Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seegras - vom ungeliebten Strandgut zum Rohstoff der Zukunft?

29.11.2007
Wissenschaftler der TU Dresden verwerten das ungeliebte Strandgut

Angeschwemmtes Seegras kann richtig teuer werden. Da es nur mit einer teuren Vorbehandlung entsorgt werden darf und auch das Aufbringen auf die Felder inzwischen verboten ist, haben viele Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns ein Problem am Hals. Wohin mit dem ungeliebten Strandgut? Wissenschaftler der TU Dresden haben jüngst mithilfe einer Pilotanlage zeigen können, dass die Pflanzenreste sich nach der Reinigung und Trocknung zur Weiterverarbeitung eignen. Der "Müll" wird damit zum kostbaren Naturrohstoff.

Sören Tech, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Holz- und Papiertechnik der TUD, trug die Idee zur stofflichen Nutzung von Seegras schon eine Weile mit sich herum. Wie könnte man angeschwemmtes Biomaterial, das die feinweißen Sandstrände verunziert, als Rohstoff weiterverwerten? Vor sieben Jahren trat er an die Ostseegemeinde "Am Klützer Winkel" heran: ob man dort nicht testen wolle, wie Seegras eventuell als Bau- und Dämmstoff verwendet werden könnte, statt für eine aufwändige Entsorgung zu bezahlen? Man wollte. Ein EU-Projekt mit neun Partnern aus fünf Ländern wurde ins Leben gerufen, das sich verschiedenen Teilaspekten des Problems gesondert widmete; etwa, welche Inhaltsstoffe die verschiedenen Seegras-Sorten haben, wie es am einfachsten getrocknet werden kann, und welche Vermarktungsstrategien sich für das außergewöhnliche Material anbieten.

Das Institut für Holz- und Papiertechnik der TU Dresden beschäftigte sich vor allem mit der Frage, welche Materialeigenschaften bei verschiedenen Mischungsverhältnissen am besten zum Tragen kommen, und wie der Faserrohstoff in bestehende Produkte und Anlagen integriert werden könnte. Durch seinen natürlichen Salzgehalt brennt Seegras schlechter als andere gängige Dämmstoffe wie z.B. Flachs, und lässt sich doch einfacher verarbeiten als Stein- oder Glaswolle. Mitteldichten Faserplatten kann Seegras beigemischt werden und so andere, wertvollere Rohstoffe ersetzen. Aber auch in Biogasanlagen kann der Rohstoff verarbeitet werden.

Die Herausforderung, das Seegras kostengünstig so zu reinigen, dass es anschließend weiterverwendet werden kann, wurde in einer Pilotanlage untersucht. Eine Luftstromtrocknung hat sich dabei als günstig erwiesen, und eine Marktstudie wies nach, dass das Material für mittelgroße regionale Dämmstoffproduzenten trotz der relativen Unberechenbarkeit des "Erntezeitpunkts" attraktiv sein kann. Darüber hinaus denkt Tech daran, den weltweit steigenden Bedarf an Rohstoffen durch die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffquellen aus See- und Binnengewässern mit ähnlichen Zielstellungen anzugehen. Wenn da vernünftige Erntetechnologien direkt aus dem Wasser entwickelt würden, erklärt der Wissenschaftler, hätte man Seegras in hoher Qualität, das andere nachwachsende Rohstoffe ergänzen könnte.

In Zukunft ist die Verwertung von Seegras, das traditionell auch als Füllstoff für Matratzen oder Sofas diente, eher auf hochwertige Weiterverarbeitung gerichtet. So liegt bereits eine Anfrage des Meeresmuseums Stralsund am Dresdner Institut vor: die neuen Vitrinen des Museums sollen aus Seegrasfaserplatten hergestellt, die Leuchten mit Seegrasschirmen veredelt werden.

Weitere Informationen: Dipl.-Ing. Sören Tech, Tel. 0351 463-38108, E-Mail: soeren.tech@tu-dresden.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de/

Weitere Berichte zu: Dämmstoff Rohstoff Seegras Weiterverarbeitung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Forscherin entwickelt elektronische Textilstruktur für Medizinprodukte
17.02.2017 | Hochschule Niederrhein - University of Applied Sciences

nachricht Untergrund beeinflusst Halbleiter-Monolagen
16.02.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung