Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit dem digitalen Trainer zur Olympiade?

23.01.2002


Schwimmerin mit DigiCoach
(Foto: EML/Steger)


Auswertung der Daten auf dem Rechner
(Foto: EML/Steger)


Wissenschaftler des European Media Laboratory entwickeln elektronischen Schwimmtrainer "DigiCoach": Digitale Sensortechnik soll Leistung optimieren helfen - Einsatz auch in anderen Sportarten und zur Rehabilitation möglich

Die Goldmedaille - der Traum jedes Spitzenathleten. Besonders beim Schwimmen entscheiden oft nur Sekundenbruchteile über Sieg oder Niederlage. Da kommt es vor allem auf ein effizientes Training an. Wissenschaftler des European Media Laboratory (EML) in Heidelberg entwickeln jetzt einen handlichen, elektronischen Assistenten, der die Bewegungen von Schwimmern während des Trainings analysiert und so die Leistung optimieren hilft: den "DigiCoach".

Das momentan noch walkmangroße Gerät wird mit einem Gürtel an den Rücken des Schwimmers geschnallt. Es kann die Beschleunigung und verschiedene Bewegungen des Schwimmers mit Hilfe von Sensortechnik messen, wie sie auch in der Automobilindustrie eingesetzt wird. Zum "DigiCoach" gehören außerdem die Übertragung der gemessenen Daten auf den Computer am Beckenrand und eine spezielle Software, die die verschiedenen Bewegungsmuster erkennt und die Daten für Trainer und Athleten aufbereitet. Erste Versuche am Olympiastützpunkt Rhein-Neckar in Heidelberg verliefen viel versprechend. "Zurzeit arbeiten wir daran, zusätzliche Sensoren in das System zu integrieren", so Dr. Steffen Noehte, Leiter des EML-Projekts "Dr. Feelgood", aus dem der digitale Trainer stammt. "Damit können wir komplexe Bewegungsmuster messen, wie sie zum Beispiel beim Brustschwimmen auftreten."

Die EML-Wissenschaftler arbeiten eng mit dem Lehrstuhl für Technische Informatik der Universität Mannheim (Prof. Reinhard Männer), mit dem Institut für Sport und Sportwissenschaft (ISSW) der Universität Heidelberg und mit dem Olympiastützpunkt Rhein-Neckar zusammen. "Wir hoffen, mit dem "DigiCoach" langfristig die bestehende Trainingsdiagnostik zu ergänzen und zu verbessern", freut sich Dr. Klaus Reischle, Dozent und Trainer am ISSW. Die dort bisher angewandten Methoden - das sogenannte Seilzugverfahren und die Analyse durch Videoaufnahmen - geben dem Trainer Aufschluss über den Bewegungsablauf seines Schützlings. Die Video-Analyse mit mehreren Kameras ist jedoch sehr aufwendig und kann erst viel später ausgewertet werden. Und das Seilzugverfahren beeinträchtigt die Bewegungsfreiheit des Schwimmers erheblich, weil er gegen die Kraft eines gespannten Seil anschwimmen muss, das an seinem Körper befestigt ist. Das neue Messverfahren hingegen erfordert einen nur geringen Aufwand, verspricht eine zeitnahe Auswertung und wird vom Athleten nicht als störend wahrgenommen - das zeigten die Trainingsversuche. Außerdem wird der "DigiCoach" im Gegensatz zu den bestehenden Verfahren zum Beispiel auftretende Ermüdungserscheinungen oder den Endspurt exakt berechnen können. Dann kann der "echte" Trainer auf einem Laptop-Rechner am Beckenrand die gemessenen Daten auswerten.
Doch bis dahin müssen die EML-Wissenschaftler noch einige Arbeit in die Verbesserung von Hardware und Software stecken. Dafür suchen sie momentan noch nach geeigneten Partnern aus der Industrie.

"Wenn der "Digicoach" vollständig arbeitet, lässt sich seine Funktionsweise auf andere Sportarten übertragen, wie zum Beispiel Rudern oder Radfahren", sagt Dr. Steffen Noehte. "Außerdem könnte das Messverfahren in der Bewegungstherapie eingesetzt werden, zum Beispiel beim "Aquajogging" nach Knieverletzungen. So könnte der "DigiCoach" auch einen Beitrag zur Rehabilitation leisten."
Der Deutsche Schwimmverband (DSV) und der Deutsche Sportbund (DSB) verfolgen die Entwicklung mit großem Interesse. Für das Frühjahr 2002 sind weitere Tests mit sogenannten Kaderschwimmern in Heidelberg geplant. In der Zukunft könnte der "DigiCoach" der nächsten Generation deutscher Schwimmer möglicherweise helfen, bei den Olympischen Spielen wieder "aufs Treppchen" zu kommen.

Die European Media Laboratory GmbH (EML) ( www.eml.villa-bosch.de ) ist ein privates Forschungsinstitut für angewandte Informatik. Das Forschungsziel ist es, neue informationsverarbeitende Systeme zu entwickeln, bei denen der Nutzer die Technik nicht mehr als Hindernis wahrnehmen soll. Schwerpunkte liegen in der Bioinformatik und in mobilen Assistenzsystemen. Die EML-Forscher arbeiten eng mit Universitäten und der Industrie zusammen. Derzeit bearbeitet das EML im wesentlichen Forschungsprojekte der gemeinnützigen Klaus Tschira Stiftung (KTS) ( www.kts.villa-bosch.de ). Ebenso wie die KTS ist das European Media Lab in der Villa Bosch in Heidelberg beheimatet, dem ehemaligen Wohnsitz des Nobelpreisträgers Carl Bosch (1874 - 1940).

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Peter Saueressig
European Media Laboratory GmbH
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: +49-6221-533-245
Fax: +49-6221-533-198 
peter.saueressig@eml.villa-bosch.de

Dr. Peter Saueressig | idw
Weitere Informationen:
http://www.eml.org/deutsch/aktuell/index.html

Weitere Berichte zu: EML KTS Olympiastützpunkt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Überschwemmungen genau in den Blick nehmen
27.06.2017 | Technische Universität Chemnitz

nachricht Der Krümmung einen Schritt voraus
27.06.2017 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie