Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Metalle bis ins Innerste durchleuchten

27.11.2000


Die Testläufe hat der neue

Computertomograph an der FH Aalen erfolgreich absolviert: Hier

Dipl.-Ing. (FH) Stephan Tomaschko beim Einrichten einer

Fahrradfelge. (Foto: Burchardt)


Der neue CT im Gießerei-Labor der FH Aalen

ermöglicht zerstörungsfreie Bauteilprüfungen bei hochwertigen Gussteilen, etwa von Felgen, für die Industrie: Dr. Irmgard

Pfeifer-Schäller und Stephan Tomaschko bei der Testvorbereitung.

(Foto: Burchardt)


... mehr zu:
»Bauteil »Magnesium »Tomograph

FH Aalen erhält einzigartigen Computertomographen zur 3D-Bauteilprüfung

(27.11.00) Für die Fehlersuche in Körpern existieren zahlreiche Verfahren. Eine moderne Methode in der Medizin ist die Computertomographie. Dabei wird der menschliche Körper mittels Röntgenstrahlung scheibchenweise aufgenommen, und die zweidimensionalen Schnitte werden zu dreidimensionalen Bilder zusammenmontiert. Diese Bilder geben dann Auskunft über (krankhafte) Veränderungen des Körpers und seines Innenlebens.

Nach einem ähnlichen Prinzip arbeitet auch der Computertomograph (CT), der heute an der Fachhochschule Aalen den offiziellen Betrieb aufnimmt. Allerdings bestehen die untersuchten Körper hier nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Leichtmetall-Legierungen, wie Magnesium und Aluminium. Im Gegensatz zur medizinischen Tomographie kann direkt mit einer Umdrehung ein dreidimensionales Bild des Teils erzeugt werden. Mit einer Messkreiserweiterung lassen sich komplexe Bauteile bis zu einer Größe von 30 cm x 40 cm x 150 cm (L x B x H) untersuchen. Über ein spezielles Computerprogramm können bei einer CT-Umdrehung bis zu 800 Schnitte erzeugt bzw. dreidimensionale Bilder analysiert werden. Im Ergebnis lassen sich Fehler im Bauteilinneren, wie Hohlräume, dreidimensional und mit einer Auflösung von bis zu einem Hundertstel Millimeter darstellen, beschreibt Prof. Dr. Friedrich Klein. "Im Vergleich zu herkömmlichen zweidimensionalen Röntgenprüfungen ist die Auflösung um eine Zehner-Potenz besser", erklärt der Aalener Fertigungstechniker, in dessen Gießerei-Labor der Tomograph steht, der in dieser Art und für diesen Einsatz bundesweit einzigartig ist.

Die CT-Anlage ist speziell für die Gussteilprüfung entwickelt worden, sagt Dr. Martin Simon von der Hersteller-Firma Wälischmiller aus Markdorf und Meersburg. "Die besonderen Stärken der Anlage sind zum einen die hohe dreidimensionale Auflösung und zum anderen die Fähigkeit, sowohl große als auch kleine Teile mit Abmessungen kleiner als ein Zentimeter zu scannen."

"Die Computertomographie kann in Zukunft, verglichen mit den herkömmlichen zerstörungsfreien Prüfverfahren - etwa Röntgen- oder Ultraschallprüfung -, eine enorme Verbesserung bieten hinsichtlich der Unterscheidung von Fehlern und dreidimensionalen Ermittlung der Größe und Lage", ist Prof. Klein überzeugt. Der CT soll das gesamte Bauteil erfassen und selbst dynamische Vorgänge, wie Speisungsvorgänge beim Abkühlen, sichtbar machen. Zudem soll erforscht werden, wie genau die ermittelten dreidimensionalen Daten von beliebigen Bauteilen in entsprechende CAD-Systeme überführt werden können. Dadurch ist es möglich, sehr rasch und ziemlich einfach z.B. Bauteile für Kleinserien zu produzieren, von denen keine technische Zeichnungen (mehr) existieren. "Durch den Computertomographen könnte eine deutliche Zeit- und Kostenersparnis in der Prozesskette von der Bauteil-Idee zur Serienproduktion erreicht werden", unterstreicht Kleins Mitarbeiterin Dr. Irmgard Pfeifer-Schäller.

Mit dem Tomographen will das Aalener Wissenschaftlerteam ermitteln, wo der CT bei der Bauteilentwicklung und -prüfung eingesetzt werden kann. Ein weiteres Einsatzpotenzial liegt in der Erforschung neuer Werkstoffe und archäologischer Gegenstände. Geplant ist beispielsweise die Untersuchung neuer faserverstärkter Werkstoffe und archäologischer Guss- und Schmiedeteile. Der Tomograph ermöglicht der Fachhochschule Aalen weiterhin, zerstörungsfreie Bauteilprüfungen und Qualitätskontrollen bei hochwertigen, sicherheitsrelevanten Gussteilen für die Industrie durchzuführen.

Nicht zuletzt wird der Tomograph dem Werkstoff Magnesium einen Aufschwung bringen. Die Computertomographie fördert die Entwicklung von Sicherheitsteilen für die Fahrzeugindustrie, die aus dem leichten, steifen und recycelbaren Material bestehen. Leichtere und damit Benzin-sparendere Autos werden möglich. Damit hilft die Anlage - zumindest indirekt - auch dem Menschen.

Kontakt:
Dr. Irmgard Pfeifer-Schäller, Dipl.-Ing. (FH) Stephan Tomaschko, Prof. Dr. Friedrich Klein (Fertigungstechnik)
Tel./Fax: 07361/92740
E-Mail: Friedrich.Klein@fh-aalen.de


FH Aalen
Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation
Beethovenstr. 1
73430 Aalen
Axel Burchardt M.A.
Tel.: 07361 / 576 162
Fax: 07361 / 576 355
E-Mail: axel.burchardt@fh-aalen.de

Axel Burchardt | idw

Weitere Berichte zu: Bauteil Magnesium Tomograph

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Europaweit einzigartige Faserpilotanlage geplant
29.09.2016 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

nachricht Forschern gelingt Umformung von Hybridrohren aus Aluminium und Stahl
27.09.2016 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Heidelberg Laureate Forum: Eine Veranstaltung mit Zukunft

29.09.2016 | Veranstaltungen

Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane - Oktober 2016

29.09.2016 | Veranstaltungen

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schwerste Atome im Rampenlicht

29.09.2016 | Physik Astronomie

Zelluläres Kräftemessen

29.09.2016 | Interdisziplinäre Forschung

K 2016: Von OLED-Verkapselung bis Plagiatschutz

29.09.2016 | Messenachrichten