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Gefahren durch biometrische Daten auf dem ePass?

24.04.2007
Das Passgesetz soll geändert werden. Vorgesehen ist eine Aufnahme biometrischer Daten in die Pässe, um so eine engere Bindung zwischen Pass und Inhaber des Dokuments zu erreichen.

Um die Aspekte dieser geplanten Änderung vorab zu durchleuchten, wurden verschiedene Fachleute gebeten, die technische Machbarkeit und datenschutzrelevante Aspekte zu prüfen und potenzielle Risiken zu analysieren. Unter anderem brachte Dr. Christoph Busch, Biometrie-Experte am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD, in einer Stellungnahme an den Innenausschuss des Bundestages seine Einschätzung zu potenziellen Gefahren ein. Die von ihm identifizierten Risiken stellen sich allerdings anders dar, als in aktuellen Medienberichten zu lesen.

Die Bundesregierung hat einen Entwurf eines neuen Passgesetzes vorgelegt, der in Umsetzung einer entsprechenden EG-Verordnung vorsieht, Gesichtsbilder und Fingerabdrücke in digitaler Form in Pässe und andere Personaldokumente aufzunehmen. Um im Vorfeld alle potenziellen Risiken zu identifizieren und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen zu können, hat der Innenausschuss des Bundestages Experten verschiedener Fachgebiete beauftragt, die Auswirkungen der Änderungen des Passgesetzes zu analysieren und Lösungen aufzuzeigen. Als Biometrie-Experte untersuchte Professor Dr. Christoph Busch vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD die technische Machbarkeit der biometrischen Erfassung wie im Gesetzentwurf vorgesehen. Gestern präsentierte er dem Innenausschuss des Bundestages seine Stellungnahme.

Unter anderem hat sich Busch im Rahmen seiner Ausführungen mit der Alterung der biometrischen Referenzdaten im Pass beschäftigt. Hierbei kam er zu dem Ergebnis, dass es erforderlich werden könnte, die Gültigkeit des Passes von 10 Jahren auf einen kürzeren Zeitraum anzupassen. Auch die am Wochenende in der Presse viel diskutierte potenzielle Nutzung der Pässe zum Bau personalisierter Bomben hat der Wissenschaftler betrachtet - allerdings mit anderem Ergebnis, als in vielen Medien beschrieben.

"Die aktuelle Medienberichterstattung vermittelt den Eindruck, dass der Bau personalisierter Bomben eine akute Bedrohung der Bürger im Zusammenhang mit der Einführung von ePässen darstellt. Dies ist aber ausdrücklich nicht der Fall," stellt Busch richtig. "Im Gegenteil: In meinem Gutachten komme ich zu dem Schluss, dass es sich hierbei um einen möglichen theoretischen Angriff auf prominente Persönlichkeiten handelt, der jedoch als nicht kritisch einzustufen ist, da sich die potenzielle Bedrohung mit einfachen und kostengünstigen Maßnahmen eliminieren lässt."

Konkret hat sich Busch mit dem theoretischen Szenario befasst, in dem ein Attentäter die sogenannte Machine Readable Zone (MRZ) des Passes einer prominenten Person kennt. In dieser auf der Datenseite des Passes gedruckten MRZ befinden sich unter anderem die Dokumentennummer, das Geburtsdatum des Passinhabers und die Gültigkeitsdauer des Passes. Bei der Passkontrolle wird die MRZ gescannt und aus dieser Information ein Zugriffschlüssel berechnet, der die Daten im RFID-Chip freigibt. Bei bekannter MRZ könnte eine Bombe genau dann gezündet werden, wenn der dazugehörende Pass in einem Abstand von unter 25 Zentimetern detektiert wird. "Dieser Angriff ist zwar potenziell möglich. Das Risiko kann allerdings schon mit einer abstrahlsicheren Verpackung des Passes - beispielsweise einer mit Alu-Folie gefütterten Brieftasche - einfach und kostengünstig kontrolliert werden. Dies ist im Vergleich mit sonstigen Schutzmaßnahmen für prominente Persönlichkeiten, wie etwa Leibwächtern oder gepanzerten Fahrzeuge, ein vernachlässigbar geringer Aufwand" so Busch weiter.

Detaillierte Informationen zu biometrischen Daten auf dem ePass und der Stellungnahme des Fraunhofer IGD erhalten Sie gerne auf Anfrage. Bitte wenden Sie sich an:

Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD
Abteilung Sicherheitstechnologie
Prof. Dr. Christoph Busch
Telefon: 0 61 51/1 55-5 36
E-Mail: christoph.busch@igd.fraunhofer.de
Prof. Dr. Christoph Busch ist seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD und leitete in der Zeit von 1997 bis 2005 die Abteilung Sicherheitstechnologie. Seit 2005 ist er Professor an der Hochschule Darmstadt. Er ist für eine Vielzahl von Projekten mit dem Schwerpunkt Biometrie verantwortlich, zu deren Auftraggebern u.a. auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zählte. Dr. Busch ist maßgeblich in der Standardisierung biometrischer Systeme sowohl in den nationalen wie internationalen Gremien beteiligt. Darüber hinaus ist er stellvertretender Sprecher der Fachgruppe BIOSIG in der Gesellschaft für Informatik.
Kurzprofil Fraunhofer IGD:
Das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD betreibt angewandte Forschung im Bereich der graphischen Datenverarbeitung. Zu den Kernkompetenzen des Instituts gehören unter anderem Visualisierung und Simulation, Animation, Modellierung, Virtuelle und Erweiterte Realität, Sicherheitstechnologien sowie Ubiquitous Com-puting. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf drei Schwerpunkte: Den Erhalt von Semantik über den gesamten Modellierungsprozess hinweg, die Wechselwirkung von Graphik und Vision sowie die Bearbeitung bibliothekarischer Fragestellungen im Kontext dreidimensionaler Modelle. Das Anwendungsspektrum der innovativen Konzepte, Modelle und Praxislösungen reicht von Virtueller Produktentwicklung über Medizin und Verkehr bis zu Multimedialem Lernen und Training. Im Auftrag von Kunden entstehen Prototypen und Komplett-Systeme, die optimal auf deren spezifische Anforderungen abgestimmt sind. So entwickeln die dreizehn Abteilungen in Darmstadt, Rostock und Singapur neue Technologien, erstellen Studien und realisieren Anwendungen und Systeme (Hard- und Software), die sich durch hohe Benutzerakzeptanz, gute Bedienbarkeit und ergonomische Gestaltung auszeichnen. Die Forschungs- und Entwicklungs-projekte des Fraunhofer IGD haben direkten Bezug zu aktuellen Problemstellungen in Industrie und Wirtschaft. Zahlreiche Ausgründungen gewährleisten, dass Prototypen schnell in marktfähige Produkte umgesetzt werden.

Das Fraunhofer IGD kooperiert eng mit der Technischen Universität Darmstadt, der Technischen Universität Graz und der Universität Rostock. Das Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur, gegründet 1998, sichert die Präsenz auf den Zukunftsmärkten Asiens. Das Fraunhofer IGD beschäftigt in Darmstadt und Rostock rund 140 feste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unterstützt durch etwa 140 wissenschaftliche Hilfskräfte. Der Etat betrug 2006 über 14 Millionen Euro.

Bernad Lukacin | idw
Weitere Informationen:
http://www.igd.fraunhofer.de
http://www.igd.fraunhofer.de/igd-a8/de/projects/biometrie/index.html

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