Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmalig im Lufteinsatz: Die weltweit kleinste tragbare Herz-Lungen-Maschine

10.05.2006

Ein Spezialistenteam der Uniklinik Regensburg entwickelte eine tragbare Mini-Herz-Lungen-Maschine (Mini-HLM) und setzte diese erstmalig im Rettungshubschrauber ein. Bisher nicht transportfähige Patienten können mit diesem künstlichen Kreislauf nun sicher und schnell zur weiteren Behandlung transportiert werden.

Herkömmliche Herz-Lungen-Maschinen (HLM) sind bis zu 1,5 Meter lang, bis zu 200 kg schwer und deshalb für den mobilen Einsatz ungeeignet. Sie sind jedoch lebensrettend bei der Versorgung von schwerstkranken Patienten mit kombiniertem Herz- und Lungenversagen. Kliniken, die nicht über diese Geräte verfügen, können solche Patienten nur eingeschränkt selbst behandeln, aber auch nicht zur weiteren Behandlung in eine Spezialklinik überweisen.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe des Uniklinikums Regensburg, bestehend aus Herzchirurgen und Ingenieuren unter der Leitung von Kardiotechniker Alois Philipp, nahm sich diesem Problem an und entwickelte eine Herz-Lungen-Maschine in Miniatur: die Mini-Herz-Lungen-Maschine (MECC® Minimal-Extracorporal Circulation). Die Komponenten wurden von der Firma Maquet Cardiopulmonary in Hirrlingen hergestellt.

Diese neue Maschine ist im Gegensatz zu den konventionellen Geräten so kompakt, leicht und klein, dass sie mühelos von einer Person getragen und mit dem Patienten transportiert werden kann. Darüber hinaus ermöglichen dieser kompakte Aufbau sowie ein bioverträgliche Oberfläche der künstlichen Lunge eine schonendere Behandlung der Patienten, so dass die MECC im Klinikum Regensburg inzwischen routinemäßig bei Bypassoperationen eingesetzt wird. Klinische Studien haben gezeigt, dass Patienten, die operativ unter Einsatz der MECC anstatt einer konventionellen Herz-Lungen-Maschine versorgt wurden, deutlich weniger Bluttransfusionen benötigen und postoperativ weniger Komplikationen aufweisen.

Durch die geringe Größe besteht nun die Möglichkeit, die Mini-HLM bei Lufttransporten im Rettungshubschrauber einzusetzen. Somit können zukünftig schwerstkranke, sonst nicht transportfähige Patienten sicher und schnell zur weiteren Behandlung in eine Klinik der Maximalversorgung verlegt werden.

Bei dem erfolgreichen ersten Luft-Einsatz konnte eine 50 jährige Patientin, nach Hirnblutung in kreislauf-instabilem Zustand und unter herkömmlichen Bedingungen nicht transportfähig, an das Klinikum verlegt, stabilisiert und gerettet werden. Sie hat inzwischen voll rehabilitiert die Klinik verlassen.

Ausführliche Fallbeschreibung

Von einem Krankenhaus im Umland wurde angefragt, ob eine 50-jährige Patientin an die Uniklinik Regensburg verlegt werden kann. Die Schwere der Erkrankung, der akut lebensbedrohliche, instabile Zustand machte jedoch einen herkömmlichen Transport unmöglich.

Um dieser Patientin dennoch die Chance der Behandlung an einem Klinikum der Maximalversorgung zu ermöglichen, wurde nach Rücksprache mit dem Notarzt des Rettungshubschraubers Dr. Matthias Arlt, dem leitenden Oberarzt der Herzchirurgie, Prof. Dr. Franz-Xaver Schmid im behandelnden Team der Entschluss gefasst, diese Patientin mit der Mini-HLM zu verlegen.

Wenige Minuten später konnte das Team des Rettungshubschraubers "Christoph Regensburg" mit der betriebsbereiten Mini-HLM an Bord zum Rettungseinsatz starten.

Unterstützt durch die Kollegen vor Ort wurde die Patientin an die mitgebrachte Mini-HLM über die großen Blutgefäße der Leiste angeschlossen. Unmittelbar nach Anschluss an die Mini-HLM stabilisierte sich der Kreislauf der Patientin dauerhaft.

Mit laufender Herz-Lungen-Maschine wurde der Transport sicher und stabil mit dem Rettungshubschrauber der HDM-Luftrettung im Team DRF durchgeführt. Unter dem künstlichen Kreislauf stabilisierte sich die Patientin zunehmend. Nach zwei Tagen an der Mini-HLM hatte sich die Herz- und Lungenfunktion soweit verbessert, dass die Patientin von der MECC® entwöhnt werden konnte. Nach weiteren zwei Tagen war keine künstliche Beatmung mehr notwendig und die Patienten konnte nach 14 Tagen die Intensivstation verlassen.

Kontakt:
Klinikum der Universität Regensburg
- Pressestelle -
Cordula Heinrich
Franz-Josef-Strauß-Allee 11
93042 Regensburg
Tel.: 0941-944-5734
Fax: 0941-944-5634
cordula.heinrich@klinik.uni-regensburg.de
Ärztliche Leitung des
Luftrettungszentrum Regensburg
Oberarzt Dr. Markus Zimmermann
Dr. Matthias Arlt
Tel.: 0941-944-0
Fax: 0941-944- 7802
markus.zimmermann@klinik.uni-regensburg.de

Dr./M.A. Rudolf F. Dietze | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinik.uni-regensburg.de

Weitere Berichte zu: Herz-Lungen-Maschine Mini-HLM

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt
16.01.2017 | Universitätsklinikum Tübingen

nachricht Fernüberwachung bei Herzschwäche kann Klinikaufenthalt ersparen
09.01.2017 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

24.01.2017 | Materialwissenschaften

Forscher entschlüsseln einen Mechanismus bei schweren Hautinfektionen

24.01.2017 | Medizin Gesundheit

Von Schwefel zu Kohlenstoff

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie