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Internationale Funkausstellung: Anprobe im Zauberspiegel

14.08.2008
Kleiderkauf ohne ständiges An- und Ausziehen – diese Vision könnte schon bald real werden. Möglich macht das ein virtueller Spiegel.

Vom 29.8. bis 3.9.2008 zeigen Fraunhofer-Forscher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin (Technisch-Wissenschaftliches Forum TWF 5.3) ein Display, in dem der Kunde sich in wechselnden Designs betrachten kann, ohne auch nur einen Knopf öffnen zu müssen.

Ein oft bestätigtes Vorurteil: Männer kaufen ungern Kleidung. Das Anprobieren ist ihnen lästig. Da bleibt Mann doch gern beim erprobten Kleidungsstück. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI haben einen Zauberspiegel entwickelt, mit dem das Anprobieren deutlich stressfreier werden könnte. Einfach das gewünschte T-Shirt oder Hemd anziehen und dann im virtuellen Spiegel die Designvarianten durchtesten – ohne weiteres An- und Ausziehen.

»Das Prinzip ist ähnlich wie die virtuelle Schuhanprobe, die wir letztes Jahr für den Flagship-Store von Adidas in Paris entwickelt hatten«, erklärt Anna Hilsmann vom HHI. »Doch bei T-Shirts, Hemden oder Pullovern ist es um einiges schwieriger, den realistischen Eindruck im virtuellen Spiegel darzustellen. Die Kleidungsstücke werfen Falten und das heißt, sie ver- und überdecken sich zum Teil, je nachdem, welche Bewegungen der Träger vollführt.«

Stoffe sind elastisch, können unregelmäßige Strukturen haben und verschiedene Nuancen, die oft das besondere Etwas ausmachen. Diese Eigenschaften sind eine Herausforderung für den virtuellen Spiegel. Das Fazit der Wissenschaftlerin: »Bei elastischen Deformationen, wie im Stoff, müssen mehr Parameter abgeschätzt und zeitgleich verarbeitet werden.« Um die Methode anschaulich demonstrieren zu können, haben sich die Forscher etwas einfallen lassen: Auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin zeigen sie, wie sich Logos oder Bilder auf T-Shirts einfach tauschen lassen.

Und wie sieht die Anprobe ohne lästigen Kleiderwechsel aus? Der Kunde steht vor einem Display, über dem eine Kamera angebracht ist. Diese filmt ihn und registriert so die Bewegung seiner Kleidung. Zum Kleiderwechsel wird dann beispielsweise das Logo auf dem T-Shirt durch ein anderes, virtuelles ersetzt. Das heißt, der Kunde sieht sich im Display zum Beispiel mit einem blauen Fraunhofer-Logo anstelle des grünen auf seinem realen T-Shirt. Um den Eindruck im Zauberspiegel so realistisch wie möglich zu machen, werden Falten oder Knicke des realen Objekts auf das virtuelle übertragen, egal wie sich der Kunde bewegt. Auch Schattierungen und Beleuchtung sind im virtuellen Spiegelbild identisch zum Original zu sehen.

Der Trick: »Wir berechnen die räumliche Bewegung der Projektion anhand eines zweidimensionalen Modells. So sparen wir uns eine Dimensionsrichtung für die Abschätzung und können sehr schnell die Bewegung schätzen«, erklärt Hilsmann. Das 2-D-Modell besteht aus einem engmaschigen Dreiecksnetz. Das reicht, um die Veränderungen vorherzusagen. Zudem kennt das System die möglichen Bewegungsrichtungen des Stoffs – also das spezifische Verhalten, wie er sich dehnt oder verschiebt. Um das so echt wie möglich darstellen zu können, lassen sich die Dreieckspunkte unabhängig voneinander bewegen.

Die Kamera nimmt im Abstand von Millisekunden Bilder auf und überträgt sie an einen Speicher. Dort werden die Bilder ausgewertet, das heißt, das System vergleicht, was sich von Bild 1 zu Bild 2 verändert hat. Damit es das kann, wird über jedes Bild ein Dreiecksnetz gelegt, ähnlich ähnlich aus bei Computergrafiken. Da sich von Bild zu Bild nicht alle Dreiecke verändern, muss nur noch abgeglichen werden, wo Veränderungen auftreten. Diese Information wird weitergeleitet und in die Visualisierung der neuen Oberfläche, des neuen Logos eingebaut. Die Bildverarbeitung erfolgt in Echtzeit. So hat der Kunde den Eindruck, jede Bewegung und jeder Faltenwurf, den er hervorruft, wenn er sich bewegt, spiegelt sich direkt auf dem Display wider, wie bei einem richtigen Spiegel.

Über ein Touchscreen wählt der Kunde oder die Kundin die verschiedenen Varianten und Farben des Kleidungsstücks aus. So können Käufer schnell feststellen, welche Farbe oder welches Muster ihnen am besten steht. »Schuhe und Kleidung sind erst der Anfang«, sagt Anna Hilsmann. »Mit dem virtuellen Spiegel liessen sich auch Brillen oder Schmuck anprobieren.« So mancher Einkaufsmuffel wird sich über die erleichterte Kleiderwahl freuen und sich vielleicht von den bewährten Standards trennen.

Anna Hilsmann | Fraunhofer Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.hhi.fraunhofer.de

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