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Stille Schlaganfälle nach Herzoperationen: Das verborgene Risiko für das Gehirn

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Herzoperationen können mehrere schwerwiegende Komplikationen auslösen. Studien zeigen das Auftreten von Schlaganfällen nach Herzoperationen und verdeutlichen das damit verbundene Mortalitätsrisiko. Klappenreparaturen oder Stentimplantationen bergen ein potenzielles Schlaganfallrisiko.

Stille Hirninfarkte (Silent Brain Infarctions, SBIs) sind Hirnläsionen, die mit mehreren vaskulären Risikofaktoren im Zusammenhang mit kardiovaskulären Eingriffen in Verbindung stehen. SBIs sind mit Schwäche, motorischen und affektiven Symptomen verbunden, die sich von den klinischen Schlaganfallsymptomen unterscheiden. Aufgrund solcher alarmierender Komplikationen dienen diese Schlaganfälle als Surrogatmarker für Studien über Hirnschädigungen.

Studie zeigt häufiges Auftreten von Hirninfarkten nach Herzoperationen

Nach Bypass-Operationen am Herzen kommt es häufiger als bislang angenommen zu kleineren Hirninfarkten. Das haben Wissenschaftler von der Uni Würzburg mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie nachgewiesen. Über ihre Arbeit berichten sie in der Juli-Ausgabe des Fachblatts “Archives of Neurology”.

Nach Bypass-Operationen treten bei drei bis fünf Prozent aller Fälle ernsthafte neurologische Komplikationen auf, zum Beispiel Schlaganfälle oder vorübergehende starke Durchblutungsstörungen (Transitorische Ischämische Attacken, TIA). Als Ursache hierfür wird die Verstopfung von Blutgefäßen durch Gerinnsel angenommen.

Weitaus häufiger kommt es zu leichten neuropsychologischen Defiziten. Diese äußern sich beispielsweise in Störungen der Konzentrations-, Koordinations- oder Merkfähigkeit. Beispiel: Die Patienten haben Schwierigkeiten, sich über eine kurze Zeit Begriffe einzuprägen und diese dann zu wiederholen. Der Grund für derartige Defizite ist bislang nicht geklärt. Diskutiert werden unter anderem Einflüsse der Narkose oder eine Aktivierung von Entzündungsbotenstoffen durch den Kontakt des Blutes mit der Herz-Lungenmaschine.

Dieser Sache wollten Würzburger Mediziner von der Abteilung für Neuroradiologie und der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Universität auf den Grund gehen: Sie unterzogen 30 Patienten kurz vor und drei Tage nach einer Bypass-Operation neurologischen und neuropsychologischen Tests sowie einer Magnetresonanz-Tomographie. “Hierbei wurde zum einen der Stoffwechsel des Gehirns untersucht, insbesondere ein Metabolit mit dem Namen N-Acetyl-Aspartat (NAA), der als Maß für die Unversehrtheit von Nervenzellen verwendet werden kann”, wie der Neuroradiologe Dr. Martin Bendszus erklärt. Zum anderen wurden geringste frische Durchblutungsstörungen im Gehirn erfasst.

Ergebnis: Keine einzige Testperson litt an schweren neurologischen Ausfällen. Jedoch wurden bei neun Patienten (26 Prozent) kleinere Hirninfarkte festgestellt. Ferner kam es bei allen zu einem deutlichen Abfall der neuropsychologischen Testparameter. In eindeutigem Zusammenhang hiermit stand ein Absinken der Konzentration von NAA im Gehirn. Einige Patienten wurden noch länger untersucht: Dabei zeigte sich, dass sowohl die Testergebnisse als auch die NAA-Konzentration wieder besser wurden.

“Unsere Studie weist darauf hin, dass es nach Bypass-Operationen zu einer vorübergehenden Funktionsstörung von Nervenzellen kommt”, so Dr. Bendszus. Weiterhin sei gezeigt worden, dass man mit einer Stoffwechseluntersuchung des Gehirns die ansonsten nicht eindeutig bestimmbare Minderung der Konzentrations-, Koordinations- und Merkfähigkeit nach herzchirurgischen Eingriffen messen kann. Diese Methode könnte für künftige Therapiestudien von Bedeutung sein.

Martin Bendszus, W. Reents, D. Franke, W. Müllges, J. Babin-Ebel, M. Warmuth-Metz, M. Koltzenburg, L. Solymosi: “Brain damage after coronary artery bypass grafting”, Archives of Neurology, Juli 2002

Weitere Informationen: Martin Bendszus, T (0931) 201-1 (Zentrale), Fax (0931) 201-34471, E-Mail:
bendszus@neuroradiologie.uni-wuerzburg.de

Postoperatives kognitives Dysfunktionssyndrom: Umfang und Auswirkungen

Ältere Menschen erleben diese Dysfunktion nach kardiovaskulären Operationen. Patienten mit POCD zeigen einen Rückgang kognitiver Fähigkeiten wie verbale Flüssigkeit, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Koordination, Orientierung und exekutive Funktion. Studien zeigen, dass 30 % der jüngeren Patienten und etwa 40 % der älteren Patienten bei der Entlassung aus dem Krankenhaus POCD entwickeln. Präventive Maßnahmen, insbesondere die Identifizierung von Biomarkern, der rationale Einsatz von Medikamenten in der perioperativen Phase, das Training kognitiver Funktionen und interdisziplinäre Zusammenarbeit, dienen als frühzeitige Präventionsstrategien zur Verringerung des Auftretens von POCD.

Neue therapeutische Strategien

Aktuelle Initiativen zielen darauf ab, POCD und stille Hirninfarkte (SBIs) zu mildern. Beispielsweise untersucht eine multidisziplinäre Studie pharmakologische Interventionen zur Reduktion von durch kardiopulmonalen Bypass verursachten Gehirnentzündungen. Darüber hinaus zielen der Einsatz von Embolieschutzsystemen während der Eingriffe, der Einsatz von Neuroimaging, die Behandlung zugrunde liegender vaskulärer Risikofaktoren und frühzeitige Interventionen darauf ab, kognitive Beeinträchtigungen zu verhindern und die postoperative Genesung zu verbessern.

Priorisierung der neurologischen Gesundheit bei Herzoperationen

Die Prävalenz von stillen Hirninfarkten und postoperativer kognitiver Dysfunktion verdeutlicht potenzielle Komplikationen, die aus Herzoperationen resultieren können. Daher ist ein umfassender Behandlungsansatz erforderlich, um den Zusammenhang zwischen Herzoperationen und neurologischen Erkrankungen besser zu verstehen. Die Integration neuroprotektiver Strategien und personalisierter Interventionen in herzchirurgische Protokolle wird entscheidend sein, um die Genesung der Patienten zu verbessern.

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