Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gute Benutzeroberflächen für automatisiertes Fahren weiterhin notwendig

29.09.2017

Auszeichnung für Dr. Lewis Chuang und Christiane Glatz vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen

Eine Auszeichnung ging an den Wissenschaftler Dr. Lewis Chuang und die Wissenschaftlerin Christiane Glatz vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen in Zusammenarbeit mit Dr. Stas Krupenia von Scania CV.


Links: Student als Studienteilnehmer im Experiment unter Laborbedingungen (Foto: MPI für biologische Kybernetik), Rechts: Berufskraftfahrer in einem hoch immersiven LKW-Simulator

Kjell Olausson

Ihre neuesten Forschungsergebnisse aus dem Transregionalen Sonderforschungsbereich (SFB-TRR) 161, in dem auch Wissenschaftler*innen der Universitäten Stuttgart und Konstanz an quantitativen Methoden für Visual Computing forschen, wurden auf der „AutomotiveUI 2017“ in Oldenburg mit dem Preis für die beste Studie ausgezeichnet.

Die Arbeit eines LKW Fahrers ist körperlich und geistig anstrengend. Laut einer amerikanischen Studie wurden allein in 2015 415,000 LKW Unfälle gemeldet. [1] Die Automatisierung von Fahrzeugen kann dazu beitragen, die Anforderungen einzelner Aufgaben zu reduzieren und die Fahrsicherheit zu verbessern. So kann der Fahrer*in von der Langeweile am Steuer befreit werden und sich auf wichtigere Aufgaben wie Logistik und Routenplanung konzentrieren.

Dennoch sind nach wie vor gute Benutzeroberflächen notwendig, um jederzeit eine klare und transparente Kommunikation zwischen Fahrer*in und automatisiertem Fahrzeug zu gewährleisten. Ein Beispiel ist die Verwendung von akustischen Warnmeldungen, um Fahrer*in vor potenziellen Kollisionen zu warnen oder die Fahrer*in bei der Routenplanung zu unterstützen.

Die Entwicklung und Implementierung von Benutzeroberflächen für die Automobilindustrie ist ein aufwändiger Prozess. Die Verhaltensergebnisse, die im Labor während der Anwendertests demonstriert werden, sind selten identisch, wenn sie in komplexere und praxisnahe Umgebungen übertragen werden. Die Reaktion auf akustische Warnhinweise beispielsweise könnte im Labor schneller und in der realen Welt viel langsamer sein. Solche Unterschiede lassen sich oft nur schwer miteinander vereinbaren.

Die beiden Wissenschaftler*in Dr. Lewis Chuang und Christiane Glatz arbeiteten mit Dr. Stas Krupenia (Scania CV) zusammen, um die Gehirnaktivitäten von freiwilligen Studienteilnehmer*innen (hauptsächlich aus dem universitären Bereich) in einer sterilen Laborumgebung mit denen von Berufskraftfahrern*in in einem hoch immersiven LKW-Simulator zu vergleichen. Sie untersuchten insbesondere, wie diese Personen und ihr Gehirn auf akustische Meldungen reagierten, die zur Unterstützung der Kommunikation zwischen LKW-Fahrer*in und ihrem automatisierten Fahrzeug gedacht waren.

In ihrer neu vorgestellten Studie, die auf der „International Conference for Automotive User Interfaces and Applications 2017“ präsentiert und ausgezeichnet wurde, berichteten sie, dass die Gehirnaktivität (z. B. Elektroenzephalographie „EEG“) der freiwilligen Studienteilnehmer*innen und Berufskraftfahrer*innen ähnlich sei [2]. Auch wenn bei professionellen LKW-Fahrer*innen gegenüber den freiwilligen Studienteilnehmer*Innen langsamere und weniger genaue Reaktionen auf auditorische Meldungen zu verzeichnen waren, ergaben Gehirn-Aktivitäts-Messungen, dass das Gehirn beider Gruppen auf die Verarbeitung der vorgelegten Informationen gleichermaßen reagierte.

Dr. Lewis Chuang vermutet deshalb: "Die Verhaltensreaktionen auf die gleichen Informationen können aus vielen Gründen in verschiedenen Umgebungen und Personengruppen unterschiedlich sein. Manchmal liegt es daran, dass diese Benachrichtigungen in komplexeren Umgebungen nicht mehr nachweisbar sind. Manchmal liegt es auch an den mehr alltäglichen Faktoren, zum Beispiel der Möglichkeit, dass LKW-Fahrer*in in der Regel älter und vielleicht vorsichtiger sind als der durchschnittliche Bachelor-Student*in oder freiwillige Studienteilnehmer*innen."

Und weiter: "Indem wir wissen, dass die menschlichen Gehirne verschiedener Personen auf dieselben Mitteilungen in der gleichen Weise und unter verschiedenen Testeinstellungen reagieren, sind wir zuversichtlicher, dass diese akustischen Mitteilungen bei der Übermittlung der Informationen, für die sie bestimmt sind, wirksam waren.“

Originalpublikation:
Chuang LL, Glatz C, and Krupenia S (September-26-2017) Using EEG to understand why behavior to auditory in-vehicle notifications differs across test environments, 9th International Conference on Automotive User Interfaces and Interactive Vehicular Applications (AutomotiveUI '17), ACM Press, New York, NY, USA.

[1] Federal Motor Carrier Safety Administration, https://www.fmcsa.dot.gov/safety/data-and-statistics/large-truck-and-bus-crash-f...

Weitere Informationen:

http://www.kyb.tuebingen.mpg.de/research/dep/bu/cognition-control-in-human-machi...

Beate Fülle | Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Sicheres Bezahlen ohne Datenspur
17.10.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Saarbrücker Forscher erstellen digitale Objekte aus unvollständigen 3-D-Daten
12.10.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise