Neue Substanzen umgehen Brustkrebs-Risiko
Der Wirkstoff Tibolon könnte eine Alternative zu herkömmlichen Hormonersatztherapien darstellen. Anlässlich der “Brustkrebs 2003”-Tagung der österreichischen Gesellschaft für Senologie teilten Experten mit, dass es bislang keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko gibt. Studien hatten vor einiger Zeit gezeigt, dass Langzeittherapien mit Östrogen-Gestagen-Kombinationen das Brustkrebs-Risiko von Patientinnen erhöhen, weil durch eine stimulierende Wirkung die Brustdichte zunimmt.
Tibolon gehört zur Klasse der STEARs (Selective Tissue Estrogenic Activity Regulators). Es wirkt anders als Östrogene selektiv, da die östrogene Wirkung nur in bestimmten Körperteilen wie Knochen, Gehirn und Vagina stattfindet. Durch Tibolon werden Wechselbeschwerden gemildert und die Verminderung der Knochendichte verhindert, aber die negative Stimulation von Brustgewebe und Gebärmutterschleimhaut bleibt aus. Auch Gemütslage und Libido der Patientinnen werden positiv beeinflusst. Bo von Schoultz, Professor am Karolinska Institute Stockholm, sagte: “Eine randomisierte, plazebokontrollierte Studie, die bei uns durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass nur zwei Prozent der Verwenderinnen von Tibolon eine erhöhte Brustdichte aufwiesen, hingegen 46 Prozent der Frauen unter kontinuierlicher Östrogen-Gestagen-Therapie.”
Frauen leiden nach Brustkrebs oft unter besonders starken Wechselbeschwerden. Für sie sind herkömmliche Hormontherapien denkbar ungeeignet. Derzeit wird daher die “Liberate-Studie” mit 2.600 betroffenen Frauen durchgeführt, um die Wirkung von Tibolon nach Brustkrebs zu testen. Ergebnisse dieser Studie sollen in einigen Jahren vorliegen.



