Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Laserstrahlumformen: Eine Sekunde Hitze auf engstem Raum

13.07.2000


Um mehr als zehntausend Grad in einer Sekunde heizen Werkstoffe sich auf und kühlen ebenso schnell wieder ab, wenn sie mit einem Laserstrahl in Form gebracht werden. Daß dabei auch die
Mikrostruktur und damit die Eigenschaften des bearbeiteten Materials sich verändern, ist unvermeidlich; doch sollen die Bauteile sowohl exakt geformt sein als auch weiterhin beispielsweise bruch- und reißfest bleiben. Im Schwerpunktprogramm "Kurzzeitmetallurgie" fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft für weitere zwei Jahre ein Grundlagenforschungsprojekt zu dieser Problematik am Lehrstuhl für Fertigungstechnologie von Prof. Dr.-Ing. Dr. Ing. E.h. mult. Dr. h.c. Manfred Geiger an der Universität Erlangen-Nürnberg. Das Projekt, das von Dipl.-Ing. Marion Merklein bearbeitet wird, hat damit eine Gesamtlaufzeit von fünf Jahren.

Das Laserstrahlumformen ist ein flexibles Fertigungsverfahren, das seit einigen Jahren im Rapid Prototyping, der Kleinserienfertigung oder dem Richten geschweißter Komponenten angewendet wird. Für dieses sehr innovative Verfahren müssen keine aufwendigen Umformwerkzeuge bereitgestellt werden. Um das Einsatzspektrum des Laserstrahlumformens, z. B. im Automobilbau für das Richten gegossener Bauteile, erweitern zu können, ist es unabdingbar, die Auswirkungen der Laserbestrahlung und der damit verbundenen kurzzeitigen Erwärmung (Aufheiz- und Abkühlgeschwindigkeit > 104 K/s) auf die mechanischen Eigenschaften und die Mikrostruktur des Werkstoffes genau beschreiben zu können. Bei dieser Lasermaterialbearbeitung wird in einem eng begrenzten Bereich der Werkstoff aufgeheizt, jedoch an der Wärmeausdehnung gehindert und dadurch plastisch verformt; damit verändern sich an der bearbeiteten Stelle auch die Werkstoffeigenschaften. Zwei Aluminiumlegierungen, beide typische Außenhautwerkstoffe im Automobilbau, werden vorrangig untersucht. Die Werkstoffe werden auf unterschiedliche Weise mit Wärme behandelt und weisen deshalb unterschiedliche Eigenschaften auf.

In den ersten drei Projektjahren konnten die Auswirkungen des Laserstrahlumformens bei Verwendung eines Nd:YAG-Lasers für Blechwerkstoffe der Blechdicken 1 bis 3 mm untersucht und beschrieben werden. Das Gefüge wurde lichtmikroskopisch untersucht, die Mikrostruktur mit dem Elektronenmikroskop. Art und Umfang der Beeinflussung der mechanischen Eigenschaften konnten mittels Ultrakleinlasthärtemessungen und Zugversuchen nachgewiesen werden. Die beim Laserstrahlumformen auftretenden Temperaturfelder und Temperaturgradienten sowie die lokal vorherrschenden Spannungs- und Dehnungszustände wurden mittels FEM- Simulation berechnet. Eine Korrelation dieser Ergebnisse mit denen der FEM (Finite-Elemente-Methode) ermöglicht die modellartige Beschreibung der Werkstoffveränderungen für das Laserstrahlumformen bei Verwendung eines Nd:YAG-Lasers.

Im weiteren Verlauf des Projektes sollen die Untersuchungen auf das Excimer-Laserstrahlumformen ausgedehnt werden. Da die Strahlung hier sehr viel weniger tief in den Werkstoff eindringt, können deutlich dünnere Bleche in das Versuchsprogramm aufgenommen werden. Damit soll geprüft werden, ob die bisher gefundenen Zusammenhänge sowohl auf andere Lasersysteme als auch auf ein breiteres Werkstoffspektrum übertragbar sind. Temperaturmessungen an den umzuformenden Bauteilen sollen das FEM-Modell absichern und die Simulationsergebnisse verbessern. Diese Messungen gewährleisten einen Abgleich von Experiment und Simulation.

Nach Ablauf der Projektdauer von fünf Jahren wird es möglich sein, sowohl die Grenzen des Laserstrahlumformens aus werkstoffkundlicher Sicht aufzuzeigen als auch sinnvolle Prozeßketten vorzugeben, die notwendige Anforderungen an Werkstoffe beim Laserstrahlumformen sichern.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. mult. Dr. h.c. Manfred Geiger, Dipl.-Ing. Marion Merklein
Lehrstuhl für Fertigungstechnologie, Egerlandstraße 11, 91058 Erlangen
Tel.: 09131/85 -27140, -28341, Fax: 09131/36 40 3, E-Mail: mn@lft.uni-erlangen.de

Gertraud Pickel |

Weitere Berichte zu: Automobilbau Bauteil Hitze Laserstrahlumformen Mikrostruktur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen
20.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Der gestapelte Farbsensor
17.11.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie