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Bildgebende Kolorimetrie: Eine neue Bildverarbeitungstechnologie zur automatischen visuellen Kontrolle der ästhetischen Qualität von Oberflächen
Konstanz (ac) Jeder Heimwerker hat so seine Mühe mit gemusterten Oberflächen. Wenn Teppichböden, bedruckte Textilien, Tapeten, Furniere oder Fliesen verlegt werden müssen, kann es schon mal hapern mit der Handwerkskunst: Wer kennt nicht den Ärger, wenn die Tapete wieder abgezogen werden muss, weil die Muster nicht übereinstimmen.
Noch problematischer wird dies, wenn es um große Räume geht, in denen Teppichböden verlegt werden: Schon kleinste Abweichungen im Erscheinungsbild, die in der Produktion nicht wahrgenommen wurden, fallen unangenehm auf. Meist ist es dann zu spät, eine Neuverlegung kann richtig teuer werden.
Das Problem ist eigentlich trivial: zwischen dem rechten und dem linken Rand einer mehrfarbigen Warenbahn gibt es Abweichungen, die nicht immer auf dem ersten Blick erkennbar sind.
Die Geräte zur Farbmessung, die normaler Weise benutzt werden, können hier nicht helfen. Denn die klassische Farbmesstechnik, die sogenannte Kolorimetrie, ist lediglich für die Vermessung von einfarbigen, glatten, nicht-strukturierten und matten Oberflächen definiert und genormt. Bei bunten, gemaserten oder gesprenkelten Flächen versagt die Technik.
Robert Massen, Informatik-Professor an der Fachhochschule Konstanz und seine Mitarbeiter haben ein neues Verfahren entwickelt, das die Eigenschaften der menschlichen Wahrnehmung bei der Beurteilung "schöner", also ästhetischer, mehrfarbiger und strukturierter Oberflächen nachahmen kann.
Die neue Methode arbeitet "mit Farbkameras und einer Auswertung aller Farben der Oberfläche, ihrer drei-dimensionalen Häufigkeitsverteilungen, der örtlichen Verteilungen der einzelnen Farbregionen sowie deren geometrischen Anordnungen", erläutert Professor Massen das Verfahren.
Die ersten Systeme wurden bereits in Produktionsbetrieben installiert und funktionieren äußerst erfolgreich.
Beim ColourBrain-Carpet System, so der Name des patentierten Verfahrens, werden drei Messköpfe eingesetzt, um die Ränder und die Bahnmitte zu beobachten. Zu Beginn "lernen" die Messköpfe die Farbverteilungen und speichern sie als Referenz ab. Danach fahren sie in ihre Messpositionen und vergleichen fortlaufend die dort gemessenen Farbverteilungen mit den gespeicherten Daten. Das erlaubt die frühzeitige Erkennung von Abweichungen sowohl quer als auch längs der Warenbahn.
Das System ist sehr einfach zu bedienen und hat einen handfesten Vorteil: es spart Betrieben viel Ärger mit Reklamationen.
Das bereits preisgekrönte Verfahren hat nach Meinung von Fachleuten die Qualitätskontrolle in diesem Bereich revolutioniert.
Professor Massen, derzeit beurlaubt, baut in Konstanz gerade ein innovatives Unternehmen auf, die Massen Machine Vision System. Doch auch davon profitiert die Hochschule: über die Hälfte der dort Beschäftigten sind eigene Absolventinnen und Absolventen.
Weitere Infos: massen@fh-konstanz.de
Dr. Adrian Ciupuliga | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
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