Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Rückfederung von Blechen nutzen

17.10.2002


Simulation des Fraunhofer IWM spart Zeit und Kosten bei der Umformung von Stählen, Magnesium und Aluminium



Bisher ließ sie sich nur mit viel handwerklichem Geschick und jahrelanger Erfahrung wettmachen: die Rückfederung von Blechen nach dem Umformen, etwa zum Kotflügel oder zum Getriebetunnel fürs Auto. Doch seit im Automobilbau Leichtbauteile an Bedeutung gewinnen, für die diese jahrelange Erfahrung fehlt, wächst der Bedarf an rechnerisch basierten Vorhersagen für das Verhalten der Bleche. Aufgrund seiner erfolgreichen Vorlaufforschung kann das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg jetzt ein solches Simulationsmodell anbieten: "Eine Innovation, die dafür sorgen kann, dass besonders die Werkzeug- und Pressenhersteller Entwicklungszeit und -aufwand sparen. Nur so werden die Entwicklungskosten beherrschbar", meint Projektleiter Dr. Winfried Schmitt. Sein Team stellt das innovative Simulationsmodell vom 22. bis 26. Oktober 2002 auf der Euroblech in Hannover vor (Halle 11, Stand C13).



Im März 2000 gründete das Fraunhofer IWM das Kompetenzzentrum Bauteilsimulation (www.simbau.de). Finanziert wird das Kompetenzzentrum vom Bundesforschungsministerium, Geschäftsführer ist Winfried Schmitt. Rund 10 Prozent der Gesamtfördersumme von
2,5 Millionen Euro flossen in die Vorhersage der Rückfederung von Blechen nach dem Umformen. "Eine richtige Entscheidung, denn die Hälfte der eingesetzten Mittel ist bereits durch Industrieaufträge refinanziert", bilanziert der Fraunhofer-Mitarbeiter.


Die Kunden des Fraunhofer IWM kommen wie ThyssenKrupp aus der Stahlherstellung, wie die Firma Müller-Weingarten aus dem Werkzeugbau oder wie Karmann direkt aus der Automobilherstellung. Sie alle wollen lernen, wie eine Presse oder ein Werkzeug so entwickelt werden kann, dass es möglichst auf Anhieb die Rückfederung des Bleches kompensiert und die vom Designer gewünschte Form erreicht. Damit ein Simulationsmodell eine solche Vorhersage treffen kann, muss es gefüttert werden - etwa mit Daten zur Geschwindigkeit, mit der ein Werkzeug-Stempel auf das Blech trifft, und zur Kraft, mit der die Halterung das Blech fest platziert. Was bisher fehlte, waren die Daten zum genauen Verhalten der Bleche selbst, wenn sie gezogen oder gebogen werden. "Meist geschieht sogar beides gleichzeitig und relativ nah beieinander", erläutert Winfried Schmitt, wie komplex die Berechnung ist. Zumal sich Bleche alles andere als linear verändern. Bisher der entscheidende Grund dafür, dass die Prognosen oft daneben lagen.

Das innovative Simulationsmodell des Fraunhofer IWM gründet denn auch auf einer ausgeklügelten Messtechnik, die punktgenau die Verformung eines Bleches unter Zug- und Druckbelastung untersucht. Erst sie erlaube, so Projektleiter Schmitt, zusammen mit den geometrischen Daten des Werkzeuges, eine verlässliche Vorhersage. Ziel des Fraunhofer IWM sei es, der Industrie die Simulation jeweils abgestimmt auf die konkrete Anwendung als Dienstleistung anzubieten. "Wir wissen, dass da ein enormer Zeitdruck auf uns zukommt", sagt Schmitt. Denn die Anpassung an das Rückfedern komme ganz am Ende des zeitaufwändigen und kostspieligen Entwicklungsprozesses zum Tragen.

Die Schwierigkeiten und damit die hohen Entwicklungskosten für die Werkzeugherstellung sind aus Sicht von Schmitt ein Grund dafür, dass sich neue Leichtbauwerkstoffe in der Automobilindustrie bisher nur schwer durchsetzen konnten - trotz aller Vorteile für das Endprodukt. Neue Perspektiven durch das neue Simulationsmodell sieht der Fraunhofer-Mitarbeiter auch in einer Branche, die sehr viel kleinere Bauteile herstellt. Für die Telekommunikations- und Elektronikbranche sind langlebige Steckverbindungen enorm wichtig. Auch hier spielten Druck und Zug bei Qualität oder Verschleiß eines Kupfersteckers eine entscheidende Rolle.

Ansprechpartner:
Thomas Götz
Telefon +49 (0) 7 61 / 51 42-1 53
Fax +49 (0) 7 61 / 51 42-1 10
goetz@iwm.fraunhofer.de


Thomas Götz | idw
Weitere Informationen:
http://www.iwm.fraunhofer.de

Weitere Berichte zu: Blech Rückfederung Simulationsmodell

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Wussten Sie, dass Verpackungen durch Flash Systeme intelligent werden?
23.05.2017 | Heraeus Noblelight GmbH

nachricht Bessere Kathodenmaterialien für Lithium-Schwefel-Akkus
17.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten