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Unfall im Tunnel - und dann? Forschungsprojekt U-2010 erfolgreich getestet

13.07.2007
Schwerer Unfall mit Brand im Tunnel: Eine Katastrophe, die von den Rettungskräften höchsten Einsatz und perfekte Koordination fordert. Maßgebend für den Erfolg ist die reibungslose Kommunikation zwischen Polizei, Feuerwehr und medizinischen Bereitschaftsdiensten. Sie zu verbessern, ist Ziel des Forschungsprojektes "U-2010" unter Leitung der Universität Luxemburg.

Das Projekt U-2010 blickt nach Ablauf der ersten zwölf Monate seiner insgesamt dreijährigen Laufzeit auf eine sehr erfolgreiche erste Phase zurück. Dies bestätigte insbesondere die Europäische Kommission in einem Project Review unter Beteiligung namhafter Experten.

Am 12. Juli präsentierte das Projekt U-2010 einem Fachpublikum von rund hundert Personen erste Forschungs- und Entwicklungsergebnisse. Grundidee war, das Projekt in einem realitätsnahen Rahmen zu zeigen: dem Einsatz moderner Kommunikationstechnologie zur Unterstützung von Rettungsdiensten im Falle einer Katastrophe. Darum fand die Testdemonstration mit freundlicher Genehmigung der Luxemburger Straßenbauverwaltung (Ponts &Chaussées) am Tunnel Gousselerbierg bei Lorentzweiler (Luxemburg) statt.

An der Gestaltung der Demonstration waren vorwiegend die luxemburgischen Projektpartner Centre de Communications du Gouvernement (CCG), Entreprise des Postes et Télécommunications (EPT), die Unternehmen HITEC Luxembourg und Telindus Luxembourg sowie die Universität Luxemburg als Koordinator beteiligt. Sie wurden dabei von der Berufsfeuerwehr der Stadt Luxemburg, von Militärangehörigen sowie von der Straßenbauverwaltung unterstützt. Daneben wirkten die europäischen Projektpartner CISCO und University College of London (UCL) mit.

In seiner Begrüßungsrede hob Professor Thomas Engel die Bedeutung des Forschungsprojekts U-2010 hervor. "U-2010 zielt darauf, den verschiedenen Rettungsakteuren bei Unfällen, Katastrophen oder Krisensituationen leistungsfähige Kommunikationsmittel zur Verfügung zu stellen und den effizientesten Zugang zu Informationen zu ermöglichen - ob beim Gebrauch bestehender oder zukünftiger Telekommunikations-Infrastrukturen."

Luxemburgs Forschungsminister François Biltgen unterstrich in seiner Rede, die Erste-Hilfe-Kräfte sollten in Zukunft verlässliche und überall funktionierende Kommunikationsmittel nutzen können, um die Sicherheit von Bürgern und Opfern zu gewährleisten.

Nach dieser thematischen Einführung begann der eigentliche Demonstrationsablauf. Ausgangspunkt war die Simuation eines schweren Unfalls im Tunnel. Die Zuschauer der Demonstration erlebten ein Szenario in 3 Schritten, bei dem der Schwerpunkt auf den kommunikationstechnischen Aspekten lag.

Schritt 1: "Unterbrechungsfreier, mobiler Video-Transfer in das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr während der Fahrt und beim Durchqueren von verschiedenen Netzen".

Das CITA-Kontrollzentrum hat über die Tunnelkameras den Unfall erkannt und die Berufsfeuerwehr alarmiert. Die Feuerwehr fährt zum Ort des Geschehens und nutzt dabei die folgende U-2010 Entwicklung.

Gezeigt wurde, dass die Feuerwehrleute auf ihrem Weg zum Tunnel Zugang zu den Kamerabildern haben können, die durch das CITA-Netz übertragen werden. So kann die Feuerwehr die Lage noch vor Ankunft am Unfallort bewerten und ihren Einsatz auf Basis von Echtzeitinformation strategisch vorbereiten.

Während der Fahrt von der Zentrale zum Tunnel wird der Videostrom über unterschiedliche Netze an das Feuerwehrfahrzeug übermittelt. In der Demonstration wurden Hotspots, UMTS und eine Satellitenverbindung benutzt. Die Herausforderung in dieser Demonstration war der automatische Übergang zwischen den Netzen, ohne den Videostrom zu unterbrechen und ohne manuelles Eingreifen durch die Feuerwehrleute. Dafür wurde ein so genannter Mobile Access Router eingesetzt, der automatisch den besten Kommunikationskanal auswählt.

Schritt 2: "Gruppenruf und Teamkoordination über heterogene Netze"

Nach Ankunft der Rettungsmannschaften am Unfallort ist schnelles Handeln bei perfekter Zusammenarbeit gefordert. Einen Beitrag zur reibungslosen Kommunikation zwischen Polizei, Feuerwehr und medizinischen Bereitschaftsdiensten über die Grenzen der jeweils spezifischen Infrastruktur hinweg zeigte eine U-2010 Entwicklung, die es erlaubt, ein geschlossenes Kommunikationsnetz zielgerichtet zu erweitern. Auf diese Weise kann im Bedarfsfall quasi die Konfiguration des Netzes schnell geändert und um netzfremde Teilnehmer erweitert werden. Ob klassisches Telefon, Mobiltelefon oder SIP-Telefon, der Gerätetyp ist dabei unerheblich.

Schritt 3: "Mobile und drahtlose Verfolgung und Überwachung von Opfern in Krisensituationen"

Sind alle erforderlichen Rettungskräfte vor Ort, ist das primäres Ziel die Versorgung und Sichtung der Opfer. In diesem dritten Demonstrationsteil wurde gezeigt, wie wirkungsvoll drahtlose Kommunikation mit Sensortechnik kombiniert werden kann, um die medizinische Versorgung und Verfolgung der Opfer zu unterstützen. Den Opfern wurde ein sog. "Tag", in Form eines Armbandes, angelegt und die Informationen über ihren Status per RFID-Programmierung abgespeichert. Gleichzeitig wurde diese Information zu einer sicheren Internet-Datenbank hochgeladen. Während das Opfer bzw. der Patient untersucht, evakuiert und hospitalisiert wird, kann er durch die Sensoren automatisch verfolgt werden. Mit diesem System sind der Rettungsmannschaft und der Zentrale Zustand und Position jedes Opfers jederzeit bekannt. Dies ist ein wichtiger Punkt bei größeren Katastrophen, insbesondere wenn die Opfer über mehrere Krankenhäuser verteilt werden.

Das Projekt:

U-2010 steht für: "Überall verfügbares, IP-basiertes Netzwerk der nächsten Generation für Behörden und Wirtschaft Vision 2010". Ziel ist die Bereitstellung leistungsstarker, bestehender und zukünftiger Kommunikationsmittel in Katastrophen- und Krisenfällen. Hierdurch wird den Einsatzkräften der effiziente Zugang zu den erforderlichen Informationen ermöglicht.

U-2010 erforscht neue Lösungen für das Krisenmanagement und trägt damit zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit bei. Moderne und innovative Kommunikations-technologien werden untersucht, die diese Vision verwirklichen. Grundlage sind hierbei die bestehenden und insbesondere zukünftigen Internettechnologien wie z.B. Internet Protokoll Version 6 (Ipv6). Rettungsteams müssen in Krisensituationen schnell und flexibel handeln können. Mobile und ad-hoc Netze sind eine adäquate Lösung.

U-2010 bildet ein europäisches Konsortium mit 15 Partnern aus 8 europäischen Ländern und unter der Leitung der Universität Luxemburg. Das Projekt wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen des 6. Europäischen Forschungsprogramms für ein integriertes Forschungsprojekt auserwählt.

An dem U-2010-Projekt nehmen folgende Institutionen und Unternehmen teil:
? Université du Luxembourg (L)
? Ministère d'Etat - Centre de Communications du Gouvernement (L)
? HITEC Luxembourg S.A (L)
? Telindus S.A. (L)
? University College London (UK)
? Cisco Systems International BV (B)
? France Telecom (F)
? IABG (D)
? SES ASTRA S.A. (L)
? M-PLIFY (L)
? Entreprise des Postes et Télécommunications, (L)
? KORAK, (SK)
? Nokia Siemens Networks (L)
? Lancaster University (UK)
? Administration for Civil Protection and Disaster Relief of the Republic of Slovenia Ministry of Defense (SLO)

Ansprechpartner für Interviews:

Prof. Dr. Thomas Engel, U-2010-Koordinator
Universität Luxemburg
Tel. +352-46 66 44 - 5263
E-Mail thomas.engel@uni.lu

Britta Schlüter | idw
Weitere Informationen:
http://www.u-2010.eu/

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