Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Forscher vereinfachen Bearbeitung von Titan

27.03.2006


Neue Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin


Durch Lanthan werden aus langen Spänen Krümel



Wissenschaftler vom Institut für Werkstoffe der TU Braunschweig haben eine Legierung für Titan entwickelt, mit der die Bearbeitung des Metalls um einiges leichter wird. Titan gilt als Werkstoff der Zukunft, da es hitzebeständiger als Aluminium und gleichzeitig härter und leichter als Stahl ist. Für die Verwendung des Metalls ergeben sich nun ganz neue Möglichkeiten.



Weltweit werden jährlich rund 75.000 Tonnen Titan produziert. Titan wird derzeit vor allem in der Luft- und Raumfahrt sowie im Schiffs- und Automobilbau verwendet. Im Bereich der Medizin werden aus dem Metall korrosionsbeständige und gut sterilisierbare Instrumente hergestellt. Da Titan keine Allergien auslöst, ist das Metall für chirurgische Eingriffe besonders gut geeignet.

Bisher war die Verarbeitung von Titan sehr zeit- und kostenintensiv. "Beim Bearbeiten des Metalls entstehen extrem lange Späne, die sich im schlimmsten Fall um das Werkzeug herum wickeln oder sich im Bohrer verkeilen", erklärt Projektmitarbeiter Martin Bäker im Gespräch mit pressetext. "Es muss immer ein Mitarbeiter bereit stehen, der in einem solchen Fall den Vorgang unterbricht und den Span mit der Zange abkneift." Bei einigen Werkstücken verursache die Bearbeitung bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten.

Den Braunschweiger Wissenschaftlern ist es nun gelungen, durch die Zugabe von Lanthan die bei der Bearbeitung von Titan anfallenden Späne in kleine Krümel zu verwandeln. Während die Späne bisher mit Werkzeugen manuell entfernt werden mussten, reicht nun ein Pusten, um die Partikel von der Maschine zu entfernen. Lanthan ist ein Element aus der Gruppe der so genannten "seltenen Erden". Um das Späne freie Titan herzustellen, müssen bei der Legierung zu dem flüssigen Metall lediglich einige Lanthan-Brocken dazugegeben werden.

"Unsere neue Legierung kann im Maschinenbau neue Anwendungsbereiche erschließen", erläutert Projektleiter Joachim Rösler. "Röhrchen mit Durchmessern von weniger als fünf Millimetern, wie sie etwa in der Medizintechnik gebraucht werden, können jetzt problemlos aus Titan hergestellt werden." Zudem werden Bearbeitungszeiten und Fertigungskosten erheblich gesenkt.

Die Forscher aus Braunschweig haben sich ihre Entdeckung patentieren lassen und mit der Firma GfE Metalle und Materialien bereits einen Vertrag geschlossen. Vier Anwender aus der Industrie haben bereits Interesse signalisiert. Ein erster 80 Kilogramm schwere Titanblock mit der neuen Legierung soll in den nächsten Wochen an die Interessenten zum Testen und Begutachten ausgeliert werden. Die Forscher sind optimistisch, dass ihre Erfindung den Markt erobern wird. "Anwender, die bisher die Proben getestet haben, sind von den Eigenschaften begeistert", berichtet Rösler.

Verena Töpper | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ifw.tu-bs.de
http://www.gfe-online.de

Weitere Berichte zu: Legierung Luft- und Raumfahrt Metall Späneerfassung Titan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Forscherin entwickelt elektronische Textilstruktur für Medizinprodukte
17.02.2017 | Hochschule Niederrhein - University of Applied Sciences

nachricht Untergrund beeinflusst Halbleiter-Monolagen
16.02.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie