Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mitwachsende Bio-Herzklappe bewährt sich

02.11.2006
Zwei Mal Hoffnung für herzkranke Kinder - Nabelschnur-Stammzellen sollen bereits Kleinstkinder heilen

Die Stammzellenforschung in Deutschland kann mit Blick auf die jährlich etwa 7.000 Babys, die mit angeborenen Herzfehlern auf die Welt kommen, erste Erfolge aufweisen. Wissenschaftler aus Hannover und München nähern sich auf zwei Wegen der mitwachsenden Herzklappe.

An der Medizinischen Hochschule Hannover wurde eine Herzklappe entwickelt, die mit körpereigenen Zellen überzogen ist und mit dem Patienten wächst. Wie das „Deutsche Ärzteblatt“ in seiner Ausgabe 36/2006 berichtete, wurden 14 herzkranken Kindern die neuartigen Klappen im Lungenkreislauf (Pulmonalklappen) implantiert, ohne Abstoßungsreaktionen hervorzurufen. Zwei von ihnen lebten bereits über drei Jahre damit. Bisher unumgängliche, risikoreiche OPs zum Austausch zu klein gewordener künstlicher Herzklappen entfallen für sie ebenso wie die lebenslange Medikamenteneinnahme.

Noch früher wollen Forscher des Universitätsklinikums München-Großhadern gegen angeborene Herzfehler ansetzen. Ein Medizinerteam um Oberärztin Prof. Sabine Däbritz und Priv.-Doz. Dr. Ralf Sodian will die Erkrankung des Kindes bereits im Mutterleib diagnostizieren und später mit köpereigenen, unmittelbar nach der Geburt aus der Nabelschnur gewonnen, Zellen behandeln. Dabei sollen Klappen sowohl für das Niederdrucksystem (Lungenkreislauf) als auch für das Hochdrucksystem Körperkreislauf (Aortenklappe) gezüchtet werden.

Schon jetzt sei es gelungen, nach mehrwöchiger Tiefkühlung solche Zellen zu rekultivieren, erklärte Prof. Däbritz. Im Bioreaktor entstünde daraus eine vitale Herzklappe, die wächst und sich regeneriert. Obwohl bis zum klinischen Einsatz der Nabelschnur-Stammzellen noch drei bis fünf Jahre vergehen werden, könnte laut „Ärzteblatt“ für solche Fälle die Einlagerung von Nabelschnurblut „schon jetzt ein wichtiger Beitrag zur individuellen Gesundheitsfürsorge sein“.

Die Münchener Forschergruppe plant eine Zusammenarbeit mit den Zellexperten der Abteilung für Hämostaseologie und Transfusionsmedizin der Universität Erlangen (in Kooperation mit dem Spezialdienstleister eticur (Details: www.eticur.de), um betroffenen Familien diese Qualitätskriterien für die Einlagerung und spätere Nutzung der Stammzellen zu garantieren.

Die ethisch unstrittige Nabelschnurblut-Entnahme zum Zwecke der Stammzellengewinnung und langfristigen Einlagerung wird in Deutschland von mehreren spezialisierten Unternehmen angeboten. Der renommierte Hamburger Frauenarzt und Zytogenetiker Dr. Dirk Masson rät, bei ihrer Auswahl jedoch unbedingt einige Faktoren zu beachten. „Die nur bei der Geburt so einfach zu gewinnenden Zellen müssen vor der Konservierung im Labor sorgfältig von anderen Substanzen getrennt und durch einen Gefrier-Schnelltest auf ihre spätere Lebensfähigkeit überprüft werden.“

Nur so seien im Bedarfsfall Probleme auszuschließen, erklärt der Mediziner. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt er zudem die Teilung des Zellmaterials und Einlagerung in getrennten Tanks sowie eine Gewebetypisierung, die eine spätere Verwechselung ausschließt.

Eine Vergleichsübersicht der Stammzell-Dienstleister findet sich unter www.nabelschnurblutbanken.de im Internet. Während Eltern und Großeltern hierzulande die neue Vorsorgemöglichkeit erst allmählich entdecken, werden in den USA schon heute von zehn bis 15 Prozent aller Neugeborenen Nabelschnur-Stammzellen eingelagert.

Doro Mante | InnoMedia
Weitere Informationen:
http://www.innomedia-berlin.de

Weitere Berichte zu: Herzfehler Herzklappe Nabelschnur-Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten
24.03.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten
23.03.2017 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise