspielhäuser, Fernsehsender oder Privatanwender bedient werden. »Die digitale Archivierung hat einen weiteren großen Vorteil: Von den Masterdaten können – anders als von einem Film – beliebig oft Zugriffskopien in höchster Qualität erstellt werden, ohne dass das Originalmaterial Schaden nimmt«, erklärt Fößel.

Das Projekt EDCINE und aktuelle Forschungsergebnisse aus den Bereichen Digitales Kino, Broadcast und Audiotechnologien stellen Wissenschaftler am Fraunhofer Gemeinschaftsstand in Halle 8, Stand C81 vor.

Journalisten können sich über das Thema »Digital Cinema« auf der IBC detailliert informieren: Fraunhofer lädt Interessenten am 14. und 15. September ab 16:30 Uhr zu Fachgesprächen auf den Stand ein.

Angela Raguse-Fößel | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.dcinema.fraunhofer.de
http://www.iis.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Messenachrichten:

nachricht Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen
08.12.2016 | Technische Universität Bergakademie Freiberg

nachricht Mobile Learning und intelligente Contentlösungen im Fokus
08.12.2016 | time4you GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Messenachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie