Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Augsburger Rasterkraftmikroskopie-Experte Gießibl erhält den Rudolf-Kaiser-Preis 2001

14.12.2001


Erhält nach dem Nanowissenschaftspreis 2000 jetzt den Rudolf-Kaiser-Preis 2001: Der Augsburger Experimentalphysiker PD Dr. Franz J. Gießibl
Foto: Fred Schöllhorn


Gießibl und seinen Kollegen gelang es erstmals, Strukturen innerhalb einzelner Atome mittels eines Mikroskops sichtbar zu machen und die Elektronenwolken eines Atoms direkt abzubilden


Auszeichnung würdigt herausragende Einzelleistungen, die "nicht mit ’großen Maschinen’ erzielt wurden" -


Wie der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gestern mitteilte, erhält in diesem Jahr der Augsburger Experimentalphysiker Priv. Doz. Dr. Franz J. Gießibl den Rudolf-Kaiser-Preis 2001. Die seit 1989 jährlich vergebene und mit DM 60.000,- dotierte Auszeichnung würdigt jeweils das bisherige Gesamtwerk eines deutschen Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der experimentellen Physik. Als Preisträger kommt in Frage, wer "mehrere wissenschaftlich gute Arbeiten publiziert [hat ...], die nicht mit Hilfe ’großer Maschinen’ - d. h. Großgeräten wie beispielsweise Teilchenbeschleunigern - in Teamarbeit, sondern überwiegend als Einzelleistungen geschaffen wurden. Zumindest eine dieser Arbeiten muss sich durch besondere Qualität auszeichnen. Er darf noch keinen Ruf auf einen Lehrstuhl erhalten haben."

Der 39-jährige Augsburger Experimentalphysiker Franz J. Gießibl, der zunächst an der Fachhochschule München Feinwerktechnik und dann an der TU München sowie an der ETH Zürich Physik und Mathematik studierte, promovierte 1992 an der LMU München mit einer Arbeit über "Rasterkraftmikroskopie und Rastertunnelmikroskopie bei 4.2 K im Ultrahochvakuum". Parallel zum Studium arbeitete er u. a. am Baustoffinstitut der TU München, am Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching, im IBM Forschungslabor in Rüschlikon, am Walter-Schottky-Institut für Halbleiterphysik der TU München und in der IBM Physikgruppe München. Nach der Promotion war er Projektleiter bei Park Scientific Instruments Inc. in Sunnyvale, Kalifornien, und schließlich Senior Associate bei McKinsey & Company Inc. in München, bis er im Oktober 1996 an den Augsburger Lehrstuhl für Experimentalphysik VI/Elektronische Korrelationen und Magnetismus (Prof. Dr. Jochen Mannhart) wechselte, um hier die Arbeitsgruppe Rastersondenmikroskopie aufzubauen sowie primär im Bereich der atomaren Auflösung beim AFM (Atomic Force Microscopy/Rasterkraftmikroskop) zu forschen. "Progress in Atomic Force Microscopy" war auch das Thema der Studie, mit der Gießibl im Juli 2001 an der Universität Augsburg habilitierte.

BESSERES VERSTÄNDNIS DES VERHALTENS VON ELEKTRONEN IN FESTKÖRPERN

Hier handle es sich zwar nicht um seine am meisten zitierte Publikation, meint Gießibl, aber der in der Science-Ausgabe vom 21. Juli 2000 vermeldete Erfolg, dass es ihm und seinen Kollegen am Augsburger Lehrstuhl für Experimentalphysik VI erstmals gelungen war, Strukturen innerhalb einzelner Atome mittels eines Mikroskops sichtbar zu machen und die Elektronenwolken eines Atoms direkt abzubilden, habe wohl maßgeblich dazu beigetragen, dass er zum diesjährigen Rudolf-Kaiser-Preisträger gekürt worden ist. Denn das unter Federführung Gießibls entwickelte Mikroskop und das mit diesem Mikroskop ermöglichte neuartige Verfahren lassen erwarten, dass es in Zukunft gelingen wird, die Elektronenwolken von einer Vielzahl von Atomen in verschiedenartigen Kristallen abzubilden und so ein verbessertes Verständnis des Verhaltens von Elektronen in Festkörpern zu erzielen.

ESSENTIELLE BEITRÄGE ZUR RASTERKRAFTMIKROSKOPIE

Gießibls experimentelle und theoretische Beiträge zur Rasterkraftmikroskopie und insbesondere das von ihm entwickelte Verfahren, chemisch reaktionsfähige Oberflächen mit atomarer Auflösung abzubilden, waren es im übrigen auch, die ihm im Frühjahr 2000 bereits auf der Tagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) den mit DM 10.000,- dotierten Nanowissenschaftspreis 2000 einbrachten, der, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, vom Kompetenzzentrum Nanoanalytik verliehen wird.

INDIVIDUELLE GENIALITÄT ALS STÄRKSTER GARANT PHYSIKALISCHEN FORTSCHRITTS

Aus der DPG rekrutieren sich auch die Mitglieder des Beirats der Rudolf-Kaiser-Stiftung, der zusammen mit den Angehörigen des Stiftungskuratoriums über die Vergabe des Rudolf-Kaiser-Preises entscheidet. Der Stifter selbst, der 1923 in Nürnberg geborene und an der TU München habilitierte Physiker Rudolf Kaiser, fühlte sich bei seinen Tätigkeiten in der universitären Forschung, in der industriellen Praxis und beim Deutschen Patentamt wie beim Bundespatentgericht der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und der praxisrelevanten Anwendung technologischer Errungenschaften gleichermaßen verpflichtet. Seine breiten Erfahrungen in beiden Bereichen brachten ihn zu der Überzeugung, dass es bei aller Bedeutung von Großgeräten und Teamarbeit von zentraler Bedeutung sei, Anreize für hervorragende Einzelleistungen zu geben, da individuelle Genialität und Zielstrebigkeit der stärkste Garant des Fortschritts in der Physik bleiben würden.

Die Aushändigung des Rudolf-Kaiser-Preises 2001 an Priv. Doz. Dr. Franz J. Gießibl wird voraussichtlich im März 2002 an der Universität Augsburg stattfinden.

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Priv. Doz. Dr. Franz J. Gießibl


Lehrstuhl für Experimentalphysik VI/EKM (Prof. Dr. Jochen Mannhart)
Institut für Physik der Universität Augsburg
86135 Augsburg

Telefon: +49-821-598-3675
Telefax.: +49-821-598-3652
E-Mail: franz.giessibl@physik.uni-augsburg.de

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
- Stiftungsverwaltung -
Dr. Kai de Weldige
Barkhovenallee 1
45239 Essen
Telefon: +49-201-8401-198
Telefax: +49-201-8401-301
E-Mail: kai.deweldige@stifterverband.de

Klaus P. Prem | idw
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/public/zeige_pm.html?pmid=19083
http://idw-online.de/public/zeige_pm.html?pmid=23045
http://www.Physik.Uni-Augsburg.DE/exp6/index.shtml

Weitere Berichte zu: Atom Experimentalphysik Mikroskop Physik Rudolf-Kaiser-Preis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon
21.02.2018 | Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V.

nachricht Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?
20.02.2018 | Hohenstein Institute

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics