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Lift off! Wenn ein Space Shuttle abhebt, schaufeln
Hochdruck-Turbopumpen pro Sekunde mehr als siebzig Kilogramm flüssigen
Wasserstoff und fast eine halbe Tonne flüssigen Sauerstoff in jedes der
drei Haupttriebwerke. Bei einer Temperatur von -250 °C werden die
verwendeten metallischen Bauteile im Wasserstoff extrem belastet. Bisher
mussten die Lager der Pumpen nach jedem Flug ausgebaut und gewartet
werden, doch das wird im kommenden Jahr anders – mindestens zwölf Starts
sollen die neuen Lager aushalten bis sie gewartet werden müssen. Der
Grund: Bauteile aus dem harten keramischen Werkstoff Siliciumnitrid.
Die Oberflächen von Keramiken können nun mit einem
Verfahren, das in der Metallbearbeitung etabliert ist, weiter gehärtet
werden. Forscher am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in
Freiburg setzen dazu das Kugelstrahlen ein. Ähnlich wie beim Sandstrahlen
verdichtet ein Bombardement von Kugeln eine Metalloberfläche – Keramiken
hingegen bekommen Risse oder brechen. Weder das Kugelstrahlen noch das
Walzen wurden deshalb bei dieser Werkstoffgruppe eingesetzt.
Die
Forscher untersuchten systematisch, wie die Oberfläche von Keramiken beim
Kugelbeschuss verändert wird. Die Größe und das Material der Kugeln muss
dabei ebenso berücksichtigt werden, wie deren Geschwindigkeit und die
Dauer der Bestrahlung. Dr. Wulf Pfeiffer erläutert, welche Vorteile die
Verfahrensvariante bietet: »Nachdem die Keramiken bei optimalen Parametern
bestrahlt wurden, lassen sie sich an der Oberfläche bis zu fünfzig Prozent
stärker belasten, ohne dass sie brechen. Nicht einmal feinste Risse treten
auf. Bis zu zweieinhalb Mal länger hält ein Lager mit dieser
Oberflächenhärtung.« Auf der Messe CERAMITEC in München präsentiert das
IWM sein Verfahren in Halle A1, Stand 130. Gemeinsam mit dem Unternehmen
CEROBEAR in Herzogenrath wird das Konzept weiter entwickelt, um
Hochleistungslager aus Siliciumnitrid serienmäßig zu
härten.
Keramische Lager kommen in vielen Anwendungen ohne
Schmierung aus. Ganz trocken laufen sie beispielsweise in Kompressoren,
sodass die Gase kein Öl enthalten. In der Getränke- und
Lebensmitteltechnologie schmiert sie das Fördermedium selbst – im Space
Shuttle übernimmt dies der flüssige Wasserstoff.
Ansprechpartner:
Dr. Wulf Pfeiffer
Telefon: 07 61/51 42-1
66
Telefax: 07 61/51 42-4 03
E-Mail: pf@iwm.fhg.de
Dr. Wulf Pfeiffer
Weitere Berichte zu: Keramik > Kugelstrahl > Siliciumnitrid > Wasserstoff
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