Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Häufigkeit von Erbgutmarkierungen charakterisiert seltenen Blutkrebs

20.12.2017

Nicht nur Genveränderungen, sondern auch manche DNA-Markierungen tragen zur Krebsentstehung bei. Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum haben herausgefunden, dass eine Form der Leukämie besonders schwierig zu behandeln ist, wenn in den Krebszellen eine bestimmte Art von DNA-Markierungen sehr häufig auftritt. In diesem Fall erleiden Patienten nach der Behandlung häufiger einen Rückfall und die Erkrankung nimmt einen ungünstigeren Verlauf. Durch die Analyse der DNA-Markierungen können Therapien in Zukunft möglicherweise besser an die individuelle Situation angepasst werden.

Bei der juvenilen myelomonozytären Leukämie (JMML) teilen sich die Blutzellen unkontrolliert. An dieser seltenen Form von Blutkrebs erkranken hauptsächlich Kinder, meist noch vor Ende des zweiten Lebensjahrs. Ohne eine Stammzelltransplantation, die bisher einzige Behandlungsform, die den Krebs wirksam bekämpft, verläuft die Erkrankung in den meisten Fällen tödlich.


Bei JMML-Patienten enthält das periphere Blut viel zu viele unreife myeloische und monozytäre Zellen.

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg

Bei etwa einem Drittel der transplantierten Patienten kehrt der Krebs zurück. Daher ist es wichtig, bereits frühzeitig exakte Prognosen über den Verlauf der Krankheit zu erstellen. Neueste Ergebnisse der Forscher um Christoph Plass am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und des Teams um Christian Flotho, Wissenschaftler des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) in Freiburg, können nun dazu beitragen, den Verlauf einer JMML in Zukunft besser einzuschätzen.

„Klinische Parameter lassen bisher nur ungenaue Vorhersagen zu“, so Plass. „Umfassende molekulare Analysen wie unsere können helfen, mit größerer Sicherheit vorherzusagen, ob die Therapie anschlägt.“

Die Forscher untersuchten das komplette Erbgut von JMML-Patienten auf das Auftreten von bestimmten Erbgutmarkierungen, den sogenannten DNA-Methylierungen. Die DNA-Methylierung, wie auch andere chemische Modifikationen des Erbguts, werden als „epigenetische“ Veränderungen bezeichnet. Sie steuern die Aktivität einzelner Gene. Im Gegensatz zur genetischen Mutation bleibt die DNA-Sequenz bei der epigenetischen Regulation unverändert.

Die Wissenschaftler entdeckten bei ihrer Analyse, dass sich die JMML-Patienten in drei Gruppen einteilen lassen, je nachdem, wie stark ihre DNA methyliert ist. „Bisher wurde bei der JMML nicht das gesamte Erbgut auf Methylierungen untersucht, sondern lediglich bestimmte Gene“, so Plass.

Die Forscher stellten fest, dass die Patienten, deren Erbgut stark methyliert ist, häufiger Merkmale aufweisen, die mit einem erhöhten Rückfallrisiko nach Stammzelltransplantation verknüpft sind. Dem gegenüber steht eine Patientengruppe, deren Erbgut nur schwach methyliert ist und bei denen die Krankheit milder verläuft. Eine dritte Gruppe weist ein mittleres Maß an Methylierungen auf. „Diese Patienten profitieren von einer Stammzelltransplantation und haben mit der Behandlung meist eine günstige Prognose“, sagt Daniel Lipka, Erstautor der Studie.

„Eine Analyse des Methylierungsstatus der DNA könnte dazu beitragen, den Krankheitsverlauf eines Patienten besser abzuschätzen“, so Lipka. „Wir planen, durch weiterführende Studien mit einer größeren Patientenzahl die drei Gruppen noch genauer zu charakterisieren. Möglicherweise können Therapien dadurch in der Zukunft frühzeitig angepasst werden.“

Daniel B. Lipka, Tania Witte, Reka Toth, Jing Yang, Manuel Wiesenfarth, Peter Nöllke, Alexandra Fischer, David Brocks, Zuguang Gu, Jeongbin Park, Brigitte Strahm, Marcin Wlodarski, Ayami Yoshimi, Rainer Claus, Michael Lübbert, Hauke Busch, Melanie Boerries, Mark Hartmann, Maximilian Schönung, Umut Kilik, Jens Langstein, Justyna A. Wierzbinska, Caroline Pabst, Swati Garg, Albert Catalá, Barbara De Moerloose, Michael Dworzak, Henrik Hasle, Franco Locatelli, Riccardo Masetti, Markus Schmugge, Owen Smith, Jan Stary, Marek Ussowicz, Marry M. van den Heuvel-Eibrink, Yassen Assenov, Matthias Schlesner, Charlotte Niemeyer, Christian Flotho, Christoph Plass: RAS-pathway mutation patterns define epigenetic subclasses in juvenile myelomonocytic leukemia
Nature Communications 2017, DOI 10.1038/s41467-017-02177-w

Ein Bild zur Pressemitteilung zum Download zur Verfügung:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/JMML-16-PB.jpg

Bei JMML-Patienten enthält das periphere Blut viel zu viele unreife myeloische und monozytäre Zellen.

Nutzungshinweis für Bildmaterial zu Pressemitteilungen
Die Nutzung ist kostenlos. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) gestattet die einmalige Verwendung in Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Thema der Pressemitteilung bzw. über das DKFZ allgemein. Bitte geben Sie als Bildnachweis an: „Quelle: Universitätsklinikum Freiburg“.
Eine Weitergabe des Bildmaterials an Dritte ist nur nach vorheriger Rücksprache mit der DKFZ-Pressestelle (Tel. 06221 42 2854, E-Mail: presse@dkfz.de) gestattet. Eine Nutzung zu kommerziellen Zwecken ist untersagt.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Sibylle Kohlstädt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de
E-Mail: presse@dkfz.de

www.dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie