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Aus eins mach zwei

26.06.2008
MM Maschinenmarkt sprach mit Klaus Helmrich, CEO der Siemens-Division Drive Technologies in Nürnberg, über die Teilung des Bereiches Siemens Automation and Drives (A&D) und die weitere Entwicklung der neuen Sparte Drive Technologies.

MM: Was waren die Gründe dafür, den erfolgreichen Siemens-Bereich A&D zu trennen?

Helmrich: A&D war überaus erfolgreich. Allerdings wurde der Bereich A&D auch immer größer, und er war sogar der größte in der Siemens AG. Die Akquisitionen vergrößerten den Bereich immer weiter. Im Jahre 2005 wurden Robicon und Flender in den Bereich Antriebstechnik integriert. Im vergangenen Jahr wurde mit UGS nochmals der Bereich der Industrieautomation verstärkt. Damit beherrschen wir nun den gesamten PLM-Prozess.

Das Portfolio und das Umsatzvolumen hatten somit Größen erreicht, die eine Teilung sinnvoll erscheinen lassen, um weiter flexibel am Markt agieren zu können. Und: Betrachtet man das jeweilige Umsatzvolumen der beiden Divisionen Drive Technologies und Industrial Automation, reicht dies allemal, um sie beide für Großunternehmen zu halten. Aber, und das ist wichtig, trotz der Trennung wollen wir den Gedanken der Totally Integrated Automation ganz konsequent weiter vorantreiben.

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MM: Welche Abteilungen gehören nun zu Ihrem Bereich?

Helmrich: Siemens ist nun in drei Sektoren gegliedert: Industry, Energy und Healthcare, mit jeweils ei-nem verantwortlichen CEO. Innerhalb des Sektors Industry sind die Themen Automation & Drives jetzt als zwei Divisionen Industry Automation und Drive Technologies vertreten. Dazu kommen Industrial Solutions, Mobility, Building Technologies und Osram. Die Division Drive Technologies besteht aus den fünf Business Units Motion Control Systems, Large Drives, Standard Drives, Mechanical Drives und Electronic Assembly mit weltweit fast 40 000 Beschäftigten.

MM: Wie gestaltet sich die Aufteilung vom Umsatz her, der 2007 über 15 Mrd. betrug?

Helmrich: Man kann ruhig sagen, die Aufteilung des alten A&D-Umsatzes ist nahezu halbe-halbe.

MM: Im letzten Quartal des vergangenen Geschäftsjahres und im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres hatte A&D enorme Zuwächse zu verzeichnen. Worauf führen Sie das zurück?

Helmrich: Die Konjunktur in unseren Tätigkeitsfeldern hat nach wie vor eine gute Dynamik und diesen Schwung haben wir auch übertragen in das neue Geschäftsjahr. Wir sind da natürlich auch getragen worden von den vielen Akquisitionen. So haben wir ja auch UGS im vergangenen Jahr akquiriert. Das hat entsprechende positive Auswirkungen.

Das gilt aber auch für die Antiebssegmente. Über die letzten vier bis fünf Jahre hinweg können wir diesen Aufwärtstrend verfolgen und der setzt sich im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres fort.

Es wäre schlimm gewesen, wenn wir da jetzt nach dem guten letzten Geschäftsjahr im ersten Quartal eingebrochen wären. Dann hätten wir irgendwas falsch gemacht. Außerdem wirken sich jetzt auch für unsere Antriebstechnikseite die Akquisitionen von Flender und von Robicon extrem positiv aus.

Robicon hat unser Spektrum auf der Produktlinie wunderbar ergänzt und uns gleichzeitig Marktzugänge in Regionen und auch Industriesegmenten eröffnet, die uns vorher nicht so leicht zugänglich waren. Sei es die Oil-&-Gas-Industrie, sei es jetzt der amerikanische Markt an sich, mit dem Produktportfolio von Robicon.

MM: Das heißt, die Negativschlagzeilen im vergangenen Jahr haben sich wirtschaftlich nicht bemerkbar gemacht?

Helmrich: Für uns, in den Branchen, in denen wir tätig sind, können wir im Moment nicht feststellen, dass wir 2008 an Fahrt verloren haben. Wie es nach 2008 aussehen wird, das wird sich zeigen.

Natürlich ist es geografisch unterschiedlich. In China gibt es nach wie vor ein extrem hohes, dynamisches Wachstum, in Indien ist ebenso ein hohes Wachstum zu verzeichnen und dort zahlt sich eben das aus, was wir schon vor Jahren angefangen haben, nämlich Wertschöpfungsketten vor Ort zu bringen. Und diese Wertschöpfungsketten tragen jetzt dazu bei, dass wir an diesem dynamischen Marktwachstum teilhaben.

MM: Was wollen Sie in den einzelnen Bereichen tun, damit das weiterhin so fortschreitet wie bisher?

Helmrich: Wir sind durch diese neue Fokussierung mit Sicherheit in der Lage, jetzt stärker und flexibler Themen anzugehen, die in dem Umfeld Antrieb, Auslegung, Mechanik liegen. Die Akquisition von Flender hilft uns extrem, auch Mechanikkompetenzen an den Markt zu bringen, die wir in der Vergangenheit nicht hatten.

Das gilt vor allem für Marktsegmente wie die Fördertechnik. Die Fördertechnik ist ein Markt, der von der Steuerungsseite her von uns mit der Simatic schon sehr gut abgedeckt ist. Aber auf der Antriebsseite sehe ich noch ein großes Potenzial. Diese Fördertechnik finden Sie zum Beispiel bei der Automotive Industrie, die finden Sie bei Gepäckförderanlagen in Flughäfen. Und das sind Segmente, in die wir jetzt verstärkt durch diese Portfolioerweiterung deutlich hineinwirken.

Gleichzeitig können wir auch mit Índustriegetrieben Applikationen wie Zementanlagen und Bergwerke bedienen. Wir haben jetzt insgesamt ein deutlich besseres Portfolio. Und es gibt eine deutliche, stärkere Fokussierung, die wir jetzt am Markt als Antriebshersteller deutlich herausstellen und hinein in die Applikationen bringen können.

Bei Maschinenbauern steht insgesamt das Thema Output der Maschine im Vordergrund. Das lässt sich mit unseren Steuerungen Simotion und Sinumerik optimieren. Mit unseren Simulationstools kann ich bereits in der Entwurfsphase den Antrieb optimieren und diese Daten in die reale Steuerung übernehmen. Damit kann man den ganzen Engineeringprozess optimieren und so mit Simulation die Effizienz steigern.

Nicht zuletzt das schafft eine durchgängige Antriebs- und Steuerungsplattform und somit Synergien. Unsere Schlussfolgerung aus den Erfolgen der vergangenen Jahre ist, diese Kompetenz weltweit weiter auszubauen.

MM: Wo lassen Sie die Software für die Antriebe entwickeln?

Helmrich: Wir haben grundsätzlich eine Entwicklungsstruktur, die es uns erlaubt, über die Welt hin unsere Entwicklungsaktivitäten zu betreiben. Die Kernsoftware für die Motion-Control-Anwendungen machen wir hauptsächlich in Deutschland. Natürlich vergeben wir auch Softwarepakete, Teilsoftwarepakete, in außereuropäische Länder, aber die Hauptsoftwareentwicklung findet bei uns in Deutschland statt.

MM: Lassen Sie Software auch in Indien entwickeln?

Helmrich: In Indien nicht so sehr viel, was die Industriesoftware anbelangt. Wir lassen in China Software entwickeln, vor allem Softwarepakete, die für den Anschluss oder das Userinterface notwendig sind.

MM: Sind Sie mit der Softwareentwicklung in China zufrieden?

Helmrich: Nun, wir haben den Ansatz, dass wir immer konsequenter die Produkte lokalisieren. Das heißt, die Softwarekomponente, die in China entwickelt wird, ist auch für den Markt in China gemacht. Dabei machen wir sehr gute Erfahrungen.

Denn die chinesischen Mitarbeiter mit ihrem tiefen Verständnis für die heimische Kultur, für das entsprechende Handling, für den Umgang mit einer elektronischen Komponente und den Bedürfnissen des lokalen Benutzers, setzen diese Anforderungen sehr gut um. Die Runtime-Software, die das Produkt ausmacht, wird immer noch in Deutschland erstellt.

MM: Wird die Fertigung der mechanischen Komponenten weiterhin in Deutschland bleiben ?

Helmrich: Auch hier folgen wir dem Prinzip, die Wertschöpfung dort zu installieren, wo die Märkte sind. Das ist auch so bei großen Antrieben, wo wir die Thematik der Kundennähe deutlich berücksichtigen müssen, aber auch Transportzeiten und Transportkosten. Denn bei den Motoren ist Logistik und Logistikleistung auch eine Funktionalität.

Diese Funktionalität können Sie als Antriebshersteller nur erbringen, wenn Sie die Kundennähe haben. Das heißt, wir haben Motorenfertigungen im Nachbarraum bei uns in Europa und wir haben sie auch in Asien ebenso wie in Amerika. Wir bedienen aus diesen Fertigungen die lokalen Märkte.

Reinhold Schäfer | MM MaschinenMarkt
Weitere Informationen:
http://www.maschinenmarkt.vogel.de/themenkanaele/automatisierung/fertigungsautomatisierung/articles/125295/

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