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Neue Perspektive für die Behandlung des Ovarialkarzinoms

16.01.2006

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Antikörper gegen das Adhäsionsmolekül L1 hemmen das Wachstum von Tumorzellen in Zellkulturen und die Ausbreitung der Tumoren im Mausmodell.

Das Adhäsionsmolekül L1 könnte sich als Angriffspunkt für die Therapie von Eierstockkrebs erweisen. Dies bestätigt die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Hans-Peter Altevogt aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der TU München um Prof. Dr. Achim Krüger und dem Paul Scherrer Institut in der Schweiz. Erfolge zeigten sich bei Zelllinien des menschlichen Ovarialkarzinoms sowohl in Kultur als auch im Mausmodell. Die Behandlung mit monoklonalen L1-Antikörpern führte zur Hemmung des Zellwachstums und zu einer beträchtlichen Reduktion der Tumormasse. Auch der Umfang der Bauchwasserbildung wurde stark gesenkt. Eine Entwicklung analoger Antikörper für den Menschen und eine klinische Testung am Menschen ist für die nahe Zukunft geplant.


Das Ovarialkarzinom ist eine bösartige Veränderung der Eierstöcke, an der in Deutschland jährlich ca. 8000 Frauen, meist zwischen 45 und 65 Jahren, erkranken. Das Erkrankungsrisiko wird durch familiäre Prädisposition, Kinderlosigkeit und späte Geburten erhöht. Da die Symptome unspezifisch sind, werden die Tumoren meist erst entdeckt, wenn sich im Bauchraum bereits Metastasen und Bauchwasser gebildet haben. Die Behandlung des Eierstockkrebses erfolgt operativ und durch unterstützende Chemotherapie mit mäßigem Erfolg im fortgeschrittenen Stadium.

Der viel versprechende Ansatzpunkt für eine neue Therapie ist das Membran gebundene Adhäsionsmolekül L1, das mit anderen Zelladhäsionsmolekülen und -rezeptoren interagiert. Die dadurch in Gang gesetzte Signalkaskade führt zur Zelldifferenzierung,
-proliferation und bei entarteten Zellen zur Abwanderung und Invasion. Aufmerksam auf das Protein wurden die Forscher, als ein Zusammenhang zwischen L1-Überexpression und der Tumorausbreitung beim Ovarialkarzinom entdeckt wurde. Auch verschiedene andere Krebsarten, z.B. Nieren- und Dickdarmkarzinom, produzieren während des Tumorwachstums und der Metastasierung verstärkt L1. Gelöstes L1, das in Serum und Bauchwasser beim Uterus- und Ovarialkarzinom abgegeben wird, fördert seinerseits die Mobilität der Zellen und die Tumorentwicklung.

Die Forscher um Prof. Altevogt beobachteten die Wirkung monoklonaler, gegen L1 gerichteter Antikörper auf die Entwicklung L1-positiver Tumorzelllinien in Kultur und die Ausbreitung des Ovarialkarzinoms in infizierten, immundefizienten Nacktmäusen. In beiden Fällen verringerte sich das Wachstum der Tumorzellen. Im Organismus wurde durch die AK-Gabe die Tumormenge bis zu 63,5 Prozent, die Bauchwasserbildung bis zu 75 Prozent gesenkt. Im Vergleich zur Kontrolle verbesserte sich der Gesundheitszustand der behandelten Mäuse merklich. Die Antikörper binden sowohl die Membran gebundene, als auch die gelöste Form des Adhäsionsmoleküls, drosseln das Wachstum der Tumorzellen und verhindern durch Quervernetzungen die Abwanderung und Anheftung.

Diese Studie sei der erste Schritt zur Entwicklung neuer Behandlungsstrategien des Ovarialkarzinoms durch eine effiziente Hemmung des Tumorwachstums und der Metastasierung mit L1-Antikörpern, prognostizieren die Wissenschaftler in ihrem Artikel, der im Cancer Research publiziert wurde.

Matthias J.E. Arlt et al.: "Efficient Inhibition of I.p. Tumor Growth and Dissemination of Human Carcinoma Cells in Nude Mice by Anti-L1-Cell Adhesion Molecule Monoclonal Antibody Treatment", Cancer Res; 66(2), 15. Jan 2006

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.

Dr. Julia Rautenstrauch | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.dkfz.de/pressemitteilungen

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