Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hoffnung für Bypass-Patienten

05.03.2002


DBU-Projekt will "künstliches Gewebe" umweltentlastend herstellen

Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle entwickelt hochreines Biopolymer als Basis für Operationsmaterial - 640.000 Euro Förderung

Bisher kennt man sie nur als kompostierbaren, aber teuren Ersatz herkömmlicher Kunststoffe. Doch das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) in Leipzig (Sachsen) will spezielle, von Bakterien erzeugte, umweltfreundliche Kunststoffe (Polymere) für den menschlichen Körper bald erstmalig auch als Implantat und Nahtmaterial nutzbar machen. "Die hervorragenden medizinischen Eigenschaften wurden bisher kaum berücksichtigt. Dabei haben Untersuchungen gezeigt, dass Biopolymere für den Menschen gut verträglich sind", erläuterte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück. Da diese Polymere mindestens siebenmal so teuer seien wie herkömmliche Kunststoffe, hätten sie sich bisher nicht durchsetzen können. In der Medizin spielten die Kosten jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Zudem belaste das Herstellungsverfahren des UFZ die Umwelt weit weniger: So werde der Lösungsmittelverbrauch um 85 Prozent gesenkt, bei gleichzeitiger Steigerung der Produktreinheit. Die DBU fördert das Vorhaben mit 640.000 Euro.

Diese neuen Polymerwerkstoffe versprächen durch ihre besonders hohe Reinheit und ihre für den Menschen sehr gut verträgliche Struktur vor allem bei Bypass-Operationen schnelle Erfolge. Bypass-Patienten leiden unter einer krankhaften Verengung der Herzkranzgefäße, die auf Dauer das Herz schädigt. Um die Blutversorgung des Herzens wieder herzustellen, legt man mithilfe entnommener Bein- oder Bauchvenen eine "Umleitung" um den Engpass. Etwa 70.000 Operationen dieser Art würden jährlich in Deutschland durchgeführt. Für diese Patienten, die nach dem Eingriff zunächst erheblich geschwächt seien, könne der Einsatz der neuen Materialien den Gesundungsprozess beschleunigen: "Aus hochreinen Polymeren hergestellte sogenannte Coronar Stents könnten wie eine stabilisierende Hülle um die Nahtstellen gelegt werden und damit die Wunde schützen", erläuterte Brickwedde. Der menschliche Körper baue diese nach und nach ohne Nebenwirkungen ab.

Bisherige Ersatzstoffe aus anderen Materialien hätten sich gerade bei diesem Abbauprozess als schwer verträglich herausgestellt, da z.B. entstehende Milchsäure die Heilung verzögert habe. Beim Abbau dieses speziellen Biopolymers hingegen entstehe die für den Menschen ohne Probleme verträgliche Buttersäure. Doch nicht nur Bypass-Patienten könnten durch das Projekt der UFZ auf beschleunigte Heilung hoffen: "Bestehen die Polymere den Praxistest erfolgreich, ist eine Anwendung für alle Weichgewebe denkbar", sagte Brickwedde. So seien auch sogenannte "Hautaufwuchssysteme" für Diabetiker und Verbrennungsopfer geplant. 2,5 Millionen Diabetiker in Deutschland litten unter schmerzhaften Geschwüren ("offene Beine"), in Europa müssten sich jährlich 60.000 von ihnen sogar einer Amputation unterziehen. Für sie könnten die hochwertigen Polymerwerkstoffe eine Chance zur Heilung bedeuten.

Bisher habe man die notwendige Stoffreinheit nur durch ein aufwändiges Verfahren erreicht, bei dem für die Herstellung von einem Kilogramm Werkstoff etwa 850 Liter Lösungsmittel verbraucht worden seien. Um eine höhere Reinheit und geringere Umweltbelastung zu erreichen, setze das UFZ spezielle, patentierte Bakterien ein. Ein ebenfalls bereits patentiertes Verfahren erlaube es, den Lösungsmittelverbrauch auf 120 Liter pro Kilogramm zu senken - bei gleichzeitiger Steigerung der Ausbeute um 300 Prozent. Den gewonnenen Werkstoff (eingetragener Markenname METHANOMER) wolle das UFZ nun zu einem Produkt für medizinische Anwendungen verbessern. Dabei solle er so weit veredelt werden, dass er sich als flexibler biomedizinischer Werkstoff für eine breite Anwendungspalette bei Implantaten eigne.

Franz-Georg Elpers | ots

Weitere Berichte zu: Biopolymer Bypass-Patient Heilung Kunststoff Polymer UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Bessere Anwendungsmöglichkeiten für Laserlicht
28.03.2017 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Biegsame Touchscreens: Neues Herstellungsverfahren für transparente Elektronik verbessert
28.03.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit