Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer hessischer Hochleistungsrechner an der TU Darmstadt

22.04.2002


Am Dienstag, 30. April 2002, wird an der TU Darmstadt der neue hessische Hochleistungsrechner eingeweiht, der Anfang des Jahres installiert wurde. Der IBM-Parallel-Rechner verfügt über 96 Prozessoren und erreicht eine Rechnerleistung von bis zu 500 Giga-Flops - das Vorgänger-Rechner an der TUD schaffte "nur" 13 Milliarden. Eine weitere Ausbaustufe 2004 soll die Rechenleistung nochmals verdreifachen. Finanziert wurde der Rechner durch den Bund, das Land Hessen, die hessischen Universitäten und die Fachgebiete an der TUD, die den Rechner hauptsächlich nutzen. Die Einsatzmöglichkeiten erstrecken sich von der Quantenmechanik über die Krebsforschung bis hin zu Untersuchungen der Flugeigenschaften von Raumtransportern.

Der neue hessische Hochleistungsrechner an der TU Darmstadt wird am Dienstag, 30. April 2002 im Rahmen eines wissenschaftlichen Workshops zum Thema "Wissenschaftliches Hochleistungsrechnen in Computational Science and Engineering" eingeweiht. Auf Initiative des Darmstädter Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen (DZWR) unter Leitung von Prof. Dr. Michael Schäfer konnte zu Beginn dieses Jahres an der TU Darmstadt ein Nachfolgesystem für den Ende 2000 stillgelegten Vektorrechner Siemens VPP300/6 beschafft werden. Bei dem neuen Rechner handelt es sich um einen "eServer pSeries 690" der Firma IBM, ein Hochleistungsparallelrechner mit insgesamt 96 Prozessoren. Damit erreicht der Rechner eine theoretische Spitzenleistung von ca. 500 Giga-Flops. Das sind 500 Milliarden Gleitkommaoperationen (Additionen oder Multiplikationen) pro Sekunde. Zum Vergleich: das alte System schaffte "nur" 13 Milliarden und ein normaler PC nur etwa 1 Milliarde. Auch der Hauptspeicher mit insgesamt 192 GByte kann sich sehen lassen.

Zur Finanzierung des neuen Rechners trugen der Bund, das Land Hessen und die hessischen Universitäten bei. Auch die Fachgebiete der TU Darmstadt, die das System hauptsächlich nutzen, stellten Mittel bereit. Das Konzept sieht eine weitere Ausbaustufe für Anfang des Jahres 2004 vor, mit welcher die Leistung dann nochmals verdreifacht werden soll, um den auch zukünftig immer höher werdenden Anforderungen gerecht zu werden. Ein weiteres System ist an der Universität Frankfurt geplant. Die Beschaffung war Teil des landesweiten hessischen Konzepts für das Hochleistungsrechnen, das vom Hessischen Beirat für Hochleistungsrechnen ausgearbeitet wurde und nachdrücklich durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) unterstützt wird.

Mit der Installation konnte sicher gestellt werden, dass im Land Hessen eine Grundversorgung an Hochleistungsrechenkapazität zur Verfügung steht, wie sie für eine national und international konkurrenzfähige Forschung im Bereich des Wissenschaftlichen Rechnens erforderlich ist. Trotz der Fortschritte im Bereich der Rechnertechnologie ist in vielen praktischen Anwendungsfällen eine zuverlässige Simulation innerhalb vertretbarer Rechenzeiten nach wie vor nur unter Einsatz von Hochleistungsrechnern möglich, nicht zuletzt auch aufgrund der stetig wachsenden Komplexität der Problemstellungen. Dem System kommt damit eine überaus wichtige Bedeutung für den Wissenschaftsstandort Hessen zu, da das Wissenschaftliche Rechnen als eine immer wichtiger werdende Zukunftstechnologie anzusehen ist.

Die Einsatzmöglichkeiten des Wissenschaftlichen Rechnens sind äußerst vielfältig und finden sich in nahezu allen Bereichen von Naturwissenschaft und Technik. Im naturwissenschaftlichen Bereich erstreckt sich das Spektrum von der Erforschung der kleinsten Bausteine der Materie im Rahmen der Quantenmechanik, über die Entwicklung des Erdklimas, die Krebsforschung, bis hin zu Fragen der Entstehung und Zukunft des Universums. Im technischen Bereich reichen die Fragestellungen von der Untersuchung der Flugeigenschaften eines Raumtransporters, über die Optimierung der Saugleistung eines Staubsaugers, bis hin zu Fragen des geringsten Materialaufwandes bei der Herstellung einer Getränkedose.

Das Wissenschaftliche Rechnen bietet hierbei meist eine kostengünstige Alternative zu teueren, zeit- und personalaufwendigen experimentellen Untersuchungen, die oft schwierig oder unmöglich sind, weil etwa die Dimensionen zu klein (Mikrosystemtechnik) oder zu groß (Erdatmosphäre) sind, die Vorgänge zu langsam (Klimaentwicklung) oder zu schnell (Explosionen) ablaufen, die Objekte nicht direkt zugänglich sind (menschlicher Körper, Galaxien) oder der zu untersuchende Vorgang bei der Messung gestört werden muss (Quantenmechanik). Insbesondere aufgrund des enormen Potenzials zur Kostenreduzierung hat sich das Wissenschaftliche Rechnen in vielen Industriezweigen in den letzten Jahren zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt und wird dort immer mehr zu einem entscheidenden Motor für eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Verantwortlichkeiten für den Rechner sind dreigeteilt. Das Gremium für alle Fragen grundsätzlicher Art ist der Hessische Beirat für Hochleistungsrechnen. Die wissenschaftliche Verantwortung obliegt dem DZWR, welches mit seiner interdisziplinären Zusammensetzung als fachübergreifendes Kompetenzzentrum im Bereich des Hochleistungsrechnens fungiert. Hier werden auch die finanziellen Belange geregelt. Betrieben wird der Rechner im Auftrag des DZWR durch das Hochschulrechenzentrums (HRZ) der TU Darmstadt, in dessen Räumen auf der Lichtwiese der Rechner auch installiert ist. Im HRZ kümmert sich Dr. Norbert Conrad um den geregelten Betrieb und eine reibungslose Nutzung des Systems. Der Rechner steht allen Wissenschaftlern der hessischen Universitäten, die im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten auf die Durchführung rechen- und speicherintensiver Aufgaben angewiesen sind, zur Verfügung.
Das detaillierte Programm des Workshop, den das DZWR anlässlich der Einweihung mit Unterstützung durch IBM ausrichtet, ist im Internet unter www.30jahreinformatik.de verfügbar.

Diplom-Volkswirtin Sabine Gerbau | idw
Weitere Informationen:
http://www.30jahreinformatik.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Ergonomie am Arbeitsplatz: Kamera erkennt ungesunde Bewegungen
24.04.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

nachricht TU Ilmenau entwickelt Chiptechnologie von morgen
20.04.2017 | Technische Universität Ilmenau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik

Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland

25.04.2017 | Wirtschaft Finanzen