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Nutzen der hyperbaren Sauerstofftherapie bei Hüftkopfnekrose ist nicht belegt

04.10.2007
IQWiG publiziert Abschlussbericht / Therapie sollte nur im Rahmen klinischer Studien eingesetzt werden

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Derzeit ist nicht belegt, dass Patienten mit idiopathischer Hüftkopfnekrose, einer besonderen Form des Hüftgelenkszerfalls, seltener operiert werden müssen, weniger Schmerzen erleiden oder ihr Gelenk beweglicher bleibt, wenn sie zusätzlich zur konventionellen Behandlung eine hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) erhalten. Aussagekräftige Studien fehlen bislang vollkommen. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), den die Kölner Wissenschaftler am 4. Oktober 2007 vorgelegt haben. Sie empfehlen, die HBO bei diesen Patienten deshalb nur im Rahmen klinischer Studien einzusetzen.


Zusätzlicher Sauerstoff soll Absterben des Gewebes verhindern

Bei der Femur- oder Hüftkopfnekrose stirbt ein Teil des knöchernen Oberschenkelknochenkopfes ab. Die Ursache ist bei der idiopathischen Variante - anders als bei der so genannten sekundären (oder: traumatischen) Hüftkopfnekrose - unbekannt. Die Erkrankung ist aber relativ häufig mit Alkohol- oder Nikotinmissbrauch verbunden. Im fortgeschrittenen Stadium kann der Gelenkkopf einbrechen, so dass das Gelenk operativ stabilisiert oder durch eine Prothese ersetzt werden muss.

Mit der HBO wird versucht, das Gewebe durch vermehrte Sauerstoffzufuhr vor dem Absterben zu bewahren. In einer Druckkammer atmet der Patient über eine Maske oder ein Kopfzelt reinen Sauerstoff ein. Die roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren, sind schon bei normaler Luftatmung nahezu gesättigt und können kaum mehr Sauerstoff aufnehmen. Durch den erhöhten Umgebungsdruck lässt sich die Sauerstoffmenge im Blut aber um ein Vielfaches steigern: Wie bei der Kohlensäure in einer (ungeöffneten) Mineralwasserflasche sorgt der Druck dafür, dass mehr Sauerstoff in der Blutflüssigkeit gelöst wird. Auf diese Weise soll dem Körpergewebe vermehrt Sauerstoff zugeführt und der Gewebezerfall aufgehalten werden.

Einsatz nur unter Studienbedingungen

Der Abschlussbericht kommt zu dem Ergebnis, dass verlässliche Aussagen zum Nutzen der HBO bei der idiopathischen Hüftkopfnekrose erwachsener Patienten derzeit nicht möglich sind. Obwohl diese Therapieform seit rund 20 Jahren erprobt wird, sind weltweit bislang nur Daten zu etwa 100 bis 200 Patienten mit dieser Erkrankung öffentlich zugänglich. Die einzige verfügbare vergleichende Studie, die sich mit der Fragestellung des Berichts befasst, konnte wegen methodischer und inhaltlicher Mängel nicht in die Bewertung einfließen. Angesichts des völligen Fehlens adäquater klinischer Studien sollte die HBO nach Auffassung des Instituts bei dieser Indikation nur unter geeigneten Studienbedingungen angewendet werden, um so zumindest langfristig gesicherte Erkenntnisse gewinnen zu können.

Warum die Studienlage derart schlecht ist, bleibt unklar: Besondere organisatorische Schwierigkeiten sind unwahrscheinlich, da es sich keineswegs um eine seltene Erkrankung handelt, die Patienten in der Regel einwilligungsfähig sind und auch keine Notfallbehandlung benötigen. Einwände von Ethikkommissionen gegen direkte klinische Vergleiche sind ebenfalls nicht zu erwarten, da aufgrund der bereits langjährigen Anwendung keine "dramatischen Effekte" zu erwarten sind und den Patienten in der Vergleichsgruppe damit auch keineswegs willkürlich die vermeintlich bessere Behandlungsalternative vorenthalten würde.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den Vorbericht hatte das IQWiG am 25. April 2007 im Internet publiziert. Bis zum 23. Mai konnten dazu Stellungnahmen eingereicht werden. Das IQWiG erhielt zwei solcher Kommentare, die aber der allgemeinen Schlussfolgerung des Vorberichts nicht widersprachen. Zusätzliche, bis dahin nicht vom IQWiG identifizierte, aber relevante Publikationen wurden darin ebenfalls nicht benannt. Da die Stellungnahmen keine Fragen aufwarfen, die diskutiert werden mussten, verzichtete das IQWiG auf eine mündliche wissenschaftliche Erörterung. Die Stellungnahmen wurden aber berücksichtigt: Ihre inhaltlichen Einwände werden im Abschlussbericht diskutiert (siehe S. 31-34) und in einem gesonderten Dokument vollständig wiedergegeben. Am 8. August 2007 wurde der Abschlussbericht an den Auftraggeber, den Gemeinsamen Bundesausschuss, versandt.

Dr. Anna-Sabine Ernst | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.iqwig.de

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