Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Sanduhren und Ladebalken: Alles Warten hat ein Ende

12.09.2006
Freiburger Informatiker entwickeln Methode zur Beseitigung von Fehlern im Betriebssystem

Dass die abstrakte Welt der höheren Mathematik ganz konkrete Auswirkungen auf den Alltag jedes Computernutzers hat, konnte jetzt ein internationales Forscherteam um den Freiburger Informatik-Professor Andreas Podelski unter Beweis stellen. Wer kennt nicht folgendes Problem: Ein Befehl, zum Beispiel zum Drucken eines Dokuments, wird abgeschickt, aber nichts passiert. Stattdessen erscheinen endlos ein Ladebalken oder eine Sanduhr auf dem Bildschirm. Die Lösung: die Mathematik des Unendlichen und ein eher zufällig entdecktes Resultat aus dem Jahr 1930.

Wenn man nach dem Absenden eines Befehls ewig warten muss und am Ende sogar der Computer ganz abstürzt, dann handelt es sich dabei um einen so genannten Terminierungsfehler im Betriebssystem des Computers. Genauer gesagt liegt der Fehler in dem Treiberprogramm, das den Befehl an den Drucker (oder ein anderes Gerät: Scanner, DVD-Laufwerk usw.) weitergibt. Gerätetreiber sind Programme, die z.B. von Microsoft als Teil des Betriebssystems Windows mitgeliefert werden.

Professor Podelski und sein Team stehen in engem Kontakt mit dem Forschungslabor von Microsoft in Cambridge, um an Problemen wie dem Terminierungsfehler zu arbeiten. Ein wichtiges Forschungsziel besteht darin, Terminierungsfehler auszuschließen. Bislang bestanden Qualitätskontrollen in der Entwicklung von Betriebssystemen und Gerätetreibern lediglich darin, möglichst viele Situationen zu simulieren. Die Anzahl der Faktoren, die beim Auftreten von Terminierungsfehlern eine Rolle spielen, ist jedoch sehr groß, und so werden nur die wahrscheinlichen Fälle getestet. Tatsache ist, dass auch die unwahrscheinlichen Fälle irgendwann einmal vorkommen.

Hier setzt die von Professor Podelski und seinem Doktoranden Andrey Rybalchenko neu entwickelte Methode an: Ausgehend von einem Resultat des englischen Mathematikers Sir Frank Ramsey aus dem Jahr 1930 entwickelten sie eine neue Mathematik des Unendlichen, aus der ein neuartiges Testwerkzeug hervorgeht. Stark vereinfacht handelt es sich dabei um eine neue mathematische Behandlung von nicht-terminierenden (mathematisch gesehen: unendlichen) Berechnungsabläufen des Computers.

Durch das neue Testverfahren konnten an einer Reihe von Gerätetreibern bereits Terminierungsfehler entdeckt und langfristig beseitigt werden - mit sichtbaren Ergebnissen für die Nutzer: Das immer wiederkehrende Problem, dass Befehle nicht ausgeführt werden, kann bei vielen gängigen Anwendungen nun ausgeschlossen werden. Noch ist die Zeit der Sanduhren nicht abgelaufen, aber dank des Freiburger Forscherteams wird das Glas nicht ständig von neuem umgedreht.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Podelski
Albert-Ludwigs-Universität
Institut für Informatik
Georges-Köhler-Allee
79110 Freiburg
Tel. 0761-203 8241
podelski@informatik.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de/

Weitere Berichte zu: Befehl Betriebssystem Ladebalken Mathematik Sanduhr Terminierungsfehler

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Dinosaurier mit Fleisch und Haut: Projekt zu digitaler Technik für MuseumsbesucherInnen
18.07.2017 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Rechtssicher durch den Cyberspace: Forschungsprojekt zur digitalen Rechteklärung
11.07.2017 | Fachhochschule St. Pölten

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie