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Beim Kampf gegen Hautkrebs spielt das Immunsystem eine maßgebliche Rolle. Den Patienten wird darum häufig Interleukin-2 verabreicht - ein körpereigener Botenstoff, der die T-Zellen des Immunsystems auf Trab bringt. Dieser Effekt tritt offenbar auch im Zuge einer Chemotherapie auf. Das haben Wissenschaftler von der Hautklinik der Uni Würzburg an Melanomen herausgefunden. Ihre Studie wurde von der Wilhelm-Sander-Stiftung (München) gefördert.
Interleukin-2 spielt im Immunsystem als Wachstumsfaktor für die T-Zellen eine wichtige Rolle. Von Tiermodellen ist bekannt, dass eine Behandlung mit diesem Botenstoff die bereits existierende Immunantwort gegen Melanome verstärkt. Das Interleukin bewirkt außerdem, dass identische T-Zellen nicht auf eine einzelne Metastase begrenzt bleiben, sondern auch in anderen Metastasen auffindbar sind.
Letzteres ist auch beim Menschen der Fall, wie die Würzburger Wissenschaftler David Schrama, Eva Fuchs, Eva-Bettina Bröcker und Jürgen C. Becker mit ihrem Kollegen Per thor Straten aus Kopenhagen an verschiedenen Melanomen nachgewiesen haben. Allerdings fanden die Forscher zusätzlich heraus, dass diese Effekte auch bei Patienten vorkommen, die überhaupt kein Interleukin-2, sondern ausschließlich eine Chemotherapie erhalten hatten.
Ist also die Krebsbehandlung mit Interleukin-2 überflüssig? "Das würde ich so nicht sagen", meint Diplom-Biologe Schrama. Zum einen seien in der Würzburger Studie nur die T-Zellen betrachtet worden und nicht auch all die anderen Faktoren, die das Immunsystem beeinflussen. Zum anderen untersuchten die Forscher zwar die Verteilung der T-Zellen, nicht aber deren Aktivierungszustand. Hier seien weitere Analysen nötig, die mit Unterstützung durch die Sander-Stiftung zurzeit auch durchgeführt werden.
Der schwarze Hautkrebs (Melanom) ist ein metastasierender bösartiger Tumor, der von den pigmentbildenden Zellen ausgeht. In Europa und den USA treten derzeit zwischen drei und sieben Neuerkrankungen pro Jahr und 100.000 Einwohnern auf - mit steigender Tendenz. 20 bis 25 Prozent der Patienten mit einem Melanom sterben an dieser Erkrankung.
Über 90 Prozent aller Melanome werden bereits im Stadium des Primärtumors diagnostiziert. "Trotzdem besteht bei Patienten, deren Tumoren dicker als ein Millimeter sind, das Risiko, dass bereits kleinste Tumorabsiedlungen vorliegen, auch wenn diese weder mit einer klinischen noch apparativen Untersuchung erfasst werden können", so Becker. Werde ein Primärtumor nicht in einer frühen Wachstumsphase erkannt und vor seiner Metastasierung komplett operativ entfernt, bedeute das eine deutliche Verschlechterung der Prognose. Es reiche schon, dass Metastasen in den Lymphknoten vorgedrungen sind, der dem Tumor am nächsten liegt, um die Lebenserwartung deutlich zu verringern.
Die etablierten Optionen zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms haben bisher keine durchgreifende Verbesserung der Prognose gebracht, so dass dringend effektive Therapiemöglichkeiten erarbeitet werden müssen. Neben den üblichen Methoden der Tumorbehandlung (Bestrahlung, Chemotherapie) werden darum beim metastasierten Melanom auch Therapien erprobt, die das Immunsystem bei seiner Arbeit gegen die Erkrankung unterstützen sollen. Des weiteren zeichnen sich experimentell Möglichkeiten ab, die in den Tumorzellen entkoppelten Wachstumssignale therapeutisch zu regulieren.
David Schrama, Eva Fuchs, Eva-Bettina Bröcker, Per thor Straten und Jürgen C. Becker: "Identical T-cell Receptor Transcripts in Multiple Melanoma Metastases", in: Cancer Research 2002, 62(20), Seiten 5664-5667.
Robert Emmerich | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.innovations-report.de/html/profile/profil-315.html
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