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Brandschutz nach dem Butterbrot-Prinzip

24.04.2002


Das Schichtprinzip der Sandwich-Bauweise für Brandschutzgläser demonstrieren Prof. Dr. Gerhard Meyer (l.) und Student Nicolas Wirth: Zwischen die glasklaren Scheiben kommen Funktionsschichten, die im Brandfall beispielsweise aufschäumen. Foto: FHG/BL


Die Fachhochschulabteilung Recklinghausen beteiligt sich mit einem Brandschutz-Projekt an einem über 200 Projekte umfassenden Europa-Forschungsprogramm zu neuen Materialien. An dem auf knapp 5 Millionen Euro veranschlagten Projekt beteiligt sich als Industriepartner das niederländische Unternehmen Scheuten Glasgroep in Venlo. Etwa zwei Drittel des Finanzbedarfs kommen von Scheuten, das dritte Drittel kommt von der EU.

Recklinghausen. Seit rund einem Jahr läuft an der Hochschulabteilung in Recklinghausen ein auf 4,7 Millionen Euro beziffertes Forschungsvorhaben zur Verbesserung des Brandschutzes. In dem Vier-Jahres-Projekt geht es um die Entwicklung transparenter Glaswände, die im Brandfall die Flucht- und Rettungswege vor Flammen und Hitze schützen sollen. "Normales Glas würde im Feuer platzen oder schmelzen", erläutert Prof. Dr. Gerhard Meyer vom Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften die Forschungszielachse, "zwar könnte man die Glaspakete immer dicker machen, um eine ausreichende Fluchtzeit bis zum Durchschmelzen zu gewährleisten, aber Glas ist leider auch sehr schwer und bei mehreren Zentimetern Stärke immer undurchsichtiger, sodass die transparente Leichtigkeit des Werkstoffes Glas nicht mehr zu Geltung kommt."
Bereits gängig als Brandschutz ist das Einfügen von Drahtgeflecht in das Glas. Das verhindert das Zersplittern des Glases im Brandfall, schützt aber nicht vor Hitze. Meyer und die Arbeitsgruppe aus Studierenden sowie den Mitarbeitern Paul Hendrikx, Thomas Fenner, Dirk Hohme und Albert van Oyen als Teamleiter verfolgen einen anderen Weg: "Wir arbeiten nach dem Sandwich-Prinzip." Dazu gehören wie bei einem Butterbrot mindestens drei Schichten, wobei das Glas das Brot oben und unten ersetzt und die Butter dazwischen, ja die Butter nennt der Wissenschaftler etwas geheimnisvoll "Funktionsschicht". Diese Funktionsschicht absorbiert die Brandhitze, indem sie zunächst etwas aufschäumt und anschließend ganz langsam schmilzt und so die bis zu 1000 Grad heißen Temperaturen aufzehrt. Die Funktionsschicht bleibt das Geheimnis des Forschers, denn eine dünne, leichte und leicht zu produzierende Funktionsschicht für Gläser, die dem Brand standhalten, ist ein begehrtes Wirtschaftsgut. "Es geht in die Richtung der Silikate" ist alles, was Professor Meyer verrät.
Dass er dabei zwar auf Quarz, nicht aber auf Sand baut, davon geht Meyers Industriepartner aus. Das niederländische Unternehmen Scheuten Glasgroep aus Venlo beteiligt sich an dem "Firedevil" genannten Projekt in Recklinghausen mit rund zwei Dritteln der Projektkosten und will später die Vermarktung der Forschungsergebnisse übernehmen. "Je besser es sich verkauft, umso niedriger können dann infolge von Massenproduktion die Preise sein", meint Meyer und verknüpft damit die Hoffnung, dass auch private Bauherren in absehbarer Zukunft die Forschungsergebnisse einkaufen können.
In Recklinghausen wird das Brandschutzprojekt im Laufe der kommenden Jahre Aufträge im Umfang von bis zu einer Million Euro an regionale Zulieferer und Anlagenbauer vergeben. Außerdem sind fünf neue Arbeitsplätze an der Hochschule entstanden. Einen davon hat Student Nicolas Wirth, der zunächst seine Diplomarbeit in Materialtechnik im Umfeld des Projektes schreibt und anschließend seinen Forschungsbeitrag als Doktorarbeit an der "Technischen Universität Bergakademie Freiberg" einreichen will.
Das Forschungsprojekt gehört mit über 200 weiteren Projekten zu einer Forschungsstrategie der Europäischen Union, die sich mit neuen Materialien beschäftigt, und ist Teil des Eureka-Forschungsprogramms zu technischen, medizinischen und biologischen Themen. Insgesamt haben die rund 1800 Eureka-Projekte ein Finanzvolumen von rund 25 Milliarden Euro.

Dr. Barbara Laaser | idw

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