Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Holztechnologie: Eingriff in die Zellstruktur schafft neuen Werkstoff

04.04.2002


Göttinger Institut für Holzbiologie und Holztechnologie entwickelt Veredelungstechniken

Holz muss regelmäßig gepflegt werden: Die UV-Strahlung des Sonnenlichts zerstört die Oberfläche, Feuchtigkeit dringt ein und ermöglicht Pilzbefall, Lacke platzen ab, weil sich das Holz je nach Witterung ausdehnt oder zusammenzieht. Wissenschaftler am Institut für Holzbiologie und Holztechnologie der Universität Göttingen arbeiten daran, den schnell nachwachsenden und umweltfreundlichen Rohstoff Holz durch gezielte Eingriffe in seine zellulären Struktur grundsätzlich so zu verändern, dass er witterungsbeständig und haltbar wird. "Wir schaffen einen ganz neuen Werkstoff, der aber den typischen Charakter und die Anmutung der Hölzer bewahrt", so Institutsleiter und Holztechnologe Prof. Dr. Holger Militz, der zur Zeit zehn, teilweise international vernetzte Forschungsprojekte mit einem Forschungsbudget von mehreren Millionen Euro zur Holzmodifizierung leitet. Das Ziel, das seine Mitarbeiter und er im Auge haben: Das veredelte Holz ist Wasser abweisend, wird weder schrumpfen noch quellen, hält Lichteinflüssen ohne Verfärbungen stand und bietet zerstörerischen Pilzen keine Basis mehr.

"In etwa der Hälfte der Projekte leisten wir Grundlagenforschung, bei den anderen arbeiten wir eng mit der chemischen und der Holz verarbeitenden Industrie zusammen, die ein wichtiger Geldgeber für uns ist." Dabei werden verschiedene Verfahren zur Holzmodifizierung und Imprägnierung im Labor erprobt und in Versuchsanlagen auf ihre verfahrenstechnische Tauglichkeit geprüft: eine Hitzebehandlung bei 200 Grad Celsius, das Einbringen von Essigsäure (Acetylierung), die Behandlung mit Harzen, Ölen und Wachsen und mit siliziumhaltigen Verbindungen. Allen Verfahren ist gemeinsam, dass sie die chemische Struktur der Holzzellen grundsätzlich verändern, aber, so der Holztechnologe, absolut ungiftig sind. Die Forschung konzentriert sich dabei auf die Veredelung relativ günstiger und schnell nachwachsender Weichhölzer, beispielsweise der europäischen Pappel und Kiefer. Prof. Militz, weist dabei auf den Klimaschutzaspekt intakter Waldgebiete hin und betont, dass so die Abholzung von witterungsbeständigen Harthölzern aus den Tropen künftig drastisch eingedämmt werden könnte.

Einige der Verfahren stehen kurz vor der Marktreife; hitzebehandeltes Holz wird bereits im Fassaden- und Fensterbau verwendet, so beispielsweise für den Bau des finnischen Pavillions auf dem Expo-Gelände in Hannover. Die Veredelung des Holzes wird den Werkstoff nicht extrem verteuern, so Prof. Militz. Da kostenintensive Pflege- und Nachbehandlungen weitgehend wegfallen, lägen die Kosten gerechnet auf die Lebenddauer der Produkte unter Umständen sogar niedriger. Noch hat der Endverbraucher von den modifizierten Hölzern wenig mitbekommen: "Wir befinden uns in einer Umbruchphase, aber innerhalb der nächsten Jahre werden die neuen Holzwerkstoffe auf dem Markt sein. Diese Revolution spielt sich allerdings eher auf großindustriellem Niveau ab. Die Produkte werden zunächst vor allem der Holzindustrie zur Verfügung stehen und nicht direkt im Baumarkt zu finden sein", so Prof. Militz.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Holger Militz, Andreas Krause
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Institut für Holzbiologie und Holztechnologie
Büsgenweg 4,
37077 Göttingen
Tel. (0551) 39-2051,
Fax (0551) 39-3737
E-Mail: akrause2@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-forst.gwdg.de/forst/uffn/homepage.htm

Weitere Berichte zu: Holzbiologie Holzmodifizierung Holztechnologie Zellstruktur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum
07.12.2016 | Technische Universität Graz

nachricht Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate
06.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie