Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Einsatzgebiete für bewährte Medikamente

02.11.2015

Ein internationales Forschungsprojekt unter Koordination der Medizinischen Universität Wien untersucht die Wirksamkeit von bewährten Medikamenten bei anderen Erkrankungen.

Dabei dient der Kalzium-sensitive Rezeptor CaSR auf molekularer Ebene als Ansatzpunkt. Dessen Fehlfunktion gilt nicht nur als Auslöser von familiärer Hyperkalzämie und Hyperparathyreoidismus, sondern ist auch an diversen anderen Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes, Krebs oder kardiovaskulären Erkrankungen beteiligt. Ein vierjähriges EU-Projekt untersucht nun, ob diese bereits bei anderen Erkrankungen eingesetzten Medikamente, die den CaSR modulieren, auch bei oben erwähnten Krankheiten positive Wirkung zeigen.


Ein internationales Forschungsprojekt unter Koordination der Medizinischen Universität Wien untersucht die Wirksamkeit von bewährten Medikamenten bei anderen Erkrankungen

Der Kalzium-sensitive Rezeptor (CaSR) ist nicht nur der Hauptregulator des Kalzium-Stoffwechsels, sondern er ist auch an den meisten physiologischen Prozessen zur Aufrechterhaltung normaler Körperfunktionen beteiligt. Forschungserkenntnisse zeigen, dass eine abnormale Funktion und/oder Expression des CaSR eine wichtige Rolle bei der Entstehung bzw. dem Fortschreiten sogenannter „non-communicable diseases (NCDs)“ wie der Alzheimer-Demenz, kardiovaskulären Erkrankungen, Diabetes, Krebs und degenerativem Muskelabbau spielen. Diese Erkrankungen machen weltweit 25 Prozent aller Krankheitsfälle aus.

Unterschiedliche Krankheiten – gleicher Ansatzpunkt

G-Protein-gekoppelte-Rezeptoren (GPCRs) wie der CaSR stellen ein molekulares Ziel für mehr als 35 Prozent aller modernen Arzneimittel dar. Daher sollen im Marie Sklodowska-Curie European Training Network (ETN) „CaSR-Biomedicine“ in 14 multi-disziplinären Einzelprojekten nicht nur grundlagenorientierte Fragestellungen zu Zelltyp- und Liganden-spezifischen Signaltransduktionswegen des CaSR untersucht, sondern vor allem Effekte und Anwendbarkeit CaSR-gerichteter Therapeutika aufgeklärt werden. Untersucht werden dabei mit dem Alterungsprozess assoziierte Erkrankungen (Alzheimer-Demenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Muskelschwäche) und verschiedene Krebsleiden wie das Neuroblastom sowie Dickdarm- und Brustkrebs.

„Da es diese den CaSR modulierenden Therapeutika bereits gibt, wenn auch mit derzeit eingeschränkter Anwendung bei wenigen Erkrankungen, sind sie doch am Menschen getestet und zugelassen“, erklärt Projektkoordinatorin Enikö Kallay vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie, „wenn diese Medikamente auch bei anderen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden könnten, erspart das viele der sonst mit der Einführung von neuen Medikamenten verbundenen Entwicklungskosten und auch Entwicklungsdauer“.

Einen international für Aufsehen sorgenden Erfolg erzielte das Team um Daniela Riccardi (Universität Cardiff, ein Partner im vorliegenden ETN) mit der Entdeckung, dass das weit verbreitete Asthma bronchiale durch bereits existierende Medikamente, die den CaSR deaktivieren, erfolgreich behandelt werden könnte. Ließe sich das auch für andere Erkrankungen wie Diabetes, Alzheimer und verschiedene Krebsarten zeigen, könnte dies einen Durchbruch bei deren Behandlung bedeuten.

Mit dem auf vier Jahre angelegten und mit 3,6 Millionen Euro dotierten Marie Sklodowska-Curie European Training Network (ETN) „CaSR-Biomedicine“ aus dem Horizon-2020-Call holte Enikö Kallay bereits zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren ein EU-Projekt an die MedUni Wien. Ihr obliegt neben der Gesamtkoordination des gemeinsam mit 13 internationalen Kooperationspartnern aus acht Ländern durchgeführten Programmes auch die Leitung der Forschungsaktivitäten seitens der Medizinischen Universität Wien. Sie wird bei der Projektabwicklung und -umsetzung von Sabina Baumgartner-Parzer von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie & Stoffwechsel (Universitätsklinik für Innere Medizin III) und Isabella Ellinger (Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung) unterstützt.

MedUni Wien koordiniert internationales PhD-Kolleg

Neben dem Gewinn wissenschaftlicher Erkenntnisse steht vor allem die Ausbildung junger WissenschafterInnen im Rahmen eines breit aufgestellten internationalen Doktoratskollegs im Vordergrund. Dieses umfasst neben experimentellen Methoden und Techniken im Rahmen der wissenschaftlichen Labortätigkeit und des jeweiligen universitären Lehrangebotes auch medizinethische Aspekte, modernste Präsentationstechniken und Kommunikationsstrategien, Qualitäts- und Risikomanagement.

Um die jungen Forschenden nicht nur auf eine akademische und forschungsorientierte Berufslaufbahn bestmöglich vorzubereiten, werden Workshops zu Start-ups und Entrepreneurship angeboten. Dafür konnten Gründer von Start-Ups ebenso wie Top-Manager weltweit führender Firmen gewonnen werden. Dadurch erhalten die jungen WissenschafterInnen eine hochqualifizierende Aus- und Weiterbildung, die ihnen unterschiedlichste Karrierewege eröffnet – sei es als ForscherIn, ManagerIn oder UnternehmerIn.

http://www.meduniwien.ac.at

Johannes Angerer | AlphaGalileo

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie