Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem Notebook zum Mond / 50 Jahre Halbleiter-Industrie in Deutschland

09.04.2002


Nur anhaltende Innovationsdynamik hält das Beziehungsdreieck aus Miniaturisierung, Produktivitätssteigerung und Preisreduktion aufrecht. Halbleiter werden immer kleiner, leistungsfähiger und kostengünstiger
Quelle: Infineon Technologies AG


In wenigen Zeilen gab Ernst von Siemens Anfang April 1952 bekannt, zur Produktion von Halbleitern ein separates Werk bauen zu wollen. Damals war nicht abzusehen, welche Entwicklung er damit anstoßen würde. Es war der Beginn der Halbleiter-Industrie in Deutschland. Heute - ein halbes Jahrhundert später - blickt diese Branche wirtschaftlich wie technologisch auf eine unvergleichlich rasante Entwicklung zurück. Und nach wie vor gestaltet die vor 50 Jahren errichtete Fabrik diesen Fortschrittsprozess als einer seiner Vordenker. Nur heißt sie heute Infineon. Und aus den anfänglich 30 sind inzwischen 30.000 Mitarbeiter geworden, von denen jeder sechste an weltweit 29 Standorten in den Bereichen Forschung und Entwicklung tätig ist.

Im Beziehungsdreieck von Miniaturisierung, Produktivitätssteigerung und Preisreduktion

Zwischen 1954 und 2000 wuchs der weltweite Jahresumsatz der gesamten Branche von fünf Millionen US-Dollar um das 40.000fache auf 200 Milliarden US-Dollar an. Pro Erdenbürger und Jahr werden inzwischen durchschnittlich 60 Millionen Transistoren produziert. Dabei funktionierte die Halbleiter-Industrie von Anfang an nach eigenen Regeln. Ihre bekannteste und zugleich folgenreichste formulierte Gordon Moore bereits 1965. Er machte die Beobachtung, dass sich die Anzahl an Transistoren in einer integrierten Schaltung etwa alle 18 Monate verdoppelt. Übersetzt bedeutet das nichts anderes, als dass beispielsweise die Leistungsfähigkeit ganz normaler PCs im gleichen Zeitraum ebenfalls zweimal so groß wird. Dieser Entwicklung entsprechend könnte die gesamte Rechenleistung der ersten Mondlandung von 1969 heute mit einem handelsüblichen Laptop bewältigt werden. Dazu gehört auch die stetige Miniaturisierung der Bauelemente. Für 1 GByte Speicher, heute ein Modul in der Größe zweier Kreditkarten, wurde vor 30 Jahren die Fläche von 700 m2 und der Strombedarf eines ganzen Dorfes benötigt.

Ob zur Verkehrssteuerung, Telekommunikation, Informationsverarbeitung oder in der programmierbaren Kaffeemaschine, die immer kleiner und schneller werdenden Bausteine sind inzwischen unverzichtbare Bestandteile des Alltags. Das ist aber nur möglich, weil die Preise nicht analog zur Leistungsstärke gestiegen sind - im Gegenteil. Keine andere Branche zeichnet sich durch eine ähnliche Preiserosion aus, wie sie die Halbleiter-Industrie seit ihrem Bestehen zu verzeichnen hat. Hatte man 1972 noch die Wahl, ob man sich für umgerechnet rund 80.000 Euro ein Einfamilienhaus oder 1 Mbit Speicher zulegen sollte, entspricht der Gegenwert für dieses Speichervolumen heutzutage bei einem Preis von wenigen Cent gerade noch einem einzelnen Kaugummi.

Zukunftsfaktor Forschung und Entwicklung

Einen kontinuierlichen Preisverfall in diesem Umfang können am Markt beteiligte Unternehmen laut Ulrich Schumacher, Vorstandsvorsitzender von Infineon Technologies, nur mit dauerhafter Produktivitätssteigerung auffangen. "Einziger Weg, dies zu erreichen, ist wissenschaftlich-technischer Fortschritt", so Schumacher. "Allein 2001 haben wir deshalb 1,2 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das entspricht in etwa den Haushalten zweier großer deutscher Universitäten. Dies macht deutlich, wie ernst wir die Zukunftssicherung unseres Unternehmens betreiben. Und ich denke, dass unsere durchschnittlich 12 Patentanmeldungen pro Arbeitstag ein eindrucksvoller Erfolgsbeleg sind. "

Auch für die Zukunft hält die Halbleiter-Forschung in nahezu allen Lebensbereichen revolutionäre Entwicklungen bereit. Sei es in der Medizin, wo entsprechend programmierte Mikrochips zum Beispiel zur Krebsfrüherkennung beitragen werden, oder sei es auf dem Gebiet von Sicherheitslösungen, wo Mikroprozessoren die Möglichkeit zu sicheren Identifikationsdokumenten bieten - Vielfalt und Chancen der praktischen Anwendungen sind heute wie vor 50 Jahren kaum absehbar.

Reiner Schönrock | ots

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Der Form eine Funktion verleihen
23.06.2017 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Zukunftstechnologie 3D-Druck: Raubkopien mit sicherem Lizenzmanagement verhindern
23.06.2017 | Universität Ulm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften