Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technischer Quantensprung in der Lungenkrebs-Prävention

20.10.2006
Hightech-Verfahren könnte vielen Rauchern das Leben retten

Dank eines neuen Endoskopie-Systems können Ärzte an der Charité jetzt bereits Vorstufen von Lungenkrebs erkennen. Das Gerät könnte vielen Rauchern das Leben retten, die ein besonders hohes Lungenkrebs-Risiko haben. Es verbindet die große Empfindlichkeit der Autofluoreszenzbronchoskopie mit der hohen Bildauflösung, die ein integrierter CCD-Chip bietet. Bisher war das Verfahren nur gekoppelt mit analoger Glasfasertechnik angewendet worden, die Bilder in viel schlechterer Qualität liefert.

Die Autofluoreszenzbronchoskopie nutzt die Tatsache, dass in menschlichen Zellen einige Substanzen auf die Anregung durch einfarbiges Licht mit eigenem Leuchten, also mit Autofluoreszenz, reagieren. Ein sensibler Filter verstärkt das grünliche Licht für die Kamera. Der Trick dabei: In Tumorgewebe findet Autofluoreszenz so nicht statt.

Auf dem Bild, das sich am Ende ergibt, sind die Krebszellen also als dunkler Fleck sichtbar. Die Autofluoreszenzbronchoskopie ist viel empfindlicher als die lange benutzte Weißlichtbronchoskopie, die nicht das eigene Leuchten der Zellen aufzeichnet, sondern nur die normale Lichtreflexion. "Durch die Kombination aus Sensibilität und hoher optischer Qualität können wir doppelt so viele Frühveränderungen entdecken als bisher", erklärt Professor Christian Witt, Leiter des Arbeitsbereiches Pneumologie mit Schwerpunkt Pneumologische Onkologie und Lungentransplantation Stellvertretender Direktor der Klinik für Infektiologie und Pneumologie am Charité Campus Mitte.

Tatsächlich ist das neue System so empfindlich, dass Bereiche, die auf den Bildern dunkel erscheinen, noch keine äußerlich sichtbaren Veränderungen zeigen. "Bevor eine Körperzelle sich sichtbar zur Tumorzelle entwickelt, gehen innerhalb der Zelle Prozesse auf molekularer Ebene vor sich", sagt Dr. Bernd Schmidt, der für die Charité an einer europäischen Vergleichsstudie zur Wirkung von Autofluoreszenzbronchoskopie im Vergleich zur Weißlichtbronchoskopie mitgearbeitet hat.

"Die Vermutung liegt nahe, dass die Autofluoreszenz dadurch bereits beeinträchtigt ist, dass das neue System also Tumorvorstufen als solche erkennt, die morphologisch noch gar nicht identifizierbar sind." Sollte sich diese Vermutung als zutreffend erweisen, hätte das weit reichende Konsequenzen: Die Ärzte könnten Lungenkrebs nicht nur in einem viel früheren Stadium erkennen, sondern vielleicht sogar die zellbiologischen Prozesse entdecken, die zu der Veränderung normaler Körperzellen zu Tumorzellen führen. "Die Frühdiagnostik von Lungenkrebs war bisher ein sehr schwieriges Gebiet", erklärt Dr. Schmidt.

"Tumoren in der Lunge sind viel schlechter sichtbar als etwa im Darm. Das hat natürlich zur Folge, dass sie später erkannt werden. Auf die Heilungschancen für Lungenkrebs gerade bei Rauchern wirkt sich das dramatisch aus." Das könnte sich jetzt ändern, wenn die Diagnosestellung sich von histologischen und morphologischen Kriterien, also von der Zellebene, auf die molekulare Ebene bewegt.

Kerstin Endele | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Schlaganfalltherapie: Neues Stimulationsgerät synchronisiert Zeitpunkt der Reize mit aktuellen Hirnsignalen
23.10.2017 | Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)

nachricht Smartphones im Kampf gegen die Blindheit
18.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie