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"Kühlschrankmedizin" nach Herzstillstand - neues Verfahren hilft Folgeschäden zu verhindern

31.08.2005


Überleben mit Kälte - am Uniklinikum Greifswald werden Patienten nach Herz-Kreislauf-Stillstand jetzt auf 32 Grad Celsius abgekühlt

Ab sofort haben Notfall-Patienten, die mit einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand in das Uniklinikum Greifswald eingeliefert werden, bessere Chancen, das Krankenhaus ohne Folgeschäden und wieder gesund zu verlassen. Ende August hat die Herzklinik ein neues viel versprechendes Temperatur-Management-System (CoolGard) installiert, das die gefürchteten Ausfallerscheinungen am Gehirn nach einem Zusammenbruch mit Herzstillstand weitestgehend minimieren kann. Mittels CoolGard wird der Körper in einen Untertemperaturzustand (Hypothermie) versetzt und somit die Entwicklung von Giftstoffen im Gehirn reduziert. Nach Schwerin ist Greifswald die zweite Klinik, die das noch relativ neue Verfahren eingeführt hat.

Der plötzliche Herztod trifft jedes Jahr etwa 200.000 Patienten in Deutschland. Nur 5 bis 10 Prozent der Betroffenen überleben diesen Totalausfall des Herz-Kreislaufsystems. Bislang konzentrierten sich alle Maßnahmen auf die frühe Wiederbelebung mit einem elektrischen Defibrillator. Die so genannten Reanimierten sterben jedoch häufig später in der Klinik oder leiden an irreparablen Hirnschäden, die eine lebenslange Pflegebedürftigkeit nach sich ziehen. Der Grund sind freigesetzte Giftstoffe, die nach dem Wiedereinsetzen des Herzschlages nach und nach in die Blutbahn gelangen. Erst seit wenigen Jahren ist mit der "Kühlmedizin" bei Herzstillstand eine alternative Therapiemöglichkeit auf dem Vormarsch, mit der diese Hirnschädigungen effektiv verhindert werden können.

Unmittelbar nach der Einlieferung in die Klinik werden die Patienten in der Regel 24 Stunden lang mittels eines Katheters mit Kochsalzlösung, der in die Blutbahn geschoben wird, innerhalb kürzester Zeit auf einen Körpertemperaturbereich zwischen 32 und 34 Grad Celsius abgekühlt. Auf einem Farbmonitor können alle Schlüsselparameter (aktuelle Patiententemperatur, Zieltemperatur, Kühl - oder Wärmerate) mit einem Blick kontrolliert werden. Das CoolGard-System der Medizintechnikfirma ELan mit Sitz in St. Wendel (http://www.elan-med.de) ist in der Lage, die Patienten-Temperatur exakt in einer Spanne von 0,3°C zu halten. Ebenfalls von entscheidender Bedeutung für den Behandlungserfolg durch therapeutische Hypothermie ist die Wiedererwärmphase bis zum Erreichen der Normaltemperatur von 36 - 37 Grad Celsius.

Auf die heilsame Wirkung von Kälte sind Wissenschaftler unter anderem nach Lawinenunglücken gestoßen, bei denen unter Eis verschüttete Menschen nach bis zu 40 Minuten Herzstillstand wieder reanimiert werden konnten. Inzwischen ist durch internationale Multicenterstudien bewiesen, dass eine rasche Temperatursenkung nach Kreislaufstillstand überlebenswichtig ist. Die Patienten erholen sich darüber hinaus wesentlich schneller und können nicht selten schon kurz nach den lebensrettenden Maßnahmen wieder entlassen werden. Das Kühlsystem, das bereits erfolgreich in Greifswald eingesetzt worden ist, kostet 25.000 Euro.

Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B
Direktor: Prof. Dr. Stefan Felix
Friedrich-Loeffler-Straße 23 a, 17487 Greifswald
T +49 (0)3834/86 66 58
F +49 (0)3834/86 66 57
E felix@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de/inn_b/

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