Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die richtige Wahl des Schraubwerkzeugs steigert die Montage-Produktivität

13.08.2007
Wird bei Schraubwerkzeugen das Reaktionsmoment gut aufgefangen, greift der Werker gern zu und arbeitet produktiver. Bei der Auswahl eines Schraubers sollte der Anwender auch auf die ergonomische Gestaltung des Griffs achten. Denn nur mit einem möglichst entspannten Handgelenk lassen sich auch noch am Ende einer langen Schicht qualitativ hochwertige Ergebnisse erzielen.

Ergonomisch gestaltete Schraubwerkzeuge dienen nicht nur der Bequemlichkeit. Vielmehr unterstützen sie den Werker dabei, produktiv zu montieren: schnell und präzise. Zugleich schonen sie seine Gesundheit – und den Geldbeutel des Arbeitgebers, der weniger über arbeitsbedingte Erkrankungen und Ausfälle zu klagen hat. Darüber hinaus kann das Arbeiten mit ergonomisch schlechten Geräten zu Qualitätsproblemen führen. Doch auf welche Aspekte muss der Anwender achten?

Speziell bei Schraubwerkzeugen geht es darum, das Reaktionsmoment geschickt abzufangen. Drehen soll sich die Schraube, nicht das Werkzeug. Eine in den Antriebsstrang eingebaute Kupplung löst bei so genannten Druckluft-Abschaltschraubern beim Erreichen des voreingestellten Drehmoments aus und schaltet die Luftzufuhr zum Motor ab. Das beschränkt das Reaktionsmoment beispielsweise bei den Druckluftschraubern von Atlas Copco Tools auf ein Minimum. Denn bei deren LUM-Drehschraubern oder LTV-Winkelschraubern vollzieht sich dieses Abschalten schneller als bei anderen Werkzeugen auf dem Markt, versichert der Hersteller.

Ab 4 bis 5 Nm Drehmoment ist ein Gegenhalter zweckmäßig

Die Winkelschrauber lassen sich wegen der ultraschnellen Kupplung sogar ohne spezielle Gegenhalter bis zu einem maximalen Drehmoment von 100 Newtonmetern (Nm) einsetzen. Als Faustregel für Stab- oder Pistolenschrauber gilt allerdings: Schon oberhalb eines Drehmoments von etwa 4 bis 5 Nm sollte jeder Schrauber mit einem Gegenhalter versehen werden oder in eine Vorrichtung eingebaut sein, die das Reaktionsmoment abfängt. Das allerdings bedeutet einen gewissen Mehraufwand.

In vielen Fällen kann es daher lohnen, über den Einsatz eines gesteuerten Elektroschraubers nachzudenken. Diese Werkzeuge erhöhen den Komfort für die Werker flexibel – und mit wenig Aufwand. Denn neben dem Abschaltdrehmoment lassen sich auch Parameter wie Schraubzeit und Anziehwinkel vorgeben, was das Reaktionsmoment weiter senkt. Gleichzeitig kann der Bediener das System auf jede Verbindungsart exakt abstimmen. Ohne Gegenhalter erlauben Elektroschrauber deswegen höhere Anzugsmomente als Druckluftschrauber.

Impulswerkzeuge oder Schlagschrauber für hohe Anzugsmomente

Wer deutlich höhere Anzugsmomente benötigt, greift zu Impulswerkzeugen (bis 500 Nm) oder Schlagschraubern (bis zu 5000 Nm ohne Gegenhalter). Bei den Schlagschraubern drehen sich zunächst Hammer und Amboss mit dem Befestigungselement. Bei Widerstand stoppt der Amboss, während sich der Hammer weiter dreht und so schlagend weiter anzieht.

Vorteilhaft dabei ist, dass das Reaktionsmoment im Griff einzig und allein durch die Beschleunigung des Hammers verursacht wird. Dies erklärt auch die hohen Anzugsmomente, die sich ohne Gegenhalter erreichen lassen. Prinzipiell gleich funktionieren die Impulswerkzeuge, bei denen eine hydraulische Impulszelle das Schlagwerk ersetzt und dadurch die erzielbaren Anziehmomente vervielfacht. Noch höhere Drehmomente lassen sich schließlich bei allen Schraubwerkzeugen mit Hilfe von Gegenhaltern erzielen.

Griff muss entlastende Arbeitsposition ermöglichen

Bei der ergonomischen Gestaltung spielen aber auch weitere Aspekte eine Rolle, wie etwa die Griffform, der Starter oder ganz generell Maßnahmen, um Lärm und Schwingungen zu minimieren. Dem Griff – als direkter Schnittstelle zwischen Bediener und Werkzeug – kommt eine hohe Bedeutung zu. Er muss eine Arbeitsposition ermöglichen, bei der Kräfte und Drehmomente das Handgelenk möglichst wenig belasten. Speziell Verdreh- und Biegebelastungen sind so weit wie möglich zu reduzieren.

Je nach Arbeitsposition haben sich deshalb verschiedene Griffarten etabliert, wie etwa der Pistolengriff, der zugleich hohe Anpresskräfte ermöglicht. Beträgt der Winkel zwischen Griff und Werkzeug 70 Grad, wird die dazu erforderliche Kraft ideal über die Mittellinie von Arm und Handgelenk übertragen. Da unabhängig von der Größe der Hand der natürliche Greifwinkel bei etwa 70 Grad liegt, befinden sich die Muskeln, die das Handgelenk stabilisieren, in ihrer optimalen Position.

Handgriff direkt unter dem Maschinen-Schwerpunkt

Bei schweren Werkzeugen sollte der Handgriff so angebracht sein, dass er sich direkt unter dem Schwerpunkt befindet. Dies minimiert die Biegebelastung des Handgelenks und eignet sich insbesondere für Impulswerkzeuge, die nur geringe Andruckkräfte erfordern. Beispiele sind die Schrauber der Ergopuls-Serie sowie der noch junge Pulsorschrauber von Atlas Copco Tools. Letzterer wird digital überwacht, was bei Druckluftschraubern bis vor kurzem nicht möglich war. Damit kann der Werker keine Schrauben mehr vergessen; auch Drehmoment und Drehwinkel werden überwacht. Das alles reduziert aufwendige und langwierige Nacharbeit – was erst recht als ergonomischer Vorteil gelten kann.

Lese-Tipp: Taschenbuch Ergonomie

Weitere, sehr detaillierte Informationen, worauf bei Handwerkzeugen und deren Einsatz aus ergonomischer Sicht geachtet werden sollte, finden Interessierte im Atlas-Copco-Taschenbuch „Die Kunst der Ergonomie“, das kostenlos bestellt werden kann unter tools.de@de.atlascopco.com (in der Schweiz: tools.ch@ch.atlascopco.com; in Österreich: tools.at@at.atlascopco.com).

Jürgen Schreier | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/produktion/verbindungstechnik/articles/89884/

Weitere Berichte zu: Drehmoment Gegenhalter Handgelenk Reaktionsmoment Werkzeug

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Maschinenbau:

nachricht Neue Helpline „APP-Programmierung“ bietet Service und Beratung rund um HEIDENHAIN-Software-Lösungen
06.04.2017 | DR. JOHANNES HEIDENHAIN GmbH

nachricht Elektrische Spannung: Kaiserslauterer Ingenieure erforschen Versagen bei Kugellagern
28.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Maschinenbau >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten