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Auf dem deutschen Markt ist es zum Thema Mobile Payment bisher weitgehend bei Ankündigungen geblieben. In den USA stößt die M-Payment Forschung der Universität Augsburg unterdessen auf großes Interesse bei Experten aus Wissenschaft und Industrie, die sich jüngst zum Los Angeles Global Mobility Roundtable zusammenfanden. Ebenfalls mit Argusaugen beobachtet wird dort ein aktuelles EU-Projekt zu einem kooperationsorientierten und länderübergreifenden mobilen Bezahlsystem.
In Los Angeles fand kürzlich die neben der International Conference on Mobile Business weltweit bedeutendste wissenschaftliche Konferenz für die Mobile-Branche statt, das "Global Mobility Roundtable", dessen Veranstaltungsort turnusmäßig zwischen den USA, Europa und Asien wechselt. In diesem Jahr wurde die Konferenz von der University of Southern California in Los Angeles ausgerichtet. Der einzige deutsche Vortrag wurde von Dr. Key Pousttchi, dem Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Commerce am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering der Universität Augsburg, gehalten. Pousttchi referierte über die Verbrauchersicht auf das M-Payment und stellte die Studie "Akzeptanzkriterien für mobile Bezahlverfahren (MP3)" vor. Die Studie wurde durch eigene Forschungsmittel der Universität Augsburg finanziert, eine erweiterte Untersuchung wurde im Rahmen des EU-Projektes SEMOPS (Secure Mobile Payment Services) möglich. Es war nicht das erste Mal, dass die Forschungsergebnisse der Augsburger Arbeitsgruppe in den USA aufhorchen ließen: Bereits 2003 gab es auf der International Conference on Mobile Business in New York für eine Arbeit zu mobilen Geschäftsprozessen einen Best Paper Award.
Vorsprung vor den USA schmilzt
Bei der Anwendung von Mobilfunktechnologien hat Europa bisher noch einen Vorsprung von etwa einem Jahr auf die USA - ein Vorsprung, der früher doppelt so groß war und weiter schmilzt, wie Pousttchi meint: "Mobilfunkunternehmen und Banken in den USA zeigen zum Beispiel großes Interesse an dem EU-Projekt SEMOPS, einem universellen mobilen Bezahlsystem für Zahlungen im E- und M-Commerce ebenso wie beim stationären Händler und im Automatenszenario. Es basiert auf endgeräteunabhängigen offenen Standards und setzt auf ein standardisiertes Verfahren zwischen Mobilfunkanbietern und Banken." Das technische System wurde seit 2002 im Rahmen eines EU-Projektes mit Partnern wie T-Mobile, Vodafone und verschiedenen europäischen Banken entwickelt. Seit Januar 2007 befindet es sich in der Phase SEMOPS II. Dabei wird es auf Testmärkten in Italien, Griechenland und Ungarn eingesetzt. Parallel dazu werden M-Payment Geschäftsmodelle untersucht und entwickelt. Als einziger deutscher Partner ist die Universität Augsburg mit der Geschäftsmodellforschung befasst. Derzeit entsteht in Augsburg zum einen ein universeller "Mobile Payment Business Model Framework" zur Analyse und Konstruktion unter den besonderen Bedingungen des M-Payment; zum anderen wird an der Erweiterung des Mobile-Payment-Referenzmodells zur Anwendung auf ein transnationales System gearbeitet.
Reges US-Interesse an M-Payment-Forschung
Auch über SEMOPS hinaus findet M-Payment in der Forschung in den USA inzwischen großes Interesse. So wird das US-Wissenschaftsjournal "Electronic Commerce Research and Applications" Anfang 2008 eine Sonderausgabe zur M-Payment-Forschung herausbringen. Im internationalen Herausgebergremium wirken dabei neben Professor Rob Kauffman (University of Minnesota) die M-Payment-Experten Professor Elaine Lawrence (University of Technology Sydney), Stamatis Karnouskos (SAP Research) und Key Pousttchi (Universität Augsburg) als eingeladene Gastherausgeber mit. Doch nicht nur aus den USA, auch aus Kanada haben die Augsburger Wissenschaftler bereits Anfragen erreicht. Dort haben sich die drei nationalen Mobilfunkbetreiber Bell, Rogers und Telus zu dem Konsortium WPS (Wireless Payment Services) zusammengeschlossen, ohne jedoch bisher so recht voranzukommen.
Sinnvolle Lösungen auch in Deutschland möglich
In Europa gibt es in Spanien und neuerdings auch in Belgien nationale Kooperationslösungen zwischen allen Mobilfunkanbietern und marktführenden Banken. In Deutschland war ein entsprechender Ansatz mit dem "National Roundtable M-Payment" vor zwei Jahren gescheitert. Den deutschen Markt aufgegeben hat Pousttchi aber nicht: "Wir haben die Modelle von 2005 inzwischen wesentlich weiterentwickelt und sind optimistisch, dass sinnvolle Lösungen möglich sind. Was der deutsche Markt dazu braucht, ist eine Bank, die sich mit einem wirklich guten Konzept aus der Deckung wagt." Hinter den Kulissen, meint Pousttchi, gebe es dabei durchaus spannende Bewegungen, aber den letzten Schritt wage dann bisher doch niemand.
MCTA 2008 im kommenden Januar in Augsburg
Der aktuellen Stand zum M-Payment in Deutschland kommt spätestens Anfang nächsten Jahres wieder auf den Prüfstand: Am 28. und 29. Januar 2008 wird in Augsburg die 8. Konferenz "Mobile Commerce Technologien und Anwendungen" (MCTA 2008) stattfinden. Mit bis zu 200 Teilnehmern aus Wissenschaft und Industrie ist die MCTA seit vielen Jahren Treff der einschlägigen Experten.
Über die Forschungsgruppe "Mobile Commerce":
Die Arbeitsgruppe Mobile Commerce (Kurzbezeichnung: wi-mobile) ist mit Anwendungen der Mobilfunk- und weiterer drahtloser Kommunikationstechnologie befasst. Gegründet 2001 am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering der Universität Augsburg (Prof. Dr. Klaus Turowski), integriert sie als Forschungsgruppe modernen Typs in einem Drei-Säulen-Modell Forschungsprojekte auf internationalem Niveau, Beratungsprojekte für namhafte Unternehmen und staatliche Einrichtungen sowie Lehrveranstaltungen für Studenten und Industrieteilnehmer. Besondere thematische Schwerpunkte bilden Mobile Payment/Mobile Banking, Mobile Marketing, mobile Geschäftsprozesse und Wertschöpfungszusammenhänge in Mobilfunkmärkten. Die Gruppe wird von Dr. Key Pousttchi geleitet. Eines der Markenzeichen von wi-mobile ist seit vielen Jahren die Konferenz "Mobile Commerce Technologien und Anwendungen (MCTA)", die längst über ihre Kernthemen Mobile Commerce und Mobile Payment hinausgewachsen ist und mit offener, konstruktiver Diskussion aktuellen Mobilfunkthemen auf den Grund geht.
Die Arbeitsgruppe Mobile Commerce im Web: http://www.wi-mobile.de
Pressekontakt:
Dr. Key Pousttchi
Arbeitsgruppe Mobile Commerce (wi-mobile)
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Systems Engineering
Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon +49 (177) 6319508
key.pousttchi@wi-mobile.de
Informationen über das EU-Projekt SEMOPS:
András Vilmos
General Manager
Telefon +36 (1) 212 4321
info@semops.com
http://www.semops.com
Klaus P. Prem | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.wi-mobile.de
www.semops.com
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