Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sprit sparen mit Magnesium

14.07.2006
Je teurer der Sprit, desto mehr sind Energiesparautos gefragt. Die Hersteller folgen dem Trend: Sie bauen unter anderem möglichst leichte Fahrzeuge. Ein europäisches Forscherteam hat dafür neue, leichte und extrem belastbare Magnesium-Legierungen entwickelt und geprüft.

Ein Metall, leicht wie eine Feder - der Traum aller Autobauer. Magnesium kommt diesem Ideal schon ziemlich nahe: Es wiegt etwa ein Drittel weniger als Aluminium und ist sogar zwei Drittel leichter als Stahl. Ein idealer Werkstoff, um energiesparende Autos zu bauen. "Doch man kann Stahl nicht einfach durch Magnesium ersetzen", erklärt Michael Kieninger vom Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt. "Die Bauteile müssen, auch wenn sie leicht sind, Stößen, Vibrationen und Korrosion standhalten - das Auto soll am Ende auch stabil sein."


Obwohl leichter als Stahl sind Magnesium-Legierungen zum Bau sicherheitsrelevanter Bauteile im Auto geeignet. © Fraunhofer LBF/Jasmin Hering

Magnesium selbst ist für den Fahrzeugbau zu weich. Durch die Verbindung mit anderen Elementen lassen sich die Eigenschaften jedoch verändern. Im EU-Projekt "Mg-Chassis" haben Forscher aus Deutschland, Schweden und Israel mit den Automobilherstellern VW, Opel und Fiat neue Magnesiumlegierungen entwickelt und getestet. Am israelischen Magnesium Research Institute entstanden leichte, aber dennoch extrem belastbare Werkstoffe aus Magnesium, das mit geringen Mengen Aluminium, Zink und Mangan aufgeschmolzen wurde. Die Ingenieure am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung IFAM in Bremen gossen daraus Bauteile. Wissenschaftler am LBF untersuchten diese Demonstratoren nach allen Regeln der Ingenieurskunst: "Wir haben zum ersten Mal alle relevanten Einflussgrößen auf die Betriebsfestigkeit an Bauteilen untersuchen können: Schwingfestigkeit bei Belastungen mit konstanten und variablen Lastamplituden und Bruchverhalten unter Stoßbelastungen", sagt Christian Pohl vom LBF. Zusätzlich erforscht wurde der Einfluss einer bleibenden Verformung auf die Bauteillebensdauer, ausgelöst zum Beispiel, wenn der Fahrer den Bordstein touchiert. "Dabei hat sich gezeigt, dass manche der Magnesium-Legierungen exzellente Mate-rialeigenschaften haben und zum Bau sicherheitsrelevanter Bauteile wie Chassis oder Fahrwerk geeignet sind".

Ein Fahrwerk aus Magnesium-Legierungen wäre eine echte Innovation: Bisher haben Autobauer das leichte Metall fast nur im Innenraum bei nicht sicherheitskritischen Komponenten eingesetzt, beispielsweise als Armaturenträger oder Konsole. Die Ergebnisse aus dem EU-Projekt werden die Einsatzmöglichkeiten des superleichten Werkstoffs enorm erweitern, davon ist Christian Pohl überzeugt: "Mit Hilfe unserer Kennwerte können die Konstrukteure jetzt die Belastbarkeit eines Bauteils bestimmen, mit den tatsächlichen Belastungen vergleichen und dann die geeignete Legierung auswählen."

Marion Horn | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2006/07/Mediendienst72006Thema3.jsp

Weitere Berichte zu: LBF Magnesium Magnesium-Legierung Sprit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Fraunhofer IFAM erweitert den Forschungsbereich »Beschichtungen für Bewuchs- und Korrosionsschutz«
11.01.2017 | Fraunhofer IFAM

nachricht Schrauben mit Köpfchen
10.01.2017 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie