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Bonner Ärzte bannen drohendes Herzversagen: Ungewöhnliche Herz-Operation bei Lungenhochdruck

15.12.2005


In ihrer Lunge herrscht zu hoher Druck, und das Herz pumpt stärker um das nur gering mit Sauerstoff aufgefrischte Blut in den Körperkreislauf zu bringen. Atemnot und Schwindel zwingen Lioba S., ihr Hobby Tanzen aufzugeben. Ihr rechtes Herz ist stark überlastet und droht zu versagen. Hilfe findet die 17-jährige Schülerin am Universitätsklinikum Bonn. Die Bonner Ärzte wagen eine ungewöhnliche Herzoperation, die sie bereits sieben Mal mit Erfolg durchführten.

Etwa vor einem Jahr bekam Lioba S. Luftnot und Schwindelgefühle und gab Jazz- und Hip-Hop-Dance auf: "Doch dann konnte ich auch keine Treppe mehr ohne Pause hochgehen. Ich war ständig müde und lustlos." Ein niedergelassener Kinderkardiologe stellte die schreckliche Diagnose "Lungenhochdruck".

Die Krankheit beginnt bei Lioba S. schleichend. Aufgrund eines angeborenen Herzfehlers - ein Loch so groß wie ein Haselnuss zwischen beiden Herzkammern - fließt zuerst zuviel Blut mit einem zu hohem Druck in die Lunge. Die Lungengefäße verengen und verhärten sich. Durch den Lungenhochdruck staut sich das Blut im rechten Herz, das eifrig bemüht ist, das Blut trotzdem in die Lunge zu pumpen. Die rechte Kammer vergrößert sich, und der Druck steigt, bis sauerstoffarmes Blut durch das Loch im Herzen über die linke Kammer in den Körperkreislauf strömt. Jetzt ist der Körper mit Sauerstoff unterversorgt. Dadurch kann es zu einer so genannten Zyanose kommen, das heißt Haut und Lippen verfärben sich bläulich. "Dazu entwickelt sich zunehmend eine Herzmuskelschwäche, und das rechte Herz droht zu versagen. Die Betroffenen sind immer weniger körperlich belastbar und sitzen irgendwann sogar im Rollstuhl. Ihre Lebenserwartung ist deutlich verkürzt", sagt Privatdozent Dr. Johannes Breuer, Direktor der Kinderkardiologie an der Bonner Universitätskinderklinik.

Überlaufventil verhindert Blutstau

Früher galt der operative Verschluss des Loches zwischen beiden Herzhälften bei einem fortgeschrittenem Lungenhochdruck als zu gefährlich, denn die rechte Kammer muss plötzlich das ganze Blut in die verhärtete Lunge pumpen. Dadurch ist dann das Herz überbelastet und versagt innerhalb weniger Tage nach der Operation. Doch die Bonner Ärzte beschlossen, ihre junge Patientin dennoch am Herzen zu operieren, da bei ihr die Chance besteht, dass die geschädigten Lungengefäße sich wieder erholen. "Wir haben das Loch erst einmal nur zum Teil verschlossen. Dadurch bleibt eine kleine Öffnung, die als Überlaufventil fungiert. Bei zu hohem Druck in der rechten Kammer kann Blut weiterhin in das linke Herz fließen, und es kommt zu keinem Blutstau", erklärt Privatdozent Dr. Christoph Schmitz, Oberarzt an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bonn.

Lioba S. hat die gefährliche Phase nach der Operation gut überstanden und ist wohlauf. Sie fühlt sich nicht mehr so schlapp und lustlos. Derzeit muss sie alle drei Stunden Medikamente inhalieren, die eine Regeneration der Lunge unterstützen. "Mein einziger Wunsch ist ein Leben ohne Einschränkungen. Vorher habe ich alles für selbstverständlich gehalten. Jetzt lebe ich viel bewusster und freue mich über jede Kleinigkeit", sagt die Schülerin, die das Abitur anstrebt.

Kontakt für die Medien:
PD Dr. Johannes Breuer
Leiter der Abteilung für Kinderkardiologie
Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-3350
E-Mail: johannes.breuer@ukb.uni-bonn.de

PD Dr. Christoph Schmitz
Leiter des Funktionsbereiches Kinderherzchirurgie
Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-4193
E-Mail: christoph.schmitz@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

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