Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stahlseile müssen Atom-U-Boot "Kursk" tragen

17.07.2001




Auf ihre Haltbarkeit haben RUB-Bauingenieure die zum Transport der Kursk eingesetzten Stahlseile getestet.

Große Herausforderung: Die Bergungsaktion der Kursk
RUB-Bauingenieure testen Konstruktion

Bei der Bergung des gesunkenen russischen Atom-U-Boots Kursk soll nichts dem Zufall überlassen werden. Im Auftrag der niederländischen Bergungsfirma haben Konstruktionsteilprüfer der Ruhr-Universität (Dr.-Ing. Werner Hanenkamp und Mitarbeiter, Fakultät für Bauingenieurwesen) daher die zum Transport eingesetzten Stahlseile auf ihre Haltbarkeit getestet. Sie spannten ein sechs Meter langes Teilstück so lange, bis es durchriss. Beruhigendes Ergebnis: Selbst bei erhöhter Belastung durch schweren Seegang werden die Seile das 18.000 Tonnen schwere U-Boot vermutlich aushalten.

Koloss am Seil

155 Meter lang ist der Koloss, der ein gutes Jahr nach seinem Untergang am 12. August 2000 wieder an die Oberfläche der Barentsee gehoben werden soll. Damit am 15. September alles glatt geht, haben die Vorarbeiten der Taucher vor Ort schon angefangen - und auch Trockenübungen stehen auf dem Programm.

10.000 Drähte tragen 18.000 Tonnen

Für die Bergung wird die niederländische Firma Mammoet ein 140 Meter langes und 36 Meter breites Ponton namens Giant (Gigant) einsetzen, das über 26 Hebevorrichtungen verfügt. Jede dieser Vorrichtungen kann 900 Tonnen tragen. Taucher werden 26 Löcher in den Rumpf der Kursk schneiden und Stahltrossen daran befestigen. Jede Trosse besteht aus 54 Einzelsträngen, die sich wiederum aus sieben dünnen Stahldrähten höchster Festigkeit zusammensetzen. Über 10.000 einzelne Stahldrähte werden somit schließlich das Gewicht des U-Boots tragen.

Dehnen bis zum Riss

"Die bange Frage lautete: Wird das Seil auch wirklich halten?", sagt Dr.-Ing. Werner Hanenkamp. Um es zu prüfen, bauten die Ingenieure in Zusammenarbeit mit dem Lieferanten der Hebevorrichtungen, der holländischen Firma TTFijnmechanica, einen sechs Meter langen Einzelstrang mit seinen Verankerungskonstruktionen in die 2000-Tonnen-Prüfmaschine des Instituts für Konstruktiven Ingenieurbau ein und zogen es langsam aber stetig bis zum Bruch auseinander. Dehnungen der Stahldrähte und Verformungen an den Verankerungen wurden dabei gemessen. Die Bruchlast lag bei etwa 40 Tonnen, die Dehnung bei etwa 3,3 Prozent.

RUB-Bauingenieure zuversichtlich

"Diese Ergebnisse zeigen, dass die eingesetzten Stahlmaterialien und die Verankerungskonstruktionen die Anforderungen erfüllen werden und darüber hinaus auch eine beträchtliche Reserve haben. Unvorhergesehene Belastungen, z. B. hoher Wellengang, werden die Sicherheit vermutlich nicht gefährden", schließt Hanenkamp.

Weitere Informationen

Dr.-Ing. Werner Hanenkamp, Fakultät für Bauingenieurwesen der Ruhr-Universität Bochum, Konstruktiver Ingenieurbau, Bereich Konstruktionsteilprüfung, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-27206/-21224/-25654, Fax: 0234/32-14148, E-Mail: werner.hanenkamp@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Atom-U-Boot Seil Stahlseile

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen
19.10.2017 | Forschungszentrum Jülich, Jülich Centre for Neutron Science

nachricht Was winzige Strukturen über Materialeigenschaften verraten
19.10.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise