Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Künstlicher Hüftersatz mit hoher Stabilität

06.03.2006


Studie der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg weist erstmals nach, dass Hüftprothesen bei jüngeren Patienten lange Zeit überdauern können

Erstmals haben Wissenschaftler der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg in einer klinischen Studie gezeigt, dass Hüftprothesen bei Patienten unter 55 Jahren bis zu 20 Jahre weitgehend problemlos überdauern können. Ihre Ergebnisse stellen sie im März 2006 auf dem Amerikanischen Orthopädenkongress (AAOS) in Chicago vor.

Wie lange halten künstliche Hüftgelenke? Da die allermeisten Prothesen erst nach dem 70. Lebensjahr eingesetzt werden, ließen sich sehr lange Überlebensdauern bislang nur unvollständig erfassen. Bei älteren Patienten geht man von einer durchschnittlichen Haltbarkeit von über 10 Jahren aus; etwa fünf Prozent der über 70jährigen Hüftprothesenträger müssen damit rechnen, dass sie sich einer erneuten Operation unterziehen werden.

"Die Zahl der Patienten, die schon in verhältnismäßig jungen Jahren ein neues Hüftgelenk benötigen, hat in den vergangenen Jahren zugenommen", erklärt Professor Dr. Volker Ewerbeck, Ärztlicher Direktor an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg. Ursache der oft schmerzhaften Hüftschäden sind meist angeborene Gelenkfehlstellungen, Durchblutungsstörungen und Unfallverletzungen. Bei jüngeren Patienten, die oft noch sportlich aktiv sein wollen, müssen höhere Ansprüche an die Belastbarkeit der Prothese gestellt werden.

Zementlose Prothesen wachsen fest in den Knochen ein

Zudem soll die künstliche Hüfte möglichst lange den Belastungen standhalten. Meist werden hier so genannte zementlose Prothesen eingesetzt: Der Schaft und Hüftkopf werden ohne eine zusätzliche Fixierung mit Knochenzement in den Oberschenkelknochen eingepasst. "Diese Prothesen haben den Vorteil, dass sie schonend implantiert werden können und länger haltbar sind, da sie fest in den Knochen einwachsen", erklärt Dr. Peter Aldinger, Facharzt und Wissenschaftler an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg.

In einer Langzeitstudie untersuchte er über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren hinweg insgesamt 141 Patienten im Alter von 23 bis 55 Jahren, denen eine zementlose Titanprothese mit einem Hüftkopf aus Keramik eingesetzt worden war. Rund 95 Prozent der Prothesen waren nach durchschnittlich 17 Jahren noch funktionsfähig. Untersuchungen und Befragungen der Patienten zeigten, dass über 90 Prozent mit dem Operationsergebnis auch nach über 15 Jahren noch sehr zufrieden waren. Röntgenbilder wiesen nach, dass sich in nur 3 Prozent der Fälle der Prothesenschaft gelockert hatte.

"Diese Studie hat gezeigt, dass auch junge Patienten mindestens 10, wahrscheinlich sogar mehr als 20 Jahre sehr gut mit ihrem Implantat zurecht kommen", sagt Dr. Aldinger. Damit das Risiko noch geringer wird, arbeiten Wissenschaftler - auch an Heidelberger Klinik - an neuen Oberflächen, kleineren Prothesen und an schonenden Operationstechniken.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Volker Ewerbeck
Ärztlicher Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg
Telefon (Sekretariat) 06221 / 96 6302
Dr. Peter R. Aldinger
Email: peter.aldinger@ok.uni-heidelberg.de

Literatur:
Aldinger PR, Thomsen M, Mau H, Ewerbeck V, Breusch SJ. Cementless Spotorno tapered titanium stems: Excellent 10-15-year survival in 141 young patients. Acta Orthop Scand. 2003 June; 74(3):253-8.

Aldinger PR, Breusch SJ, Lukoschek M, Mau H, Ewerbeck V, Thomsen M. A ten- to 15-year follow-up of the cementless spotorno stem. J Bone Joint Surg Br. 2003 Mar;85(2):209-14.

Aldinger PR, Jung A, Thomsen M, Ewerbeck V, Parsch D. Long term (15-20 year) results using uncemented titanium hip stems in young patients. AAOS 2006, Chicago, Illinois, USA, Posterpräsentation

Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Orthopädischen Universitätsklinik
Heidelberg und des Universitätsklinikums Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie.uni-hd.de/

Weitere Berichte zu: AAOS Prothese

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Auf die richtige Verbindung kommt es an: Tiefe Hirnstimulation bei Parkinsonpatienten individuell anpassen
22.06.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

nachricht Forschungsprojekt BabyLux: Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
12.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive