Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Aktives Gaspedal: Bleifuß wird nahezu ausgebremst

06.10.2004

Anzeige


Sensoren, die in das Faserverbund-Gaspedal eingelegt sind und aktive Materialien wie Formgedächtnislegierungen oder Piezowerkstoffe erlauben, die Pedalkraft und damit die Geschwindigkeit individuell zu regulieren (Foto: TU Chemnitz).


Chemnitzer Maschinenbauer wurden für ein neues Faserverbund-Gaspedal ausgezeichnet, das leichter und billiger ist und selbst aktiv in das Fahrgeschehen eingreifen kann

Für ein völlig neuartiges Gaspedal sind Maschinenbauer der Technischen Universität Chemnitz vor wenigen Tagen mit dem Hochschul-Innovationspreis des Arbeitskreises Verstärkte Kunststoffe (AKV) ausgezeichnet worden. Es ist aus einem Stück gefertigt, billiger in der Herstellung und weniger verschleißanfällig. Darüber hinaus kann es sich dank "intelligenter Materialien" und eingebauter Sensoren sogar aktiv auf den Autofahrer und die jeweilige Verkehrssituation einstellen.

Grundlage dieser Innovation sind ein Faserverbundwerkstoff und eine funktionsorientierte Bauweise. Im Vergleich zu herkömmlichen Nutzfahrzeug-Pedalen aus Stahl, die aus bis zu 13 Einzelteilen zusammengesetzt sind und knapp 1,3 Kilogramm auf die Wage bringen, ist das neue Faserverbund-Pedal mit rund 200 Gramm um 80 Prozent leichter. Weil es zudem aus nur einem Bauteil besteht, lässt es sich wesentlich billiger herstellen, da sämtliche Montagekosten entfallen.

Das wirklich Besondere dieses aktiven Gaspedals ist jedoch, dass es sich flexibel an die individuelle Fahrsituation anpasst. Dr. Jan Kunzmann, der an der TU Chemnitz die Forschungsgruppe Struktronik leitet, erläutert das neue Bewegungskonzept: "Durch Sensoren, die in den Faserverbund eingelegt sind, und durch aktive Materialien wie Formgedächtnislegierungen oder Piezowerkstoffe kann die Pedalkraft und damit die Geschwindigkeit individuell reguliert werden." In Kombination mit Fahrerassistenzsystemen sei es etwa möglich, durch das aktive Gaspedal notorische Drängler mit Bleifuß nahezu auszubremsen. Beispielsweise kann das Pedal anfangen zu vibrieren, wenn ein Sicherheitsabstand zum Vordermann unterschritten wird.

Derzeit werden die ersten Gaspedale dieser neuen Generation im Rahmen eines vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit mit insgesamt 236.000 Euro geförderten "ProInno"-Projektes in Kooperation mit dem Sensorik-Hersteller Fiberware GmbH aus Mittweida getestet. Zudem wird momentan ein faseroptischer Dehnungs-Sensor weiterentwickelt, der billiger und langlebiger ist als herkömmliche Sensoren. Aktuell werden noch teurere Dehnungsmessstreifen eingesetzt, die bei den großen Dehnungen im Pedal nicht die geforderte Lebensdauer von mehreren Millionen Zyklen erfüllen. Erste Prototypen werden voraussichtlich Ende 2005 in Fahrzeugen getestet, eine Serienproduktion ist nach Ablauf von etwa zwei Jahren denkbar.

Für das aktive Gaspedal erhielt das Chemnitzer Team um den Leiter der Forschungsgruppe Struktronik Dr. Jan Kunzmann am 28. September 2004 in Baden-Baden den mit 1.100 Euro dotierten Hochschul-Innovationspreis des Arbeitskreises Verstärkte Kunststoffe. Nach Meinung der Jury nutze die Chemnitzer Entwicklung über sehr gut die richtungsabhängigen Eigenschaften von Faserverbunden und verfüge über ein hohes Potenzial zur kostengünstigen Fertigung.

Weitere Informationen gibt Dr. Jan Kunzmann, Forschungsgruppe Struktronik am Institut Allgemeiner Maschinenbau und Kunststofftechnik, Telefon (03 71) 531 23 29, E-Mail jan.kunzmann@mb.tu-chemnitz.de.

Alexander Friebel | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.tu-chemnitz.de

Weitere Berichte zu: Gaspedal Maschinenbau Sensor Struktronik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber
08.02.2012 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht All Foamed Up
07.02.2012 | Angewandte Chemie International Edition

Alle Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert


Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst

Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...

Im Focus: Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber


Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.

Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.

Das System ...

Im Focus: VLT liefert detailreichstes Infrarotbild des Carinanebels


Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.

Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.

Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...

Im Focus: Automatisch Lücken im Funkspektrum erkennen


Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.

Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...

Im Focus: Bronze-Matrjoschka: hocheffiziente Katalysatoren und Nanoröhrchen mit ungewöhnlicher Symmetrie


Eine Puppe in der Puppe und noch eine drumherum – so erklärt Thomas Fässler seine Moleküle: Er packt ein Atom in einem Käfig in noch ein weiteres Atomgerüst.

Mit ihrer großen Oberfläche könnten solche Strukturen als hocheffiziente Katalysatoren dienen. Wie bei dem russischen Holzspielzeug sitzt ganz innen drin ein einzelnes kleines Zinnatom, eingepackt in eine Hülle aus zwölf Kupferatomen, und diese ist nochmals umgeben von weiteren 20 Zinnatomen.

In der Arbeitsgruppe von Professor Fässler am Institut für Anorganische ...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Zwerggalaxie hat großen Hunger

08.02.2012 | Physik Astronomie

Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

Obstacles No Barrier to Higher Speeds for Worms

08.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

»Jede Sekunde zählt« Erster Internationaler Kongress zu Rettungsdienstsystemen in Neu Delhi

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Bauwerke gebrauchstauglich halten

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Wissenschaft im Dialog-Veranstaltungen im Wissenschaftsjahr 2012

08.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp