Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Indianergift für die moderne Medizin

17.02.2004


Der heutige Nutzen des südamerikanischen Pfeilgifts Curare



Verschiedene Pflanzengifte, die die Indianer Südamerikas nutzten, wurden in Europa unter dem Sammelbegriff Curare bekannt. Bei deren wissenschaftlicher Untersuchung wurden dabei eher zufällig Anwendungsmöglichkeiten entdeckt, die Curare zu einem heute unentbehrlichen Stoff für die Medizin machten. Dr. Tobias Buzello hat sich am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität zu Köln mit der Historie und dem Potential von Curare beschäftigt und dessen Weg vom Gift zum Helfer verfolgt.

... mehr zu:
»Gift »Indianergift


Die westliche Welt kam bald nach der Entdeckung des amerikanischen Kontinents mit den südamerikanischen Pfeilgiften in Berührung. Die Indianer nutzten diese als Waffe gegen die europäischen Besatzungstruppen. Der Begriff Curare entstammt der Sprache der Tupi-Indianer, in der `ourari´ soviel bedeutet wie `Flüssigkeit, die einen Vogel töten kann´. Seine todbringende Wirkung besteht in der Lähmung der Atemmuskulatur. Das Gift verbreitete unter den westlichen Truppen große Ängste und in der Hoffnung, ein Gegengift zu entwickeln, nahmen sich westliche Forscher dieser Substanz an. Dieser Versuch schlug fehl, doch im Laufe der intensiven Beschäftigung mit Curare entstand die Idee, dass dessen muskelentspannende Wirkung mit Gewinn in der Medizin eingesetzt werden kann.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte man Curare therapeutisch gegen Tollwut, Epilepsie, Tetanus und Morbus Parkinson ein. Auch in der Psychiatrie wurde es verwendet, um die damals verbreitete Elektroschock-Therapie zu unterstützen. Letztlich erwies sich Curare aber nur in einem Bereich von nachhaltiger Bedeutung, nämlich als Relaxan bei chirurgischen Operationen. Hinsichtlich dieser Eigenschaft erwies sich der Stoff den bisher dagewesenen Mitteln wie Äther oder Chloroform als überlegen und wurde somit Mitte des 20. Jahrhunderts zum medizinischen Standard. Dies war jedoch nicht ohne Risiko, da die extrem lähmende Wirkung erst im Laufe der Zeit so kontrolliert werden konnte, dass es nicht zu ungewollten Todesfällen kam.

Als das natürliche Angebot an Curare die rapide steigende Nachfrage nicht mehr befriedigen konnte, wurden synthetische Ersatzprodukte entwickelt. Dies war jedoch erst mit der Erfindung moderner Forschung- und Analyseverfahren wie der Dünnschichtchromatographie möglich geworden, so dass ein durchschlagender Erfolg erst in den 60er Jahren zu verzeichnen war. Mit den neuen Substanzen konnten auch die gefährlichen Nebenwirkungen minimiert werden, so dass diese heute einen sicheren und zuverlässigen Bestandteil der modernen Anästhesie darstellen.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Daniel Schäfer unter der Telefonnummer 0221/478-6796, der Fax-Nummer 0221/478-6794 und unter der Email-Adresse ajg01@uni-koeln.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/pi/

Weitere Berichte zu: Gift Indianergift

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie