Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Textil fürs Fahrrad

31.08.2016

Gründerteam der TU Chemnitz will mit Speichen aus Hightech-Fasern Fahrräder noch leichter machen

Mit Speichen aus synthetischen Fasern sollen Fahrräder künftig noch leichter werden. Mit dieser Geschäftsidee streben vier Nachwuchsforscher der Technischen Universität Chemnitz auf den Markt. Entwickelt wurden die textilen Speichen in den Forschungslabors der Fakultät für Maschinenbau an der Professur Fördertechnik.


Daniela Storch prüft an einem Zentrierständer den Rundlauf eines Laufrades, in das textile Fahrradspeichen eingesetzt sind.

Foto: TU Chemnitz/Wolfgang Thieme


Das Gründerteam der TU Chemnitz: Die vier Nachwuchsforscher Ingo Berbig (v.l.), Daniela Storch, Stephanie Mager und Dirk Fischer.

Foto: TU Chemnitz/Wolfgang Thieme

Vom 31. August bis 4. September 2016 will das Team auf der internationalen Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen seinen Standpunkt in der Branche bestimmen und potentielle Geschäftspartner und Zulieferer gewinnen.

Während konventionelle Fahrradspeichen meistens aus rostfreiem Edelstahl, Aluminium oder im Profibereich aus Carbon gefertigt werden, setzen die Chemnitzer auf synthetische hochfeste Hightech-Fasern, die einen wesentlichen Vorteil haben: Sie sind sehr leicht. „Wir erreichen so im Bereich der Speichen eine Gewichtsersparnis von mehr als 50 Prozent, vergleichbar mit Carbon“, versichert Ingo Berbig, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Fördertechnik.

Seine Kollegin Daniela Storch, die zum Gründerteam gehört, weiß als erfahrene Montainbikerin, wie wichtig dieser Aspekt ist. „Bei Wettkämpfen muss ich mein etwa acht bis neun Kilogramm schweres Rad mitunter über unwegsame Strecken bewegen, da ist bereits eine Gewichtsreduzierung von wenigen Hundert Gramm willkommen“, so die international erfolgreiche Sportlerin. „Und auch am Berg zählt bei jedem Hobbysportler und Profi jedes Gramm“, weiß Berbig, der selbst leidenschaftlicher Radfahrer und Trainer einer Jugendgruppe beim Radsportverein Chemnitz ist.

Die textilen Speichen, deren genaue Zusammensetzung geheim ist, haben im Uni-Labor bereits eine 100.000 Kilometer-Ausdauerprüfung erfolgreich bestanden. „Rund um die Uhr wurden die dünnen Speichen Belastungen, die das Auftreffen auf Hindernisse simulieren, ausgesetzt“, berichtet Berbig. Zudem wurden unzählige Zugversuche mit den Faserseilen durchgeführt.

Das Fazit: Die textilen Speichen sind äußerst widerstands- und leistungsfähig. „Und aus betriebswirtschaftlicher Sicht lässt sich positiv anmerken, dass die neuartigen Laufräder aus Chemnitz, basierend auf textilen Speichen, im Vergleich zu anderen Laufrädern ähnlicher Leistungsklassen, konkurrenzfähig sind“, so TU-Absolventin Stephanie Mager, die ihr Knowhow aus dem Studium an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften ins Gründerteam einbringt.

Im Rahmen seiner Masterarbeit an der Professur Fördertechnik konnte Dirk Fischer die einzelnen Komponenten der Laufräder entwickeln. „Wir können jedem Radfahrer hinsichtlich seines eigenen Nutzungsprofils in puncto Beschleunigung, Dämpfungsverhalten, Gewicht, Design etc. einen passenden Laufradsatz konfigurieren“, so Fischer. Dies wird vor allem dadurch gewährleistet, dass die Einstellung des Massenträgheitsmomentes durch die spezielle Auswahl der Komponenten ermöglicht wird. Ein neuartiges Speichenkonzept garantiert zusätzlich eine Gewichtseinsparung im Bereich der Radnabe.

Den ausgründungswilligen Forschern stehen durch den vom Europäischen Sozialfonds und dem Bundeswirtschaftsministerium geförderten „EXIST-Gründerstipendium“ 95.000 Euro zur Verfügung, um die Forschungsergebnisse in ein Start-Up-Unternehmen zu überführen.

Ein Jahr haben sie nun Zeit, einen Businessplan zu erstellen und ihr innovatives Speichensystem an die Serienreife heranzuführen. Eine Patentanmeldung ist bereits erfolgt. Die Speichen sollen gleichermaßen für Hobbyräder, Profiräder und E-Bikes angeboten werden. Beim Sprung in die Selbstständigkeit wird das Team an der TU Chemnitz von der Professur Fördertechnik und vom Gründernetzwerk SAXEED unterstützt.

Aktuell planen die Chemnitzer Nachwuchsforscher einen Dauerprüfstand und weitere praxisrelevante Dauertests. "Dadurch können wir die Qualität unserer Produkte garantieren", sagt Storch. Parallel dazu folgen Fahrten auf der Straße und im Gelände. Ab 12. September 2016 wird ein Prototyp eines mit dem neuen Speichensystem ausgestatteten Rades im Rahmen der Sonderausstellung „Das Fahrrad“ des Industriemuseums Chemnitz zu besichtigen sein. „Anfassen ist ausdrücklich erlaubt“, meint Storch.

Weitere Informationen erteilen Ingo Berbig, Telefon 0371 531-36460, E-Mail ingo.berbig@mb.tu-chemnitz.de, und Daniela Storch, Telefon 0371 531-36189, daniela.storch@mb.tu-chemnitz.de

Weitere drei Fotos finden sich im Ordner „Forschung“ des Online-Pressebildarchivs der Pressestelle der TU Chemnitz und können dort heruntergeladen werden: https://www.tu-chemnitz.de/uk/pressestelle/bild.php

Dipl.-Ing. Mario Steinebach | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Nutzfahrzeuge: Neuer Professor entwickelt effizientere und leichtere Bauteile mit 3D-Metall-Drucker
03.05.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Die Zukunft des Fliegens auf dem Prüfstand
25.04.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics